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Europa

Nachbeben im italienischen Katastrophengebiet

Nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 150 gestiegen. Das teilte Ministerpräsident Berlusconi mit. Rund 1.500 Menschen wurden bei dem Erdstoß in der Abruzzen-Region verletzt.

Feuerwehrleute bergen ein Opfer aus den Trümmern (Foto: AP)

Auch in der Nacht suchten Feuerwehrleute nach Überlebenden in den Trümmern

Mehrere Nachbeben haben in der Nacht zum Dienstag (07.04.2009) das Katastrophengebiet erschüttert und die Arbeit der Rettungstrupps weiter erschwert. Insgesamt wurden bisher rund 200 weitere Erdstöße registriert. Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete, erreichte einer die Stärke 4,8. Nach Angaben des Zivilschutzes war dies nach dem Hauptbeben am Montagmorgen eine der heftigsten Erschütterungen. Über neue Schäden wurde zunächst nichts bekannt.

Am schlimmsten verwüsteten die Erdstöße in der Nacht zu Montag (06.04.2009) die Stadt L'Aquila in der mittelitalienischen Region Abruzzen, rund 90 Kilometer nordöstlich von Rom. Dort lag auch das Epizentrum des Bebens, das nach Angaben des US-Instituts für Geophysik eine Stärke von 6,3 auf der Richterskala hatte und etwa 30 Sekunden dauerte.

Menschen umarmen sich und stehen fassungslos vor den Trümmerbergen (Foto: AP)

Schock und Verzweiflung herrschen im Erdbeben-Gebiet

Die Behörden gaben die Zahl der Toten mit mindestens 150 an, rechnen aber mit noch höheren Opferzahlen, denn laut Zeitungsberichten werden noch etwa 250 Menschen vermisst. Regierungschef Silvio Berlusconi sagte, es seien 1500 Menschen verletzt worden. Mehr als 50.000 Menschen seien obdachlos geworden, weil ihre Häuser eingestürzt seien. Parlamentspräsident Franco Fini erklärte, ganze Ortschaften seien praktisch zerstört worden.

Graben mit bloßen Händen

Als das Beben in der Nacht begann, flüchteten vielerorts Bewohner in Panik nach draußen. Weil viele Straßen mit Trümmern übersät waren, kamen Rettungskräfte nur mühsam voran. Einsatzkäfte und Bewohner gruben zum Teil mit bloßen Händen nach Verschütteten. Später trafen Helfer mit Spürhunden ein, die in den Schuttmassen nach Überlebenden suchen. Bisher wurden 100 Überlebende aus den Trümmern gerettet. Diese von der Feuerwehr am Abend genannte Zahl bezieht sich jedoch nur auf die am stärksten betroffene Stadt L'Aquila und ihre Umgebung. Die Universitätsklinik von L'Aquila wurde wegen Einsturzgefahr gesperrt. In einem weiteren Krankenhaus konnte nur ein Operationssaal genutzt werden. Zahlreiche Verletzte mussten daher unter freiem Himmel behandelt werden. Hubschrauber flogen die am schwesten Verletzten in benachbarte Krankenhäuser aus.

Eine Grafik der besonders betroffenen Region Abruzzen (DW-Grafik: Peter Steinmetz)

Das Beben traf vor allem die Region Abruzzen

Die Erdstöße waren bis in die Hauptstadt Rom zu spüren. Ministerpräsident Berlusconi sagte eine Moskau-Reise ab und rief den Notstand für die Region aus. Dadurch können finanzielle Mittel für die Hilfsaktionen und den Wiederaufbau sofort zur Verfügung gestellt werden. In L'Aquila kündigte er an, in Kürze werde ein Zeltlager für bis zu 20.000 Betroffene errichtet. Nach Angaben von Innenminister Roberto Maroni wurden etwa 1500 Feuerwehrleute und Polizisten ins Erdbebengebiet geschickt.

Tausende Gebäude sind beschädigt

L'Aquila ist umgeben von einem Gebirgskranz (Foto: picture-alliance)

Aus der Luft erkennt man das ganze Ausmaß der Zerstörung in L'Aquila besonders gut

Nach einer ersten Einschätzung der örtlichen Feuerwehr wurden durch die Erdstöße mehr als 10.000 Gebäude beschädigt. An vielen Häusern zeigten sich größere Risse. "Das heißt, dass wir uns in den nächsten Wochen um tausende Menschen kümmern müssen", sagte Agostino Miozzo vom Zivilschutz in einem Interview.

Der Zivilschutz warnte die Bevölkerung der Region Abruzzen davor, mit dem Auto auf den Straßen zu fahren. Ein Abschnitt der Autobahn nach Rom wurde gesperrt. Anwohner berichteten, dass es schon seit drei Monaten immer wieder Erdstöße in der Region gegeben habe.

Papst Benedikt will für Opfer beten

Papst Benedikt XVI. sprach den Betroffenen im Erdbebengebiet sein Mitgefühl aus. In einem Telegramm an Erzbischof Giuseppe Molinari von L'Aquila erklärte er, sein Schmerz gelte vor allem den Kindern. Er werde für die Toten und alle Betroffenen beten. Den Überlebenden und Helfern sprach der Papst zugleich Mut zu.

Bundespräsident Horst Köhler sprach seinem italienischen Kollegen Giorgio Napolitano sein Beileid aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte Berlusconi ihre Anteilnahme.

Bei dem Erdbeben wurden auch mehrere Kirchen in Abruzzen beschädigt. In der Gegend finden sich zahlreiche Gotteshäuser aus der Romanik und der Renaissance. Ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden die Überreste der antiken Caracalla-Thermen in Rom. Wie die römische Archäologie-Behörde mitteilte, haben Experten bei einer ersten Bestandsaufnahme Schäden festgestellt, konnten das genaue Ausmaß aber noch nicht beziffern. Die Thermen zählen zu den am besten erhaltenen Bauwerken des römischen Imperiums.

Region muss alle zehn Jahre mit Beben rechnen

Eine Frau telefoniert vor einem beschädigten Gebäude (Foto: AP)

Die Menschen trauen sich nicht mehr zurück in die beschädigten Häuser

Die mittelitalienische Stadt L'Aquila liegt umgeben von einem Gebirgskranz im Tal des Aterno. Der Ort wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Heute ist L'Aquila die Hauptstadt der Region Abruzzen und hat rund 68.000 Einwohner. Der historische Stadtkern mit Palazzi, Springbrunnen und Kirchen zieht zahlreiche Touristen an. In der Vergangenheit hat L'Aquila bereits durch mehrere Erdbeben schwere Schäden erlitten.

Wer eine Reise in die Region Abruzzen gebucht hat, sollte vor einer Stornierung Kontakt mit dem Veranstalter aufnehmen. Zwar können Urlauber und Anbieter bei Erdbeben grundsätzlich wegen höherer Gewalt kündigen, wie Experten bestätigen. Es sei aber zu klären, wie sich das Erdbeben jeweils auf die konkrete Reise auswirke. (kis/mas/kle/je/rtr/dpa/ap/afp/kna)

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