NASA schickt menschliches Sperma ins All | Wissen & Umwelt | DW | 11.04.2018
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Weltall

NASA schickt menschliches Sperma ins All

Die US-Raumfahrtorganisation will mit dem neuen Experiment erforschen, wie die Spermien auf Schwerelosigkeit reagieren - und ob sich Menschen im All fortpflanzen könnten. Andere Säugetiere waren bisher wenig erfolgreich.

Was haben Raumfahrtorganisationen nicht schon in alles ins All geschossen. Abgesehen von den Astronauten, die zum Beispiel auf der International Space Station (ISS) arbeiten, haben auch schon Pizza, Legofiguren und sogar ein Cabrio ihren Weg ins All gefunden. Aber ein neues Experiment schießt den Vogel ab: Für das Forschungsprojekt Micro-11 schickt die NASA (National Aeronautics and Space Administration) jetzt gefrorene Proben menschlichen Spermas zur ISS.

"Wir planen Reisen im Weltall über die ISS hinaus. Es gibt Gedankenspiele über eine Besiedlung des Mondes, des Mars und anderer Himmelskörper. Da ist die Frage, ob Überleben auf einer Mehrgenerationenebene möglich ist, von fundamentaler Bedeutung", sagt Joseph Tash von der medizinischen Fakultät der University of Kansas, der das Sperma untersuchen wird, wenn es nach dem Ausflug ins All wieder sicher auf der Erde gelandet ist.

Über Reproduktionsbiologie unter Einfluss der Schwerelosigkeit ist bisher so gut wie nichts bekannt. Mit Micro-11 wollen Wissenschaftler am Ames Forschungszentrum (ARC) der NASA im Silicon Valley anfangen, diese Wissenslücke zu schließen. Sollte die normale menschliche Fortpflanzung im All nicht funktionieren, müssten vielleicht besondere Maßnahmen ergriffen werden. Sonst sähe es mit dem langfristigen Fortbestand einer Mars-Kolonie schlecht aus.

«Starman» im roten Tesla im All (picture-alliance/dpa/SpaceX)

Im Februar 2018 cruiste ein roter Tesla-Sportwagen um die Erde, den die private Raumfahrtfirma SpaceX ins All geschossen hatte

Bei Säugetieren, also auch bei uns Menschen, kommt es zur Befruchtung, wenn ein Spermium zu einer Eizelle schwimmt und in sie eindringt. Dafür muss die Spermazelle zunächst "aktiviert" werden, damit sie sich überhaupt vorwärts bewegt. Als nächstes muss sie ordentlich Fahrt aufnehmen, damit es zur Fusion mit der Eizelle kommen kann. Außerdem muss die Membran des Spermiums sich verflüssigen.

Bisher haben Experimente mit Bullen- und Seeigelsperma gezeigt, dass die Aktivierung der Spermien in der Schwerelosigkeit schneller zu gehen scheint, aber dass die Schritte danach nur langsamer oder sogar gar nicht vonstatten gehen. Schlechte Bedingungen für potenzielle Spacebabys.

Beim Micro-11 Projekt werden die Astronauten auf der ISS die gefrorenen Proben auftauen und mit Chemikalien vermischen, die das Sperma aktivieren sollen, heißt es in einer NASA-Pressemitteilung. Dann wollen sie beobachten, ob und wie schnell die Entwicklung weitergeht. Tash und andere Forscher auf der Erde sollen schließlich untersuchen, ob die Spermien alle nötigen Schritte für eine Befruchtung durchlaufen haben, und wie sie sich von Spermazellen unterscheiden, die keine Spritztour im Weltall hinter sich haben.

Video ansehen 00:44

Forscher auf Hawaii: Ein Jahr wie auf dem Mars gelebt

Beim aktuellen Experiment beschäftigen sich die Astronauten auf der ISS zum ersten Mal mit menschlichem Sperma. Die Fortpflanzungsbiologie anderer Lebewesen wurde in den unendlichen Weiten des Weltraums aber schon eingehend untersucht. Frösche, Salamander, Schnecken und wirbellose Wassertiere konnten sich bereits erfolgreich im All vermehren - unter wissenschaftlicher Aufsicht natürlich.

Mit Säugetieren lief es bislang weniger gut. 1979 starteten die Russen einen Versuch mit Ratten. Zwei der Nager wurden im All tatsächlich schwanger, aber beide hatten eine Fehlgeburt.

Könnten sich Menschen auf dem Mars fortpflanzen?

Wenn man glaubt, dass sich die Zukunft der Menschheit nicht - oder nicht nur - auf der Erde abspielt, ist das Micro-11 Experiment von entscheidender Wichtigkeit.

"Wenn Menschen beginnen, Kinder auf dem Mars zu bekommen, wo man nur etwas mehr als ein Drittel seines ursprünglichen Körpergewichts wiegt, stellt sich die Frage, wie diese jungen Lebensformen heranwachsen werden," sagte der Astronomieprofessor und frühere NASA-Wissenschaftler Neil F. Comins im Sommer 2017 in einem DW-Interview.

Damit es zu solchen auf fremden Planeten gezeugten Kindern überhaupt kommt, muss natürlich das Sperma mitspielen. Dank der NASA-Forscher wissen wir hoffentlich bald, ob Menschen bei der Fortpflanzung im All vielleicht doch so erfolgreich sein könnten wie Schnecken oder Salamander.

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