Das Himmels- und Raumfahrtjahr 2018 | Wissen & Umwelt | DW | 29.12.2017
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Das Himmels- und Raumfahrtjahr 2018

Drei Planeten, zwei totale Mondfinsternisse, eine neue Großrakete, Alexander Gersts zweite Reise zur ISS, eine Marssonde und der Beginn der Merkurmission BepiColombo - etliche himmlische Highlights für Weltraumfans.

BepiColombo - Teilsonden (DLR/ESA)

Die Teilsonden von BepiColombo müssen an ihrem Zielort, dem Merkur, einiges an Hitze von der Sonne ertragen.

2018 wird vor allem ein Raumfahrtjahr. Insbesondere SpaceX, die Firma, die nach dem Ende der Shuttle-Flüge im Auftrag der NASA die Internationale Raumstation mit Material versorgt, muss zeigen, dass sie noch viel mehr kann. Noch im Januar könnte der Jungfernflug der neuen Großrakete Falcon 9 Heavy erfolgen. Sie soll rund 50 Tonnen in die Umlaufbahn hieven – und wäre damit die stärkste Rakete seit der legendären Saturn V aus Apollo-Zeiten.

Das Jahr der Wahrheit für SpaceX

Die Falcon 9 Heavy besteht im Prinzip aus drei miteinander verbundenen Falcon 9-Raketen, die sehr erfolgreich im Einsatz sind. Was zunächst sehr einfach klang, hat sich als technisch äußerst anspruchsvoll herausgestellt.

SpaceX will Menschen ab 2024 auf den Mars bringen (picture-alliance/dpa/Press Association Images/Spacex)

Noch nicht so weit: Ab 2024 möchte Elon Musk Astronauten in dieser Riesenrakete auf Reisen schicken.

Selbst Elon Musk, der sonst so auftrumpfende Chef von SpaceX, räumt ein, beim Start könne sehr viel schief gehen und der Bau der Rakete sei viel schwieriger als erwartet. Beim Jungfernflug wird lediglich ein Auto an Bord sein, das in eine Umlaufbahn um die Sonne gelangen soll. Dieser PR-Gag ist kosmische Umweltverschmutzung und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass SpaceX enorm unter Druck steht – denn der Start des Prestige-Projekts wurde fast so oft verschoben wie die Eröffnung des Berliner Flughafens.

Fliegen Astronauten wieder von den USA aus ins All?

Auch seinen großen Ankündigungen zum Transport von Menschen ins All  muss SpaceX endlich Taten folgen lassen. Die bemannte Version der Dragon-Kapsel wurde zwar schon vor vier Jahren vorgestellt, geflogen ist sie indes noch nie.

Das Unternehmen verkündet zwar gerne die ganz großen Reisen durch das Planetensystem oder gar die Besiedlung des Planeten Mars – doch bisher hat man noch nicht einmal Menschen von der Erde in die Umlaufbahn gebracht.

Frühestens im April könnte es einen Testflug der neuen Kapsel ohne Menschen zur Internationalen Raumstation geben. Nur wenn alles ganz perfekt läuft, fliegen schon gegen Jahresende US-Astronauten mit einer Dragon-Kapsel zur ISS. Es wäre das erste Mal seit dem Ausmustern der Space-Shuttle-Flotte 2011, dass Astronauten von US-Territorium aus in den Weltraum gelangen. 

Mehr dazu: Thomas Reiter: Die ESA wird einen Beitrag zur neuen Raumstation leisten

Ein deutscher Astronaut als Kommandant der ISS

Voraussichtlich Ende April fliegt der deutsche Astronaut Alexander Gerst wieder zur ISS  – ganz klassisch mit einer russischen Soyuz-Kapsel vom Kosmodrom Baikonur aus. Nach 2014 ist dies sein zweiter Aufenthalt auf der Raumstation.

Deutschland | Astronaut Alexander Gerst päsentiert das Logo seiner nächsten ISS-Mission (REUTERS/W. Rattay)

Horizons - lautet der Titel von Gersts nächster ISS-Mission

Ein halbes Jahr soll Gerst in der Umlaufbahn leben und arbeiten, drei Monate davon als erster deutscher Kommandant der ISS. Der Kommandant kümmert sich dann weniger um die wissenschaftlichen Experimente im All, sondern betreut die ganze Crew und steht mit seiner Erfahrung den Neulingen in den Modulen zur Seite. Bei Notfällen hat der Kommandant die Entscheidungshoheit, um etwa eine Evakuierung der Station anzuordnen.

Der Planet des Jahres: Mars

Von Flügen zum Planeten Mars können Alexander Gerst und seine Astronauten-Kollegen weltweit bisher nur träumen. Doch unser roter Planet zeigt sich 2018 so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr – denn er rückt bis auf 57,6 Millionen Kilometer an die Erde heran.

In manchen Jahren bleibt er fast doppelt so weit entfernt. Von Juni bis September ist Mars ein besonders auffallender roter Lichtpunkt den Himmel. Die NASA nutzt diese Erdnähe und schickt ihre Raumsonde Insight zum roten Planeten. Sie soll Ende November auf der Oberfläche landen und den inneren Aufbau des Mars untersuchen.

Auch Saturn und Jupiter zeigen sich

Schon am 9. Mai befindet sich Jupiter in seiner besten Stellung des Jahres. Er strahlt dann im Sternbild Waage die ganze Nacht hindurch unübersehbar am Himmel. Erst im September verschwindet er vom Abendhimmel.

