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Myanmar und die Rohingya

Myanmars Regierung lässt Reis in Krisenregion Rakhine abernten

Menschenrechtler sehen in der Aktion einen weiteren Versuch der Regierung, die nach Bangladesch geflüchteten Rohingya von einer Rückkehr nach Myanmar abzuhalten. Regierungsvertreter hüllen sich in beredtes Schweigen.

Rohingya-Flüchtlinge an einem Reisfeld in der Nähe der Grenze zu Bangladesch (Foto: picture-alliance/abaca)

Rohingya-Flüchtlinge an einem Reisfeld in der Nähe der Grenze zu Bangladesch

Die Regierung in Myanmar lässt in dem von Gewalt gegen die Rohingya-Minderheit erschütterten Bundesstaat Rakhine die Reisfelder abernten. Staatliche Medien berichteten, die Ernte werde im Gebiet von Maungdaw beginnen. Dort wütete die Gewalt gegen die muslimischen Rohingya besonders heftig. Den Berichten zufolge sollen Arbeiter aus anderen Teilen des Landes bei der Ernte helfen.

Was wird mit dem Reis geschehen?

In dem an der Grenze zu Bangladesch gelegenen Bundesstaat leben kaum noch Rohingya. Das Abernten der Reisfelder könnte eine Rückkehr der geflohenen Menschen weiter erschweren. Menschenrechtsgruppen sehen in der Aktion tatsächlich einen Versuch der Regierung, die Rohingya endgültig von einer Rückkehr nach Rakhine abzuhalten. Regierungsvertreter selbst äußerten sich bislang nicht zu den Medienberichten. Offen war etwa die Frage, was mit dem Reis geschehen soll.

Erst am Freitag hatte die Regierung Myanmars dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) wieder die Versorgung der Rohingya in den Lagern in Sittwe, der Hauptstadt Rakhines, erlaubt. Dort leben seit den gewaltsamen Ausschreitungen radikaler Buddhisten in den Jahren 2012 und 2015 rund 120.000 Rohingya unter schwierigen Bedingungen.

Berichte über Truppenabzug im Rohingya-Gebiet  

Das unabhängige birmanische Nachrichtenportal "Irrawaddy" meldete unterdessen, dass die Armee offenbar Truppenteile aus dem überwiegend von den Rohingya bewohnten Norden von Rakhine abgezogen habe. 200 Soldaten seien in den Süden des Teilstaats verlegt worden, rund 100 blieben jedoch noch im nördlichen Distrikt Maungdaw, hieß es unter Berufung auf Armeeangaben. Die Meldung kam wenige Tage, nachdem das US-Außenministerium angekündigt hatte, zum Schutz der Rohingya Sanktionen wie Einreiseverbote für hochrangige Offiziere aus Myanmar zu erwägen. Zuvor hatten bereits die Weltbank und die EU ihre Myanmar-Politik wegen der Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen verschärft.

Soldaten von Myanmars Armee in der Stadt Maungdaw im Teilstaat Rakhine (Foto: Getty Images/AFP)

Soldaten von Myanmars Armee in der Stadt Maungdaw im Teilstaat Rakhine

Die muslimischen Rohingya in Myanmar gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in dem südostasiatischen Land betrachten sie als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele Rohingya schon seit Generationen in Myanmar leben.

600.000 Rohingya nach Bangladesch geflohen

Auf einen Angriff der Rebellen-Miliz Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) auf 30 Polizeistationen im Norden von Rakhine am 25. August 2017 hatte Myanmars Armee mit einer gewaltsamen Offensive gegen die Rohingya geantwortet. Nach UN-Angaben wurden ganze Dörfer niedergebrannt und die Bewohner vertrieben. Mehr als 600.000 Rohingya sind seitdem über die Grenze nach Bangladesch geflohen, wo sie in provisorischen Lagern im Distrikt Cox's Bazar unter schlechten humanitären Bedingungen leben. Die UN werfen Myanmar eine "systematische ethnische Säuberung" vor. Unter internationalem Druck willigte die Regierung ein, "gründlich überprüfte" Flüchtlinge nach Rakhine zurückkehren zu lassen. Allerdings ist unklar, wie diese Zusage umgesetzt wird.

sti/jj (afp, kna)

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