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Deutschland

Multikulti als Markenzeichen

Wer am 22. September die Gunst der eingebürgerten „neuen Inländer“ für sich gewinnen will, braucht interkulturelle „Vermittler“. Doch: Nicht-deutschstämmige Kandidaten sind bundesweit rar gesät.

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Künftig nicht mehr im Bundestag: der "anatolische Schwabe" Cem Özdemir

Der wohl bekannteste Vertreter der sogenannten "Multikulti-Kandidaten" für den Einzug in den Bundestag war lange Zeit der Bündnis-Grüne Cem Özdemir aus Baden-Württemberg. Verstrickungen in die Hunzinger- und Miles&More-Affäre setzten seiner politischen Zukunft vorerst jedoch ein jähes Ende. Mit dem Schwaben türkischer Abstammung fehlt der Migrantengemeinde Deutschlands nun ein schillernder politischer Vertreter - und "Nachwuchs" ist kaum in Sicht.

Bei CDU, SPD, FDP und PDS im Südwesten Deutschlands treten beispielsweise erst gar keine Kandidaten mit Migrationshintergrund an. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen bekam nur die Türkin Lale Akgün einen sicheren Listenplatz. Die 48-jährige Psychologin steht auf dem komfortablen zehnten Rang der SPD-Landesliste. Ihr Einzug in den Bundestag ist unter Kennern eine sichere Sache.

Gerangel um Listenplätze

Der gebürtige Türke Bülent Arslan von der nordrhein-westfälischen CDU hat dagegen mit Platz 45 eher geringe Chancen. Zumal er in eigenen Reihen heftigen Gegenwind während der Listenwahl verspüren musste. Ein Moslem könne nicht für die christdemokratische Partei kandidieren, lautete die Kritik seiner "Parteifreunde". Der 26-jährige Unternehmer konterte, als Moslem sei er sehr wohl in der Lage sich mit den christlichen Werten wie Solidarität, Freiheit und Familie zu identifizieren. Schließlich fänden die sich auch im Islam wieder.

Erneut den Sprung in den Bundestag schaffen könnte indes der niedersächsische Kandidat und migrationspolitische Sprecher der SPD Sebastian Edathy. Der in Hannover geborene Sohn eines Inders und einer Deutschen sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Als weiterer Kandidat mit indischen Wurzeln startet der Grüne Josef Winkler in Rheinland-Pfalz. Der 28-Jährige hat wegen seiner indischen Mutter beide Staatsbürgerschaften - und mit Listenplatz zwei als einziger "Multikulti-Kandidat" aus Rheinland-Pfalz gute Aussichten auf ein Mandat.

Im Saarland kandidiert nur der griechischstämmige Georgios Chatzimarkakis für die FDP. Der Migrationsexperte der Liberalen im Bundesvorstand glaubt nur so auf die Wünsche und Hoffnungen der Einwanderer eingehen zu können. Deshalb übernehme er gerne die Rolle eines "Vermittlers" zwischen Partei und Migranten, sagt Chatzimarkakis. Ausserdem habe man ihm von der Parteispitze signalisiert, er solle sich um dieses "interessante Potenzial" nicht deutschstämmiger Wähler kümmern.

Gute Aussichten oder chancenlos

Nicht ganz chancenlos ist auch die bayerische Kandidatin der Grünen und jetzige Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz. Mit dem passablen fünften Listenplatz ist die ehemalige Mitarbeiterin von Cem Özdemir die einzige nicht-deutschstämmige Bewerberin in Bayern. In Hessen hofft derweil ihr türkischstämmiger Parteifreund Vecihi Yasaner auf einen sensationellen aber wohl eher unwahrscheinlichen Wahlerfolg der Grünen - nur dann käme er in den Bundestag.

In Berlin versuchen gleich mehrere Migranten ihr Glück: Giyasettin Sayan, Evrim Baba und Musa Özdemir gehen für die PDS ins Rennen sowie Emine Demirbüken und Verena Butalikakis für die CDU. Prognosen räumen ihnen aber kaum Chancen ein. Auch aus den anderen Stadtstaaten Hamburg und Bremen werden wohl keine Kandidaten mit Migrationshintergrund in den Bundestag einziehen, vermuten Parteienforscher. Überhaupt keine nichtdeutschstämmigen Kandidaten melden die Parteien aus Schleswig-Holstein sowie den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

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