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Kultur

Muzaffarabad vor dem Wintereinbruch

Sechs Wochen nach dem verheerenden Erdbeben, das in Pakistan fast 80.000 Menschen tötete, findet am Samstag in Islamabad eine weitere Geberkonferenz statt. Bernd Riegert hat sich in dem Erdbebengebiet umgesehen.

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Provisorische Zelte für die Bewohner von Musaffarabad

Hunderte Kinder stehen in Muzaffarabad täglich an, um sauberes Trinkwasser in kleinen Plastikkanistern zu ergattern. Mit Schlagstöcke bewaffnete pakistanische Ranger halten die drängende Menschenmenge im Zaum, während österreichische Soldaten das Wasser aus einer Aufbereitungsanlage abzapfen. Die 65 Österreicher werden Anfang Dezember wieder abziehen. Für 40.000 der 240.000 Einwohner der zerstörten Provinzhauptstadt liefern sie derzeit Trinkwasser. "Der Abzug der Wasseraufbereitungsanlage wird sicher ein großes Problem werden. Die UNO und die pakistanische Regierung sind zwar informiert, dass wir nach Hause gehen müssen. Wie diese dann die Wasser- und Hygienesituation in den Griff bekommen wollen, ist uns nicht bekannt , und es wird sehr schwierig werden", sagt Major Fritz Aflenzer.

"Zutiefst erschüttert"


Per Hubschrauber ist die EU-Kommissarin für Außenbeziehungen, Benita Ferrero-Waldner, in die Stadt eingeschwebt, unter deren Trümmern noch hunderte Leichen vermutet werden. Für einige Stunden nimmt sie die Katastrophe in Augenschein: "Ich war doch schockiert, auch wenn man das im Fernsehen immer wieder sieht. Immer dann, wenn man das aus nächster Nähe sieht und wie die Menschen darunter leiden, dann ist man zutiefst erschüttert. Und meine Sorge gilt einfach denen, die jetzt in einer so schwierigen Lage sind", sagte die EU-Kommissarin.

Angst vor dem Winter

Erdbeben in Muzaffarabad

Hilfslieferungen in Musaffarabad

Eigentlich hätte der Wiederaufbau in Muzaffarabad schon beginnen sollen, doch im Moment ist es gerade einmal möglich, die Bewohner der Region mit dem Allernötigsten zu versorgen. Niemand muss hungern, jeder hat einen Platz in einem Zelt, wie Major Nassir Tunk von der pakistanischen Armee berichtet: "Jetzt können wir fast allen Menschen eine Unterkunft bieten. Diese Zelte sind nicht bequem, aber immerhin. Die Zelte sind aber nicht wintertauglich. In 15 Tagen wird es schon anfangen zu schneien. Auf den Bergen da im Norden sehen Sie schon den Schnee."

Fieberhaft versuchen dutzende von Hilfsorganisationen und Armeeverbänden, die von den Vereinten Nationen koordiniert werden sollen, Vorbereitungen für den Winter zu treffen und Notunterkünfte zu schaffen. Nagelneue Hilfsfahrzeuge des Roten Kreuzes quälen sich neben verbeulten Sammeltaxis durch das Verkehrschaos in den zerstörten Straßen Muzaffarabads. Überall haben in den Trümmern schon wieder kleine Läden aufgemacht. Reguläre Arbeitsplätze gibt es ansonsten kaum. Ein Offizier der österreichischen Armee erzählt, dass die Menschen ziemlich apathisch seien und nicht von selbst anfingen, Trümmer zu räumen oder wieder aufzubauen. Viele warten einfach ab.

Hilfe für traumatisierte Kinder

Die achtjährige Sheeza erzählt im Gespräch mit einer pakistanischen Übersetzerin, dass ihr Haus in einem Dorf in der Nähe völlig zerstört wurde. Die Schule, in der sie gerade Unterricht hatte, stürzte ein. Sie konnte sich retten, doch viele ihrer Mitschüler und ihrer Lehrer starben. Doch das Mädchen freut sich, dass wenigstens eines wieder funktioniert in Muzaffarabad. Die Schulen hatten bereits wenige Tage nach dem Beben wieder geöffnet. Wo die Klassenräume zerstört sind, wird im Freien oder in Zelten unterrichtet. Das bedeutet ein wenig Hoffnung, so Major Nassir Tunk: "Die Kinder waren ganz besonders traumatisiert. Sie standen unter Schock. Wir wollten ihnen helfen, den Schock zu überwinden. Die einzige Möglichkeit, die wir hatten, war so schnell wie möglich, die Schulen wieder aufzumachen, damit sie abgelenkt waren, spielen und andere Kinder treffen konnten."

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