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Sport

Nerius, Harting & Co - mit Speer, Hammer und Diskus zur Medaille

Neben Hochspringerin Ariane Friedrich und den Stabhochspringern ruhen die deutschen Hoffnungen in der Leichtathletik eigentlich nur auf Werfern und Stoßern.

Hammerwerferin Betty Heidler mit ihrem Wettkampfgerärt im Juni 2007 (AP Photo/Christof Stache)

Mit dem Hammer zum Erfolg: Betty Heidler

„Schon mit drei Jahren habe ich unheimlich gerne geworfen“, erinnert sich Steffi Nerius, Speerwurf-Silbermedaillengewinnerin von 2004 in Athen. „Wenn es auch zunächst nur Schneebälle oder Steine ins Wasser waren.“

Speerwerferin Steffi Nerius (AP Photo/Thomas Kienzle, 2003)

Speerwerferin Steffi Nerius

Der Spaßfaktor ist der Leverkusenerin erhalten geblieben - heute kommt allerdings das Anforderungsprofil für die gesamte Werfer-Gilde hinzu: „Man braucht schon eine breite athletische Ausbildung. Also werden neben der Technik auch Schnelligkeit, Rumpf-, Arm- und Sprungkraft geschult.“ Die Europameisterin von 2006 weiß, wovon sie spricht. Denn mit 36 Jahren ist Steffi Nerius ein echter Routinier und eine Art Dauerkandidatin für das Podium.

Wobei einer neun Jahre jüngeren Konkurrentin zuletzt die größeren Schlagzeilen gehörten: Der Stern von Christina Obergföll ging bei den Weltmeisterschaften 2005 auf, als sie überraschend Silber gewann. Zwei Jahre später wiederholte sie diesen Erfolg und steigerte mittlerweile ihren Europarekord auf 70,20 Meter. Und die Offenburgerin ist immer in der Lage, zumindest ein „Pfund herauszulassen“ – gerade, wenn es darauf ankommt.


Siegertypen unter sich

Christina Obergfölll bei der Leichtathletik-WM 2005 in Helsinki (AP Photo/Thomas Kienzle)

Speerwerferin Christina Obergfölll

„Ich bin halt einfach ein Wettkampftyp und kann mich so richtig heiß machen auf ein großes Ereignis“, erklärt die stets fröhlich wirkende Obergföll. Allerdings weiß sie auch um ihre Konzentrationsmängel, wenn prominente Namen auf der Starterliste fehlen. Kommt dann noch rutschiges Terrain hinzu, wie zuletzt beim Europacup, kann ein Wettkampf für sie auch im Niemandsland enden. Doch die blonde Athletin bleibt gelassen: „Ich glaube, ich weiß, was ich drauf habe - und deswegen macht mich das jetzt nicht schwach!“

Eine starke Frau ist auch Betty Heidler, die im letzten Jahr mit dem Minimalvorsprung von zwei Zentimetern Hammerwurf-Weltmeisterin wurde. Den ganz großen Druck verspürt die Polizistin und Jura-Fernstudentin aus Frankfurt aber offenbar nicht. „Natürlich fahre ich als Weltmeisterin nach Peking und bin von daher eine der Favoritinnen. Aber das wird wieder eine ganz spannende Kiste“, relativiert Heidler die Erwartungen.


Gute Trainer und Biomechaniker

Doch woran liegt es, dass gerade Werfer und Stoßer hierzulande die Medaillenhoffnungen tragen? Dazu fällt der 24jährigen zunächst die Arbeit der Biomechaniker ein: „Gut ist aber auch der Zusammenhalt zwischen den Werfern. Und wir haben hervorragende Trainer, die auch international anerkannt sind.“ Besonders lobt Betty Heidler die Innovationskraft der Übungsleiter, die im Training immer neue Akzente setzen und so auch lang gedienten Athleten Abwechslung verschaffen.

Leichtathletik-WM Osaka: Der deutsche Diskuswerfer Robert Harting jubelt am Dienstag (28.08.2007) im Nagai-Stadion nach dem Gewinn der Silbermedaille beim Finale im Diskuswerfen. Foto: Gero Breloer dpa +++(c) dpa - Report+++

Diskuswerfer Robert Harting

Von diesem Know-How profitiert auch einer, der sich erst im letzten Jahr in den Favoritenkreis katapultierte: Bei der WM im japanischen Osaka ließ der 23jährige Robert Harting den Diskus zu Silber fliegen. Sein fünfter Versuch landete bei 66,68 Meter, doch das unerwartete Edelmetall feierte der Hüne denkbar lakonisch ab. „Für die Dopingkontrolle mach' ich mir gar keinen Kopp, da braucht Ihr keine Angst zu haben“, so der 126 Kilogramm schwere Berliner. „Heute abend noch einen Schluck Männermilch trinken - und dann war's das!“ In diesem Jahr warf Harting, der auch schon Deutscher Jugendmeister im Kugelstoßen war, bereits deutlich über 68 Meter. Und um flotte Sprüche ist der Selbstbewusste bis heute nicht verlegen – was ihn bei Kollegen nicht unbedingt beliebter macht…


Kein Happy-End für Franka Dietzsch

Bleibt noch der Blick auf die „Grande Dame“ mit der Wurfscheibe, Franka Dietzsch: Ihr letzter von drei Weltmeistertiteln liegt gerade ein Jahr zurück. Dramatisch erhöhte Blutdruckwerte und eine Fußverletzung im Frühjahr hatten den Start der Neubrandenburgerin in Peking immer wieder in Frage gestellt. Obwohl sie bis zur Mannschaftsnominierung keine Norm erfüllt, erhielt die 40-jährige vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einen „Freifahrtschein“. Weniger als zwei Wochen vor Eröffnung der Spiele gab sie das Ticket jedoch zurück. Mit den Worten "Ich brauche nicht auf ein Wunder hoffen. Olympia in China findet ohne mich statt." sagte die dreimalige Weltmeisterin am 27. Juli wegen gesundheitlicher ihre Olympiateilnahme ab.

Diskuswerferin Franka Dietzschbei der WM 2005 in Helsinki (AP Photo/Thomas Kienzle)

Diskuswerferin Franka Dietzsch

Aber wahre Größe zeigt sich ohnehin in der vermeintlichen Niederlage, wie bei der EM 2006. „Ich glaube, ich habe Silber gewonnen“, meinte Franka Dietzsch hinterher trocken. „Man hat mir ja unterstellt, dass ich Gold machen muss. Aber jeder Wettkampf hat seine neuen Gesetze.“ Nur mit der Weite sei sie ein bisschen unzufrieden, räumte sie dann noch ein.

Unvergessen auch, wie Dietzsch 2007 ihren zweiten Platz bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres beging: Für die Gala hatte sie ihre stattliche Figur in ein leuchtend rotes Abendkleid gehüllt. Und beim Anblick des 20 Zentimeter kleineren Turners und Preisträgers Fabian Hambüchen machte sie spontan ihrem Herzen Luft: „Der sieht aber niedlich aus!“

Das Dossier zur Serie:

Serie «Olympische Sportarten»:

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