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Sport

NADA setzt auf unangemeldete Dopingkontrollen und Nach-Tests

39 Dopingsünder wurden vor, acht während der Olympischen Spiele in Peking ertappt. Einige werden wohl noch dazu kommen, da noch nicht alle Tests abgeschlossen sind. Ein Durchbruch im Kampf gegen Doping?

Reagenz-Glas mit Doping-Urinprobe. Quelle: ap

Kleines Röhrchen mit großem Aussagewert

"Sauberer Sport", sagt Deutschlands oberster Dopingfahnder Armin Baumert, "das ist eine Illusion." Es gebe ja auch keine saubere Gesellschaft, so der Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA). "Aber wir kämpfen für einen saubereren Sport." Neuerdings auch im Reitsport. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung ist an die NADA herangetreten, nachdem die Doping-Affäre um Springreiter Christian Ahlmann beim olympischen Reitturnier und Medienberichte über Tierquälerei den Reitsport in Verruf gebracht haben.

Auch Pferde erhalten bald Besuch

Porträit Armin Baumert, Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA. Quelle: DW/Nestler

NADA-Chef Baumert

Die Vertreter des Reiter-Verbands hätten den Ernst der Lage erkannt, meint Baumert. "Die sagen mir: Wir stehen am Abgrund." Und so wird die NADA in absehbarer Zukunft, vermutlich noch 2009, nicht nur Sportler, sondern auch Pferde während des Trainings kontrollieren. Etwa 150 Euro kostet eine Dopingprobe bei einem Pferd. "Das Geld, um das Kontrollsystem zu finanzieren, hat der Reit-Verband, sagt der NADA-Chef. Die Dopingjäger betreten Neuland. Bisher war die NADA ausschließlich für die Kontrollen der Reiter zuständig. Die Pferde wurden von der Reiterlichen Vereinigung getestet, allerdings nur im Wettkampf.

International wenig Trainingskontrollen

Olympisches Dorf in Peking: Rote Telefonzelle vor Hochhäusern. Quelle: ap

Olympisches Dorf in Peking: Dopingkontrollfreie Zone für viele

Hier zeigt sich nach Ansicht Baumerts ein grundsätzliches Problem. Wettkämpfe zu beobachten, mache vergleichsweise wenig Sinn. "Manipuliert wird vor allem im Training." Also müsse dort verstärkt kontrolliert werden, vor allem unangemeldet. International hat sich das offenbar noch nicht herumgesprochen. Nach Beobachtungen der NADA gab während der Olympischen Spiele in Peking nur etwa jeder Vierte der 205 IOC-Mitgliedsstaaten die Informationen weiter, wo seine Athleten außerhalb der Wettkampfzeiten anzutreffen seien. Die deutschen Olympia-Starter wurden dagegen bis zu sieben Mal zusätzlich kontrolliert. Ein "ambitioniertes Verfahren" nennt NADA-Chef Baumert das und unterstreicht die Vorreiterrolle Deutschlands. "Wir suchen jetzt das Gespräch mit den anderen Anti-Doping-Agenturen."

Untrainierte Mäuse werden Dauerläufer

Jamaica's Usain Bolt beim Zieleinlauf des 100-Meter-Finals in Peking. Quelle: AP/Itsuo Inouye

Nachträgliche Tests: Welche Helden von Peking fallen?

Auch die Dopingjäger stehen einigen Super-Leistungen von Peking äußerst skeptisch gegenüber. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Möglicherweise kann mittels neuer Testverfahren der eine oder andere Dopingsünder noch nachträglich enttarnt werden. Die 4770 Proben der Olympischen Spiele werden acht Jahre lang konserviert. "Das dient der Abschreckung", freut sich Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule Köln. "Die Doper können sich nicht mehr sicher sein, unentdeckt zu bleiben." So werde es z.B. in absehbarer Zeit ein Verfahren zum Nachweis eines neuen vermeintlichen "Wunder-Dopingmittels" namens AICAR geben. Wissenschaftler vermuten, dass AICAR schon in Peking eingesetzt worden sein könnte. Im Tierversuch wurde laut Schänzer die Laufleistung von Mäusen durch das Gendoping-Präparat um bis zu 44 Prozent gesteigert worden. "Das waren allerdings untrainierte Mäuse."

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