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Kultur

Schnell, rettet die Videos!

Als die Videotechnik neu war, haben Künstler sie gleich begeistert genutzt. Heute ist das ein Problem: Die teils 40 Jahre alten Bänder zerfallen. Mit der Rettung müssen die Museen sich beeilen.

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Filmkunst hat ein kurzes Verfallsdatum

In den 1970er-Jahren befiel Künstler wie Joseph Beuys, Nam June Paik, Douglas Matthew Davis oder John Baldessari der Aufbruchsgeist. Sie schufen Kunstwerke mit dem neuen Medium namens Video. Auf die Performance kam es ihnen an, auf die Kraft der laufenden Bilder. Was man damals nicht wusste: Die analogen Magnetbänder sind irgendwann am Ende. Die Kunstwerke lösen sich auf.

Licht und Staub fressen die Bilder

Seit Jahren suchen Museen deshalb einen Weg, die Videos zu retten – "weshalb internationale Zentren hingehen und sie erstmal konservieren", erklärt Axel Wirths, Geschäftsführer des Videokunst-Vertriebs 235 Media in Köln. Das Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, um Videobänder zu erhalten; die Bundeskulturstiftung gab Fördergelder dafür.

Im Auftrag des Aachener Ludwig-Forums für Internationale Kunst hat 235 Media 30 Bänder wiederhergestellt, denen Feuchtigkeit, Licht und Staub die Bilder geraubt hatten. Darunter auch ein Unikat von Laurie Anderson. "Wir haben selbst ein Archiv mit 3500 Videos, von denen werden wir 1200 konservieren", sagt Wirths.

Reinigen oder backen

Und wie funktioniert das? "Erstmal findet eine Bewertung statt von Kunsthistorikern und Technikern. Die prüfen, wie stark das Bild beschädigt ist", erklärt der Experte gegenüber DW-WORLD. "Der schlimmste Fall ist Kategorie vier – da sieht man gar nichts mehr." Doch selbst dann sei manchmal noch etwas zu machen. Entweder würden die Bänder auf neue Kassetten umgespult oder gereinigt oder beides. Zur Not könnten die Videos aufgebacken werden, "damit die Bildpartikel wieder am Band pappen".

Danach bleiben laut Wirths etwa 24 Stunden Zeit, um die Werke digital zu sichern – im Format "Digibeta": "Das gewährleistet optimale Konservierung." Von der Sicherung würden dann DVD-Kopien gemacht für die Präsentation im Museum. Je nach Zerrüttungs-Zustand koste ein videotechnischer Rettungseinsatz 200 bis 800 Euro.

Bewahren, aber nicht besser machen

Wobei Wirths auf einen Unterschied wert legt: Es wird nur konserviert, nicht restauriert. "Das, was noch auf dem Band ist, wird einfach gesichert." Verbessert und aufgehübscht werde dagegen nichts. "Es gibt da auch keine Standards wie bei Fotos oder Gemälden", erklärt Wirths.

Die Meinungen über das, was zum Bewahren zulässig ist, gehen auseinander. Beim Berliner Kunstverein sehen die Experten selbst die Reinigung als Eingriff und lassen sie deshalb weg. "Das Material in den 70er Jahren war nicht so gut. Dadurch entsteht eine unprofessionelle Ästhetik", sagt Fachfrau Katja Albers. Also werden die 800 Bänder des Vereins so, wie sie sind, auf DVD kopiert. Die Restauratorin Yvonne Garborini vom Kölner Museum Ludwig stellt klar: "Jeder Prozess der Digitalisierung ist eine Komprimierung der Daten. Man hat immer Verluste beim Farbverlauf oder bei den Kontrasten."

Jeder konserviert für sich

Zwar kümmern sich im Ausland noch andere Institutionen um den Erhalt von Videokunst, zum Beispiel die Tate Gallery in London oder ein Zentrum in San Francisco. Doch kaum jemand spreche sich ab, sagt Wirths. Von den Aachener Videos lägen zehn bis zwanzig als Kopie in anderen Museen und würden dort unter Umständen dann noch mal konserviert. Mehrfache Arbeit also. "Aber wir sind mit europäischen Partnern dabei, einen Antrag bei der EU zu stellen, um die Aktivitäten zu koordinieren."

In welchem Format die Videos dann gesichert würden, sei zweitrangig, meint Wirths. Es müsse nur schnell gehen: "Die Hauptarbeit muss jetzt gemacht werden. Sonst sind die Werke weg."

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