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Politik

Nach Ultimatum: Schwere Gefechte in Somalia

Kurz vor der Ankunft eines EU-Vermittlers in Somalia sind an mehreren Fronten heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und islamischen Milizen entbrannt. Es gab erste Tote. Das Land steht vor einem Krieg.

Islamische Milizen mit Luftabwehr-Geschütz,Quelle: AP

Gefährliche Stimmung auf den Straßen von Baidoa

Die Kämpfe begannen am Mittwoch, kurz vor der Ankunft des EU-Beauftragten für Nothilfe, Louis Michel, in Baidoa. Michel wollte zwischen beiden Seiten vermitteln. "Wir haben neun Regierungssoldaten getötet und mehrere Gefangene gemacht. In Kürze werden wir Baidoa einnehmen und unser Land von den Äthiopiern säubern", sagte Sheikh Mohamed Ibrahim Bilal, ein Befehlshaber der islamischen Milizen.

Am Dienstag war ein Rückzugsultimatum der in Mogadischu herrschenden islamischen Milizen an die äthiopischen Einheiten in Somalia abgelaufen. Zwei Stunden nach Ablauf der Frist begannen in der Nacht nahe der Stadt Idale, rund 60 Kilometer südlich von Baidoa, die ersten Kämpfe. Die Islamisten werfen Äthiopien vor, tausende Soldaten zum Schutz der Übergangsregierung in Baidoa entsandt zu haben.

Erste Orte eingenommen

Zwei Einheiten regierungstreuer Truppen hätten sich unterstützt von äthiopischen Soldaten in der Nähe der Stadt Baidoa an verschiedenen Punkten Gefechte mit den Milizen geliefert, erklärten die rivalisierenden Gruppen. Mohammed Ibrahim Bilal, ein ranghoher Vertreter der islamischen Milizen, sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP, dass es unter anderem auch nahe der Islamistenhochburg Mode Mode Kämpfe gegeben habe.

Der EU-Beauftragte für Nothilfe, Louis Michel, Quelle: AP

Sucht nach Wegen aus der Krise: Der EU-Beauftragte für Nothilfe, Louis Michel, in Baidao

Die islamischen Milizen meldeten die Einnahme der beiden Orte Buulo Jadiid, etwa 20 Kilometer östlich des Regierungssitzes Baidoa, und Idale, etwa 60 Kilometer südwestlich von Baidoa. Der Verteidigungsminister der Übergangregierung Salad Ali Jelle hatte am Vormittag Angriffe der islamischen Milizen auf Idale bestätigt. Er warf der Miliz vor, den Besuch von Michel sabotieren zu wollen. Michel war in Baidoa mit dem somalischen Präsidenten Abdullahi Yusuf zusammengetroffen und anschließend nach Mogadischu weitergereist.

Nach Augenzeugenberichten werden die Truppen der geschwächten Übergangregierung von äthiopischen Soldaten unterstützt. Bislang hat die äthiopische Regierung aber nur die Präsenz von Militärberatern im Nachbarland eingeräumt. Das überwiegend christlich geprägte Äthiopien mit einer starken ethnisch-somalischen Minderheit will eine islamistische Regierung in Somalia verhindern. Diplomaten schätzen, dass Äthiopien bereits mehrere tausend Soldaten mit Panzern und Artillerie nach Somalia geschickt hat.

Weite Teile Somalias seit Monaten in der Hand der Islamisten

Die Islamisten hatten in den vergangenen Monaten weite Teile Somalias unter ihre Kontrolle gebracht. Die Macht der international anerkannten Übergangsregierung ist hingegen auf Baidoa und die nähere Umgebung beschränkt. In den vergangenen Wochen verschärfte sich die Lage in Somalia zunehmend. Der Ausbruch eines regionalen bewaffneten Konfliktes wird befürchtet, nachdem die Islamisten Äthiopien mehrfach den "Heiligen Krieg" angedroht hatten. Seit der Flucht des Diktators Siad Barre 1991 hat Somalia keine funktionierende Zentralregierung mehr. (maj)

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