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Sport

Leichtathletik: Springen & Werfen

Neben pfeilschnellen Sprintern oder filigranen Langstrecken-Assen machen auch die technischen Disziplinen den besonderen Reiz der Leichtathletik aus Über starke Geschlechter und echte „Überflieger“.

Piktogramm für Leichtathletik bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking, China. Foto: +++(c) Picture-Alliance / ASA+++

18 Entscheidungen, von insgesamt 47 in der Leichtathletik, stehen in technischen Disziplinen und für die Mehrkämpfer in Peking an. Seit 1896 offenbart sich auch bei Olympischen Spielen die weltumspannende Popularität der Leichtathletik, die elementare Bewegungsmuster als Wettkampf aufgreift.

Speerwerferin Steffi Nerius - Die 35jährige wird in Peking an ihrer 4. Olympiade teilnehmen. (AP Photo/Thomas Kienzle)

Speerwerferin Steffi Nerius

„Schon mit drei Jahren habe ich begeistert Schneebälle oder nur Steine ins Wasser geschleudert - ich liebe das Werfen an sich und es macht mir immer noch Spaß“, erinnert sich Steffi Nerius. Mit ihrem Speerwurf-Silber vor vier Jahren in Athen schrieb sie eine deutsche Erfolgsstory fort, die 1936 mit den Siegen von Tilly Fleischer und Gerhard Stöck begann. Überragender Speerwerfer war allerdings der Tscheche Jan Zelesny, der ab 1992 dreimal Gold in Folge holte.

Im Diskuswurf setzte der US-Amerikaner Al Oerter, der bis 1968 viermal hintereinander gewann, einsame Maßstäbe. Doch Siegertypen wie Lars Riedel oder Jürgen Schult stehen auch für deutsche Herrlichkeit mit der Wurfscheibe, zumal eine Franka Dietzsch zuletzt noch fleißig WM-Titel sammelte. „Wichtig ist eine breite athletische Ausbildung. Man braucht Schnelligkeit, Sprungkraft, Rumpfkraft – und natürlich Armkraft und eine gute Technik.“ So beschreibt Steffi Nerius die Erfolgsfaktoren für alle Wurf- und Stoßdisziplinen.

Starke Frauen und „Goldhamster“ Lewis

Die ehemalige Weltklasse-Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss (Archivbild: AP Photo/Roberto Pfeil/2004)

Kugelstoß-Legende Astrid Kumbernuss

Mit der Kugel war Astrid Kumbernuss 1996 letzte deutsche Olympiasiegerin. Doch insgesamt werden den starken Frauen aus der Bundesrepublik die besten Medaillenchancen für Peking eingeräumt - zumal sich bei ihnen auch im Hammerwurf hiesiges Know-How auszahlen könnte. „Wir haben ein ausgefeiltes Trainingssystem, dass per se großen Wert auf die Technik legt. Hinzu kommen die Unterstützung durch die Wissenschaft und hervorragende Trainer“, erläutert Norbert Stein, Dozent und Trainer an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Beim Sprung gilt es, die Dynamik des Anlaufs in horizontale oder vertikale Richtung zu übertragen. Als Großmeister – auch in Sachen Physik - erwies sich der Amerikaner Carl Lewis, der ab 1984 gleich viermal den Weitsprung gewann. Selbst wenn als „Jahrhundert-Satz“ die 8,90 Meter seines Landsmannes Bob Beamon 1968 in Mexiko gerühmt werden.


Olympiasieg als Reifeprüfung

Ebendort feierte der Sowjetrusse Viktor Sanejew den ersten seiner drei Olympiasiege im Dreisprung. Und US-Hochspringer Dick Fosbury kreierte seinen Flop - eine Technik, die vier Jahre später eine Senkrechtstarterin beflügelte:

Sergei Bubka (Sowjetunion) 1988 bei einem Meeting in Bratislava. (AP Photo)

Sergei Bubka

Die sechzehnjährige Ulrike Meyfarth gewann in München sensationell Gold mit übersprungenen 1,92 Metern. „Mit vierzehn Schülerinnenrekord, mit fünfzehn deutsche Vizemeisterin und mit sechzehn Olympiasiegerin – das ging also relativ flott bei mir bergauf“, kommentiert die Ausnahmesportlerin heute schmunzelnd.

Zwar sollten ihrem ersten Erfolg mit Rosemarie Ackermann und später Heike Henkel weitere Olympiasiegerinnen aus Deutschland folgen, doch ihr zweiter Triumph 1984 machte Ulrike Meyfarths Karriere einmalig: „Zwölf Jahre und auch viele Misserfolge später schloss sich für mich als gereifte Persönlichkeit so denkbar glücklich ein Kreis.“

Ein gewisses Pendant findet sich in Heike Drechsler, die nach 1992 auch 2000 in Sydney im Weitsprung abräumte – aber Doping-Gerüchte um die einstige DDR-Vorzeigeathletin wollten nie ganz verstummen.


Überflieger Bubka und gekrönte Häupter

Die sechzehnjährige Ulrike Meyfarth gewann 1972 in München sensationell Gold mit übersprungenen 1,92 Metern. (Archivbild)

Hochsprung-Idol Ulrike Meyfarth

Er wurde nur 1988 Olympiasieger, doch schwebte der ukrainische Stabhochspringer Sergej Bubka turmhoch über der Konkurrenz: Das zeigen sechs Weltmeistertitel in Serie und Bestmarken, die er Prämien zuliebe nur zentimeterweise verbesserte. „Auch deutsche Sechs-Meter-Springer wie Tim Lobinger konnten nicht an Bubkas 6,14 Meter heranreichen“, analysiert Experte Norbert Stein. „Hätte er die Gunst der Stunde jeweils genutzt, hätte er seinen Freiluft-Weltrekord vermutlich noch höher schrauben können.“

„Könige der Athleten“ werden im Zehnkampf und bei den Siebenkämpferinnen gekürt, wobei der Thron wohl dem Briten Daley Thompson und US-Girl Jackie Joyner-Kersee mit jeweils zweimal Gold gebührt. Von Olympiasiegern wie Willi Holdorf und Christian Schenk kann Deutschland derzeit nur träumen – Frank Busemanns Silber 1996 war vorerst das Ende einer langen Medaillen-Tradition.