Der Ringplanet Saturn steht im Sternbild Schütze und ist Ende Juni besonders gut zu beobachten – das gilt vor allem für die langen Winternächte auf der Südhalbkugel. Von Mai bis September bilden Jupiter, Saturn und Mars eine eindrucksvolle planetare Lichterkette am abendlichen Firmament – sichtbar in allen Teilen der Welt.

Unser innerer Nachbarplanet Venus strahlt von etwa Mitte Februar bis Ende September als Abendstern. Ab Mitte November ziert die Venus dann wieder den Morgenhimmel.

Die Merkur-Sonde im Pizzaofen

Im Oktober könnte eine schier unendliche Raumfahrtgeschichte ihren vorläufigen Abschluss finden: Die europäische Planetensonde BepiColombo startet zum Merkur – achtzehn Jahre nachdem es für dieses Projekt grünes Licht gegeben hat.

Doch Merkur ist tückisch, denn am innersten Planeten im Sonnensystem geht es im wahrsten Sinne des Wortes heiß her. BepiColombo wird sich außen auf mehr als 400 Grad Celsius aufheizen.

Eine sechs Zentimeter dicke Isolierdecke sorgt dafür, dass die wissenschaftlichen Instrumente im Innern nur gut 20 Grad Celsius warm werden. BepiColombo ist eine Art Kühlschrank im Pizzaofen. Die technisch sehr ambitionierte Sonde soll 2026 ihr Ziel erreichen.

Deutschland - Mondfinsternis (Getty Images/AFP/P. Stollarz)

Es wird noch schöner als auf diesem Bild von 2015. Leuchtend rot, wird der Mars daneben zu sehen sein.

Zwei totale Mondfinsternisse

2018 läuft der Mond zweimal durch den Kernschatten der Erde. Am 31. Januar ist er von 12.51 h bis 14.08 h Weltzeit komplett verfinstert – schon von 11.48 h an und bis 15.12 h steht der Mond zumindest teilweise im Schatten. Diese Finsternis ist im Pazifik, im Nordwesten Nordamerikas, in Neuseeland, Australien, Ostasien, Indien und weiten Teilen Russlands zu beobachten.

Auch wenn der Mond mitten im Schatten der Erde steht, erreicht ihn noch etwas von der Erdatmosphäre abgelenktes Sonnenlicht. Der Vollmond erscheint daher nicht komplett schwarz, sondern in einem blassen kupferroten Licht.

Am 27. Juli 2018 kommt es zu einer weiteren totalen Mondfinsternis. Dann ist der Mond von 19.30 h bis 21.14 h Weltzeit komplett verfinstert – die partielle Phase dauert von 18.24 h bis 22.19 h. Dieses Schauspiel ist in Europa, im westlichen Asien, in Afrika, im Indischen Ozean und in der Antarktis zu bestaunen. Kosmischer Zufall: Der total verfinsterte Mond steht genau neben dem ebenfalls rötlich schimmernden Planeten Mars. Dies ist die wohl schönste Himmelskonstellation des Jahres.

Keine totale Sonnenfinsternis

Eher enttäuschend verlaufen dagegen die drei Sonnenfinsternisse des Jahres. Sie sind alle nur partiell. Am 15. Februar werden bis zu 60 Prozent des Sonnendurchmessers vom Neumond bedeckt. Die maximale Phase wird gegen 20.51 h Weltzeit erreicht. Diese Finsternis ist nur in der Antarktis und im Süden Südamerikas zu sehen.

Zur zweiten Sonnenfinsternis kommt es am 13. Juli. Dabei werden gegen 03.01 h Weltzeit nur 22 Prozent der Sonne bedeckt. Diese Finsternis wird kaum jemand zu Gesicht bekommen, denn sie ereignet sich im südlichen Eismeer zwischen Australien und der Antarktis. Tasmanien und der äußerste Süden Victorias sind die einzigen bewohnten Gebiete, die vom Mondschatten getroffen werden.

Am 11. August erfreut dann eine partielle Sonnenfinsternis die Menschen in weiten Teilen Russlands und Chinas, in Nordeuropa, Grönland und der Arktis. Um 09.46 h Weltzeit werden immerhin fast drei Viertel der Sonne vom Mond bedeckt.

Viele Sternschnuppen bei wenig Mondlicht

Vom 10. bis 14. August huschen die Perseiden über den Himmel. In den dunklen Nächten um Neumond sind bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde zu erkennen, die aus dem Sternbild Perseus zu kommen scheinen – darunter oft auch recht helle Exemplare.

Vom 11. bis 15. Dezember zeigen sich die Geminiden. Sie ziehen vom Sternbild Zwillinge aus über das Firmament und sind fast die ganze Nacht über zu sehen. Nur in den Stunden nach Sonnenuntergang stört der zunehmende Mond ein wenig. Mit mehr als 120 Meteoren pro Stunden sind die Geminiden der reichste Sternschnuppenstrom des Jahres.

Bekanntlich geht ein Wunsch beim Anblick einer Sternschnuppe in Erfüllung. Die Astronomen wünschen sich dann bestimmt einen problemlosen Start des James-Webb-Weltraumteleskops. Es wird der Nachfolger des legendären Hubble-Teleskops und sollte ursprünglich schon in diesem Jahr starten – doch nun soll die Ariane-5-Rakete mit James Webb erst im Frühjahr 2019 abheben.

Die Redaktion empfiehlt