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Welt

"Nepal braucht weiter Hilfe"

Nach dem katastrophalen Erdbeben in Nepal ist das Land auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen. Markus Taglieber hat für "Johanniter International" vor Ort geholfen - und berührende Begegnungen erlebt.

DW: Herr Taglieber, Sie sind gerade nach Deutschland zurückgekehrt und waren etwa eine Woche lang für die deutsche Hilfsorganisation "Johanniter International" im Erdbebengebiet von Nepal im Einsatz. Sie sollten rund um die Hauptstadt Kathmandu gemeinsam mit Kollegen erkunden, was für eine Unterstützung die Menschen brauchen, um die Folgen des Erdbebens vom 25. April abzumildern. Was haben Sie dort erlebt und was ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

Markus Taglieber: Das Beeindruckendste war die Gastfreundschaft der Nepalesen. Wir wurden zum Beispiel von einer Familie zum Essen eingeladen, die alles verloren hatte. Wir durften in ihre provisorische Blechhütte gehen, um dort gemeinsam Mittag zu essen. Die Hütte war ungefähr so groß wie eine kleine Autogarage. Darin waren eine Kuh, ein Bett und dazwischen ein Kochnische. Es hat mich sehr berührt, dass sie das wenige, was sie noch haben, mit uns teilen wollten.

Markus Taglieber (r.) von den Johannitern in Nepal (Foto: Johanniter)

Markus Taglieber (r.) in Nepal

Ein anderes Mal kam ein älterer Mann auf uns zu, der kein Englisch sprach, uns aber mit Händen und Füßen zu verstehen gab, dass er sein Haus verloren hatte. Er zeigte uns dann die Hausreste, die einen Hang hinuntergerutscht waren. Er freute sich sichtlich, dass wir gekommen waren, um zu helfen und dass wir auf jeden Fall weitermachen sollten. Als Zeichen seines Dankes gab er uns eine Gurke - eines der letzten Lebensmittel, die ihm geblieben waren.

Wie ist denn die internationale Hilfe von den Menschen in Nepal aufgenommen worden?

Die Menschen haben sehr positiv auf uns reagiert. Sie riefen uns häufig auf Englisch zu: "Oh, ihr kommt aus Deutschland - die sind ja Fußball-Weltmeister!" Es gab viel Freude, dass Hilfe aus Deutschland kam. Wir scheinen einen sehr guten Ruf dort zu haben.

Wie groß ist das Ausmaß der Zerstörung in Kathmandu und den umliegenden Bezirken?

Im Vergleich zu den Bergdörfern in den Außenregionen sind die Zerstörungen in Kathmandu relativ gering. Natürlich sind in der Hauptstadt Häuser eingestürzt und es gab viele Tote. Aber die Bergdörfer sind viel schlimmer betroffen.

Was bedeutet diese Zerstörung in den Bergdörfern für die Hilfe, die nun geleistet wird?

Die Bergdörfer sind sehr schwer zugänglich - selbst in normalen Zeiten. Jetzt ist alles noch viel schwerer. Es gibt dringenden Handlungsbedarf, damit vor dem Monsun etwas passiert. Die Leute hausen häufig nur unter Planen. Es bleibt nur noch wenig Zeit, um den zigtausend Obdachlosen noch vor dem starken Regen Unterkünfte zu bauen.

Wird noch etwas außer Unterkünften benötigt?

Wir brauchen eine funktionierende medizinische Versorgung. Viele Wunden sind noch nicht behandelt oder trotz Behandlung infiziert. Da muss von internationaler Seite und von den nepalesischen Stellen geholfen werden. Die Johanniter haben Fußtrupps in die Dörfer geschickt, die manchmal acht Stunden in die Berge laufen, um in entlegene Gebiete vorzudringen.

Wie steht es um Nahrungsmittel und Trinkwasser?

In den Gegenden, in denen ich war, gab es immer Trinkwasser. Je höher die Dörfer lagen, desto sauberer war das Wasser. In den tieferen und größeren Ortschaften war das Trinkwasser aber nicht so rein. Deshalb muss auch hier etwas getan werden. Nahrungsmittellieferungen kommen inzwischen an, aber müssen natürlich fortgeführt werden. Hier haben die Johanniter auch angefangen, Nahrung und Zelte zu verteilen.

Es gab Medienberichte, wonach die Koordination der Nothilfe in Nepal nicht gut gewesen ist. Wie haben Sie das erlebt?

Ich habe diese Chaos-Phase auch durchgemacht. Aber das ist normal. Wenn es in Deutschland eine Katastrophe von solchen Ausmaßen gegeben hätte, hätten wir auch am Anfang Probleme, alles zu koordinieren. In Nepal ging es nach und nach auch immer besser. Was es dort aber nicht gibt, ist ein funktionierender Katastrophenschutz. Die Armee hat diese Lücke ausgefüllt und versucht zu koordinieren, allerdings fehlt ihr die Erfahrung. Wenn sie allerdings Hinweise bekommt, werden die Tipps auch umgesetzt. Ich sehe durchaus Fortschritte.

Markus Taglieber (37) ist seit Jahren ehrenamtlicher Helfer bei "Johanniter International". In zahlreichen Lehrgängen und Trainings wurde er auf Katastropheneinsätze im Ausland vorbereitet.