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Aktuell Kultur

Museumsdirektoren gegen Warhol-Auktion

Eine Firma des Landes Nordrhein-Westfalen will Werke von Andy Warhol versteigern. Mit dem Erlös will man Schuldenlöcher stopfen. Das bringt das Ansehen der deutschen Kulturnation in Gefahr, fürchten Kunstexperten.

Die geplante Versteigerung von Andy-Warhol-Kunstwerken durch ein landeseigenes Unternehmen stößt bei den Museumsdirektoren Nordrhein-Westfalens auf große Empörung. In einem Brandbrief an die Landesregierung fordern 26 Direktoren von Kunstmuseen im bevölkerungsreichsten Bundesland, das Vorhaben zu stoppen. Es stehe "in schroffem Gegensatz zu den internationalen Konventionen, die den öffentlichen Kunstbesitz zu schützen suchen", heißt es in dem Brief. "Unseres Wissens ist eine solche Vorgehensweise der öffentlichen Hand in Deutschland bisher einzigartig - im negativen Sinne."

Es sei bemerkenswert, dass der geplante Verkauf ausschließlich finanziell begründet werde. Der Gewinn solle offenbar entweder die Verluste der Westdeutschen Spielbanken ausgleichen, dem Neubau einer Spielbank dienen oder dem Schuldendienst des Landes NRW. Dies mache den Sachverhalt "zu einem brisanten Politikum mit erheblicher Sprengwirkung".

Auktion soll im November in New York sein

Falls das Land die frühen Warhol-Werke tatsächlich in New York zur Versteigerung bringe - unter Vermeidung der deutschen Mehrwertsteuer - würde ein grundlegender Kulturwandel vollzogen, der das Image Nordrhein-Westfalens und der Bundesrepublik "als Kulturland und Kulturnation in Frage stellt": "Die Versteigerung der Warhol-Werke ist ein Tabubruch". Sie schaffe einen "Präzedenzfall". Falls der Verkauf nicht mehr zu stoppen sei, müssten die Erlöse in die Kunst reinvestiert werden, so die Direktoren. "Das ist der einzige Weg, einen internationalen Ansehensverlust zu vermeiden", heißt es in dem Schreiben an die nordrhein-westfälische Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) und die Minister.

"Triple Elvis" von 1963 und "Four Marlons" von 1966 sollen zu den Hauptexponaten der Auktion im November werden. Der großformatige "Triple Elvis", ein dreifacher Presley in Cowboy-Pose mit dem Revolver im Anschlag, sowie die "Four Marlons" nach einem Foto des Schauspielers Marlon Brando, hatten Jahrzehnte im Aachener Casino gehangen - seit 2009 schlummerten die in ihrem Wert auf Rekordhöhe gestiegenen Kunstwerke in einem Safe. Der Spielcasinobetreiber Westspiel will die Bilder Mitte November in New York bei Christie's versteigern lassen und erhofft sich dafür 100 Millionen Euro. Vor einem Jahr war Warhols "Silver Car Crash (Double Disaster)" für 105 Millionen Dollar versteigert worden - Auktionsrekord für Warhol.

Westspiel ist ein Tochterunternehmen der NRW-Bank. Die Erlöse des Aachener Casinos fließen größtenteils an das Land und die Kommunen, doch weder das Finanzministerium noch die NRW-Bank wollten sich zu dem geplanten Verkauf der Warhol-Bilder äußern.

az / so (dpa, Offener Brief an die Landesregierung NRW)

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