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Kultur

Nachruf auf den Fernseh-Installator

Nam June Paik, der "Vater der Videokunst", ist tot. Mit präparierten Klavieren, Klangobjekten und zwölf manipulierten Fernsehern bereitete er vor 40 Jahren den Weg für die Kunst im Elektronik-Zeitalter.

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Der "Allroundkünstler" Paik, der vor allem durch seine Installationen und Videoskulpturen bekannt wurde, begann seine Laufbahn als Komponist. Er studierte in Japan und in Deutschland Kunst- und Musikgeschichte. Seine Magisterarbeit schrieb er über Arnold Schönberg.
Global Groove Bei Guggenheím in Berlin

"Global Groove 2004"

An der Musikhochschule Freiburg studierte Nam June Paik Komposition, in Köln arbeitete er unter anderem mit John Cage und Karlheinz Stockhausen. Bereits in den 1950er Jahren machte er durch Musikexperimente auf sich aufmerksam, bei denen er Instrumente zertrümmerte. Damals reagierte das Publikum noch einigermaßen schockiert.

Fernseher über all(es)

Installation von Nam June Paik

Videobildschirme im Guggenheim Museum in New York (2000)

In den 1960er Jahren nahm Paik das Medium Fernsehen in seine Arbeiten auf. Er war Mitglied der "Fluxus"-Bewegung, die durch ihre Aktionskunst einen prägenden Einfluss auf die Entwicklung der modernen Kunst hatte. "Fluxus" interpretierte in Collagen und Happenings Akustik, Choreographie und Musik im weitesten Sinne.

Nam June Paik, Online Ausstellung

"Technology" (Teil einer Online-Ausstellung)

"Fluxus" inspirierte den Musiker Nam June Paik zu experimenteller Kunst mit Plattenspielern, Tonbandgeräten und Fernsehern. Mitte der 1960er Jahre entstanden seine ersten "Multi-Monitor-Installationen", bei denen er aus mehreren Bildschirmen eine Skulptur aufbaute. 1965 erwarb er eines der ersten Modelle einer tragbaren Videokamera, die ersten Videobänder bespielte er Ende der 1960er Jahre. Zusammen mit einem japanischen Ingenieur konstruierte er einen Video-Synthesizer und manipulierte damit Fernseh- und Videoaufzeichnungen.

1970 sorgte er mit seiner Werkreihe "closed circuits" für Aufsehen. Berühmtestes Beispiel dieser geschlossenen Kreise ist der Video-Buddha: eine antike Buddha-Statue, die vor einem Fernseher sitzt und sich selbst beim Fernsehen zuschaut.

Wohlhabende Familie

Nam June Paik wurde am 20. Juli 1932 in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul geboren. Er war das jüngste von fünf Kindern eines Textil- und Stahlfabrikanten. 1950, mit Ausbruch des Koreakrieges, emigrierte die Familie erst nach Hongkong, dann nach Tokio. Seit 1964 lebte Nam June Paik in New York, er erhielt 1976 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Paik war von 1979 bis 1996 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit einem Schlaganfall 1996 war er auf den Rollstuhl angewiesen. Paik starb am 29. Januar in seiner Wohnung in Miami (Florida). (arn)

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