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Politik & Gesellschaft

Neonazis ermordeten Polizistin wegen Waffe

Der Mord an der Polizistin Michèle K. war wohl keine Beziehungstat. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie zufällig zum Opfer der Zwickauer Terrorzelle wurde. Es ging den Neonazis vermutlich um die Dienstwaffe.

Waffe, die bei Böhnhardt und Mundlos gefunden wurde (Foto: dpa)

Böhnhardt und Mundlos nahmen die Waffe der Polizistin mit

Bei den Ermittlungen zum Zwickauer Neonazi-Trio ist einem Zeitungsbericht zufolge das Motiv für den Mord an der 2007 in Heilbronn getöteten Polizistin gefunden worden. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass die Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die Polizistin wahrscheinlich erschossen, um an ihre Dienstwaffe zu gelangen. Das Bundeskriminalamt schließt laut SZ inzwischen eine Beziehungstat aus. Die Ermittler gehen demnach davon aus, dass die 22-jährige Michèle K. eher zufällig in die Hände der Verbrecherbande geriet und es sich nicht um einen gezielten Anschlag handelte.

Weil die Polizistin wie die beiden Mörder aus Thüringen stammte, war zuvor über eine Beziehungstat spekuliert worden. Ermittlungen in Heilbronn und Oberweißbach, dem Heimatort der Polizistin, hätten diese Hypothese jedoch nicht bestätigt. Vor allem der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, hatte zwischenzeitlich davon gesprochen, dass es sich bei dem Mord um einen "Beziehungsdelikt" gehandelt habe und so für viel Verwirrung gesorgt. Die Aussage wurde später vom BKA korrigiert.

Kaltblütiger Mord wegen "Polizeipistole"

Fahndungsfoto von Uwe Böhnhardt, Beate Zschäpe und Uwe Mundlos (Foto: dapd)

Die Polizistin wurde zufällig zum Opfer des Neonazi-Trios

Nach Erkenntnissen der Ermittler hätten die Mörder etwa nicht wissen können, dass die Polizistin am 25. April 2007 Dienst hatte, heißt es in dem Bericht. Sie hätte demnach eigentlich Urlaub gehabt und sei kurzfristig eingesprungen. Auch die Fahrtroute der Polizistin und ihres 24-jährigen Kollegen, der bei der Tat lebensgefährlich verletzt worden war, sei eher zufällig gewesen. Die beiden Polizisten machten gerade in ihrem Wagen Mittagspause, als sie von ihren Mördern überrascht wurden.

Die Pistolen der Polizistin und ihres Kollegen waren im November in dem ausgebrannten Wohnwagen in Eisenach gefunden worden, in dem sich Mundlos und Böhnhardt nach einem Banküberfall töteten. Die Ermittler hätten auf einer in Zwickau sichergestellten Festplatte eine Datei mit der Bezeichnung "Polizeipistole" gefunden, auf der die Waffe der Polizistin abgebildet war, schreibt die Zeitung.

Verfassungsschutz "auf dem rechten Auge blind"?

Wolfgang Thierse (Foto: Karlheinz Schindler)

Thierse fordert vom Verfassungsschutz, den Verdacht der "Kumpanei" mit Rechten zu beseitigen

Wegen der jahrelang unentdeckt gebliebenen Neonazi-Mordserie mahnte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) in der "Berliner Morgenpost": "Wenn der Verfassungsschutz in Deutschland fortexistieren soll, dann muss der Verdacht der Kumpanei mit Rechtsextremisten, der Blindheit auf dem rechten Auge vollständig ausgeräumt werden, dann könnte die Auflösung einiger Landesämter folgen."

Die CSU-Landesgruppe im Bundestag fordert im Kampf gegen Rechtsterroristen längere Speicherfristen für Erkenntnisse des Verfassungsschutzes und eine rasche Neuregelung der Vorratsdatenspeicherung. "Im Fall der Zwickauer Zelle hat sich gezeigt, dass die Speicherfristen von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen mit fünf Jahren zu kurz bemessen sind", heißt es nach Informationen der "Passauer Neuen Presse" in einem Positionspapier der CSU-Abgeordneten für die Klausurtagung Anfang Januar in Wildbad Kreuth.

Bielefelder protestieren gegen Neonazi-Aufmarsch

Tausende Menschen haben am Samstag in Bielefeld gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten demonstriert. Ein Polizeisprecher berichtete, dabei habe es auch Ausschreitungen gegeben. Von einer Eisenbahnbrücke hätten Demonstranten Steine und Obst auf die darunter marschierenden etwa 70 Neonazis geworfen. Insgesamt seien 6500 Menschen dem Aufruf eines Bündnisses zur Demonstration gegen Rechts gefolgt.

Das Zwickauer Neonazi-Trio, Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und die inzwischen inhaftierte Beate Zschäpe, soll zwischen 2000 und 2006 neun Kleinunternehmer ausländischer Herkunft ermordet haben, hinzu kommt der Mord an der Polizistin 2007. Außerdem wird der Gruppe zur Last gelegt, 2001 und 2004 zwei Sprengstoffanschläge mit insgesamt 23 Verletzten in Köln verübt zu haben.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, afp, dapd)

Redaktion: Frank Wörner

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