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Nach dem Kirchenmassaker in Texas

Nach Bluttat: Der Schock sitzt tief in Sutherland Springs

Nach der Massenschießerei in einer Kirche des verschlafenen texanischen Orts fragen sich die Bewohner, wie das alles passieren konnte. Michael Knigge hat mit einigen von ihnen gesprochen.

John Riley hat die meisten seiner 80 Jahre im Sutherland Springs verbracht, dort, wo am vergangenen Sonntag der 26 Jahre alte Devin Kelley mit einem Sturmgewehr in der Baptistenkirche um sich geschossen und 26 Menschen getötet hat. Im Auto erzählt Riley, er kriege es noch immer nicht in seinen Kopf, wie eine Tragödie solchen Ausmaßes in dem verschlafenen Nest habe passieren können, noch dazu in einer Kirche. "Das ist so unwirklich, so unglaublich", sagt Riley. Wie ihm geht es praktisch allen Bewohnern von Sutherland Springs, einem Ort rund 40 Kilometer außerhalb der Großstadt San Antonio.

Riley gehörte der Baptistengemeinde, in der der Mörder um sich schoss, früher auch an. Doch schon seit Jahrzehnten ist er nicht mehr in der First Baptist Church gewesen. Riley ist etwas untypisch für den Ort, in dem fast jeder eine Waffe hat. Er besitzt zwar ein Jagdgewehr, und in seiner Familie hat die Jagd Tradition, doch er meint, Waffen wie Sturmgewehre sollten in den USA verboten werden. "Niemand sollte Angriffswaffen zuhause haben", sagt er. Gegen Jagdgewehre oder Schrotflinten sei nichts einzuwenden, aber "dieses ganze Angriffszeug sollte man verbieten".

USA John Riley in Sutherland Springs (DW/M. Knigge)

John Riley: "Das ganze Angriffszeug verbieten" - der Besitz von Jagdgewehren sei aber okay

Jeder kennt hier jeden

Billy Morgan hat gerade einen engen Freund besucht, der bei dem Amoklauf Verwandte verloren hat. Doch Morgan  ist trotzdem nicht überzeugt, dass ein Waffenverbot die Lösung für die jüngste Welle von Massakern in den USA wäre. "Es geht nicht um die Waffen..., ich meine, natürlich sind es die Waffen, aber eigentlich geht es um die Leute, die Waffen tragen", sagt er. Doch Morgan gibt zu, dass hier "jeder ziemlich geschockt ist". Warum in einer Kirche? Warum an einem Sonntag? "An so etwas denkt man in diesem kleinen Ort in der Pampa einfach nicht."

Als ich ihn frage, ob er glaubt, dass die Gewaltwelle so weitergehen oder wieder abebben wird, sagt er, er könne sich vorstellen, dass es "in den kommenden Monaten und Jahren noch mehr Chaos" geben wird. Aber er hofft, dass die Dinge sich wieder beruhigen werden, zumindest hier in Sutherland Springs. "Eigentlich ist es wirklich still hier. Jeder kennt jeden."

USA Billy Morgan in Sutherland Springs (DW/M. Knigge)

Billy Morgan: "Eigentlich ist es wirklich still hier"

Auch Kirchgänger tragen Waffen

Michelle Timburt geht noch schnell in eins der beiden Geschäfte im Ort, um ein paar Lebensmittel einzukaufen, bevor sie nach Hause fahren will, um ihre Pferde zu füttern. Sie hat Tränen in den Augen, als sie erzählt, sie habe gerade als Lehrerin bei einer Organisation angefangen, die Kinder zu Hause unterrichtet. Ihre Chefin habe einige Kinder unterrichtet, die bei dem Massaker getötet worden seien. Sogar den mutmaßlichen Mörder habe ihre Chefin gekannt.

"Sie hatte Angst vor ihm", sagt Timburt. "Sie hatte den Kontakt zu der Familie sogar abgebrochen, weil sie solche Angst vor ihm hatte. Er hätte nie so eine Waffe haben dürfen." Doch ihre Chefin habe ihr auch erzählt, viele der Kirchgänger hätten eine Lizenz, eine versteckte Waffe bei sich zu tragen. Diese Leute seien nur an dem fraglichen Sonntag zufällig nicht im Gottesdienst gewesen. "Wären sie dagewesen, dann wäre das viel schneller vorbei gewesen."  

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