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Wirtschaft

Neckermann wird abgewickelt

Eine Legende aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders stirbt einen stillen Tod: Der Versandhändler Neckermann setzt die restlichen rund 2 000 Mitarbeiter auf die Straße. Zu spät setzte man aufs Internet.

Ein Neckermann-Katalog aus besseren Zeiten (Foto: dpa)

Neckermann

Der insolvente Versandhändler Neckermann setzt seine rund 2.000 Mitarbeiter auf die Straße und wird abgewickelt. Zwar würden die Gespräche mit dem letzten verbliebenen Interessenten fortgeführt, teilte das Unternehmen am Mittwoch (26.09.2012) in Frankfurt am Main mit. Doch aus insolvenzrechtlichen Gründen müsse die Schließung des Betriebs vorbereitet werden. Das Insolvenzgeld zur Bezahlung der Löhne reicht nur noch bis Ende des Monats, also bis Sonntag. Eine Legende aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders ist damit am Ende.

Die Mitarbeiter seien am Morgen darüber informiert worden, dass sie ab Oktober freigestellt würden, erklärte das Unternehmen. "Wir lassen nichts unversucht und verhandeln jetzt mit noch einem interessierten Investor", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Kühne. "Bis zum Schluss kämpfen und hoffen wir - besonders für die Mitarbeiter." In den vergangenen Tagen seien allerdings intensive Verhandlungen mit einem Konsortium von Investoren gescheitert.

Die Abwicklung betrifft den Angaben zufolge die Unternehmensteile Neckermann.de, die Logistiksparte und die Servicegesellschaft NCCS, die vor allem das Call-Center betreibt. Der vierte Geschäftsbereich, die auf Übergrößen spezialisierte Tochter Happy Size, wird an einen Konkurrenten verkauft. Sie gilt als Filetstück.

Kein Interesse an Logistik-Tochter

Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di gibt es kein Interesse an der Übernahme von Neckermann Logistik, wo rund 800 Beschäftigte angestellt sind. Bereits der radikale Sanierungsplan des US-Finanzinvestors Sun Capital im Frühjahr hatte die Schließung dieser Sparte vorgesehen.

Damals planten die Eigentümer, Neckermann in einen reinen Onlinehändler umzubauen und die Hälfte der Stellen zu streichen. Ver.di legte ein Gegenkonzept vor. Eine Einigung kam nicht zustande. Im Sommer wollte Sun Capital dann kein Geld mehr für eine Restrukturierung des verlustträchtigen Geschäfts aufbringen, es folgte die Insolvenz. Als Gründe für den Niedergang gelten Missmanagement und die zu späte Anpassung an den Internethandel.

Nach Gewerkschaftsangaben arbeiten bei Neckermann.de, dem Kern des Unternehmens, etwa 900 Mitarbeiter. Bei der Servicetochter NCCS seien 50 bis 90 Stellen angesiedelt. Die rund 80 Stellen der Sparte Happy Size sollen nach der Übernahme durch den Pforzheimer Konkurrenten Klingel weitgehend erhalten bleiben.

Vermittlung der Mitarbeiter wird schwierig

Fachleute der Bundesagentur für Arbeit sind bereits seit einiger Zeit am Neckermann-Unternehmenssitz im Einsatz, um die Beschäftigten auf Arbeitslosigkeit und Jobsuche vorzubereiten. Da viele der Mitarbeiter keine abgeschlossene Ausbildung hätten und nur schlecht Deutsch sprächen, sei eine Vermittlung schwierig. Problematisch sei auch, dass anders als bei der Pleite der Drogeriekette Schlecker fast alle Neckermann-Beschäftigten an ein und demselben Ort arbeitslos würden. Auf einer Jobbörse informierten sich Mitarbeiter am Dienstag bei anderen Dienstleistungs- und Logistikfirmen über Arbeitsmöglichkeiten.

Der Unternehmer Josef Neckermann hatte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Textilienfirma und einen Versandhandel gegründet, der im Zuge des Wirtschaftswunders schon bald florierte. "Neckermann macht's möglich" - der Slogan des Unternehmens - war in aller Munde. Neckermann stieg zudem ins Reisegeschäft ein, verkaufte Fertighäuser und Versicherungen und betrieb auch eine Kaufhauskette. In den 1970er Jahren geriet das Stammhaus in die Krise und wurde 1977 mehrheitlich von der Karstadt AG übernommen, die später mit dem Versandhändler Quelle fusionierte. Die Umbenennung in Neckermann.de 2006 stand für den neuen Fokus auf Online-Versandhandel. Neckermann-Reisen hat heute mit dem Versandhandel nichts mehr zu tun und gehört zum Tourismuskonzern Thomas Cook.

Das Unternehmen wurde dann 2007 mehrheitlich an den US-Investor Sun Capital verkauft, ein Stellenabbau folgte. Nach der Pleite des KarstadtQuelle-Nachfolgers Arcandor übernahm Sun 2010 auch die übrigen Anteile. Doch die Geschäfte liefen - nicht zuletzt wegen immer stärkerer Konkurrenz beim E-Commerce - schwach. Im Juli 2012 stellte Neckermannde Insolvenzantrag,

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