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Asien

Myanmar eröffnet neue Börse

Lange gehörte Myanmar zu den wenigen Ländern ohne Börse. Im Zuge der politischen und wirtschaftlichen Liberalisierung hat die Regierung nun die Eröffnung einer Börse beschlossen. Doch viele Fragen bleiben unbeantwortet.

Myanmars Börse, die Yangon Stock Exchange (YSX), öffnete am Mittwoch (09.12.2015) ihre Türen. Das hatte die Börsenaufsicht Myanmars (Securities and Exchange Comission of Myanmar) am Montag (30.11.2015) bekanntgegeben. Der Wertpapiermarkt ist im Gebäude der Myawaddy Bank (ehemals indische Zentralbank) untergebracht. Das neoklassische Art-Deco-Bauwerk aus den späten 30er Jahren wurde gerade renoviert. Bis der eigentliche Handel beginnt, wird es allerdings noch bis Frühjahr 2016 dauern, so ein Sprecher der Börsenaufsicht.

Dennoch feiert die Regierung die Eröffnung als wichtigen Schritt. Ein Berater des Präsidenten sprach gegenüber AFP von "einer große Chance für die Wirtschaft Myanmars". Der Journalist und Direktor des Myanmar Journalistenschule (MJI) U Thiha Saw begrüßt den Schritt ebenfalls, bremst aber zu große Erwartungen. "Am Anfang werden die Leute zurückhaltend sein mit dieser neuen Idee." Es handelt sich nämlich um die erste moderne Börse seit mehr als einem halben Jahrhundert. "Zugleich gibt es natürlich Leute, die mit der Funktionsweise einer Börse vertraut sind. Einige myanmarische Unternehmen wissen, wie das Spiel gespielt wird."

Moderner Aktienmarkt für Myanmar

Die neue Börse wird das sogenannten Myanmar Securities Exchange Centre (MSEC) ablösen. Dabei handelt es sich um eine Art Börse für den freien Wertpapierhandel in dem allerdings nur zwei Aktien gehandelt werden. Die acht Mitarbeiter des MSEC erledigten den Handel bisher über den Tresen und notierten die Aktienkurse mit einem Stift auf einem Whiteboard, wie aus einer Reportage von Reuters von 2011 hervorgeht. Eine Aufsicht fehlte ebenso wie echte Transparenz.

Das Gebäude der ehemaligen indischen Zentralbank in den 50er Jahren.

Das Gebäude der ehemaligen indischen Zentralbank in den 50er Jahren.

Mit der neuen Börse soll sich das nun ändern. Neue Computersoftware und zeitgemäße Standards sollen die Börse zu einem modernen Handelsplatz für Aktien machen und die Kapitalbeschaffung für einheimische Unternehmen erleichtern.

Es gibt eine Börsenaufsicht und neue Regularien. So etwa Mindeststandards für Unternehmen, die gehandelt werden wollen. Diese sind: Wenigstens zwei Jahre Profit, Nachweis über die Zahlung der Steuern, keine offenen Rechtsstreitigkeiten und ein Grundkapital von umgerechnet mindestens 350.000 Euro. Problematisch sei, dass es keine Regeln für den Streubesitz, also den Anteil der Aktien, den ein Unternehmen dem Börsenhandel zur Verfügung stellt, gibt, was Manipulationen Tür und Tor öffne. Darauf wies Thura Ko Ko, Direktor des Finanzberaters YGA Capital Limited, in der Myanmar Times hin. Thiha Saw ist weniger kritisch. "Heute, denke ich, ist Myanmar bereit. Die neuen Regelungen sind konkret und ausreichend."

Noch viel Unklarheit

Den myanmarischen Medien zufolge sind sechs Unternehmen gelistet: Das Konglomerat First Myanmar Investment (FMI), die First Private Bank Limited, Great Hor Kham Public, Myanmar Agribusiness Public Corporation, Myanmar Citizens Bank und Myanmar Thilawa SEZ.

Eine andere ungeklärte Frage ist die nach den zugelassenen Emissionsbanken. Eine Emissionsbank bringt Unternehmen an die Börse. In der Myanmar Times ist eine Liste mit zehn Banken veröffentlicht worden, die über vorläufige Lizenzen verfügen sollen. Allerdings hatten die meisten von ihnen Anfang Dezember nicht die notwendige Software, kaum ausgebildetes Personal oder Büros, um der neuen Aufgabe gerecht zu werden. U Thet Tun Oo, Direktor vom MSEC erklärte gegenüber der Myanmar Times, dass mit den ersten Börsengängen von Unternehmen erst zu rechnen ist, wenn die Lizenzvergaben abgeschlossen seien.

Bisher handelt es sich ausschließlich um eine inländische Börse, denn ausländische Direktinvestitionen sind vom Gesetz noch ausgeschlossen. Das müsse sich dringend ändern, um Wachstum zu erzielen, so Takashi Hibbino von einer der japanischen Betreiberfirmen Daiwa Institute of Research gegenüber der Myanmar Times.

Sanktionen wahrscheinlich

Doch selbst wenn die ausstehenden Fragen geklärt und der Handel im Frühjahr 2016 beginnen sollte, ist zu befürchten, dass die neues Börse sogleich mit Sanktionen der USA belegt wird. Gegenwärtig halten zwei japanischen Unternehmen, die Japan Exchange Group, die auch die Tokioter Börse betreibt, und das Daiwa Institute of Research, 49 Prozent und die Myanma Economic Bank (MEB) 51 Prozent der Anteile der Börse. Die MEB steht auf einer Sanktionsliste der USA, was automatisch zu Sanktionen gegenüber der neuen Börse führt.

Myanmar Treffen Aung San Suu Kyi und Thein Sein

Der amtierende Präsident Thein Sein und Aung San Suu Kyi arbeiten am Machttransfer.

Es ist aber vorstellbar, dass die USA ihre Position nochmals überdenken. Nach dem überragenden Wahlsieg der Opposition Anfang November haben die USA am Dienstag (08.12.2015) erklärt, erste Handelsbeschränkungen aufzuheben. Thiha Saw weist zusätzlich darauf hin, dass die neue Regierung, die Mitte 2016 die Amtsgeschäfte übernehmen könnte, zusätzlich für mehr Transparenz sorgen werde. Bis zur Machtübergabe werde es allerdings keine grundsätzlichen Entscheidungen mit Blick auf die Börse geben. "Es ist noch nicht klar, wer in der neuen Regierung die Verantwortung für die Börse haben wird. Bis dahin wird Kontinuität vorherrschen."