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Politik

Mubarak tritt ab

Nach neuen Massenprotesten in ganz Ägypten ist Präsident Mubarak zurückgetreten. Vizepräsident Omar Suleiman teilte mit, ein Militärrat werde die Amtsgeschäfte übernehmen.

Die Ära Mubarak ist zu Ende (Foto: AP)

Die Ära Mubarak ist zu Ende

Die Ära Mubarak ist zu Ende. Vize-Präsident Omar Suleiman erklärte am Freitag (11.02.2011) im staatlichen Fernsehen, Husni Mubarak sei zurückgetreten und habe die Macht an die Streitkräfte übergeben. Die Amtsgewalt habe nun ein Militärrat. Nach Angaben aus Militärkreisen steht an dessen Spitze Verteidigungsminister Mohamed Hussein Tantawi.

Das Oberkommando der Streitkräfte werde nun Regierung und Parlament entlassen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija. Der Militärrat werde die Macht dann zusammen mit der Spitze des ägyptischen Verfassungsgerichtes ausüben. Das Militär bestätigte am Abend die Übernahme der Macht. Man werde den Willen des Volkes erfüllen, sagte ein Sprecher im Fernsehen.

Mit lautem Jubel und Siegesgesängen feierte die ägyptische Opposition den Abgang des Präsidenten. Auf dem zentralen Tahrir-Platz im Zentrum von Kairo tanzten und hüpften nach Augenzeugenberichten Hunderttausende Regimegegner unter ägyptischen Fahnen. "Das Volk hat das Regime gestürzt", skandierten Demonstranten. Es kam zu Verbrüderungszenen mit den auf dem Platz stationierten Soldaten. In anderen Teilen Kairos gaben viele Menschen Freudenschüsse ab. Auf den Boulevards ertönten laute Hupkonzerte. Oppositionsführer Mohamed ElBaradei sprach vom "großartigsten Tag meines Lebens". erklärte: "Das Land ist nach Jahrzehnten der Unterdrückung befreit."

Mubarak verlässt Kairo

Noch am Donnerstag hatte Mubarak, erklärt, er werde Präsident bleiben und Suleiman lediglich Vollmachten übertragen. Dies hatte der Demokratiebewegung noch einmal Auftrieb gegeben. Mehr als eine Million Menschen demonstrierten im ganzen Land und forderten den Abgang des Staatschefs.

Am Freitagnachmittag verließ Mubarak dann mit seiner Familie die ägyptische Hauptstadt Kairo und flog nach Scharm-el-Scheich, wo er eine Villa besitzt. Der 82-Jährige regierte Ägypten 30 Jahre lang mit harter Hand.

Demonstranten vor dem Präsidentenpalast in Kairo (Foto: dapd)

Demonstranten vor dem Präsidentenpalast in Kairo

Wütende Demonstranten

Am Freitagmorgen hatte das Militär eine neue Erklärung herausgegeben, in dem es hieß, die Streitkräfte würden die legitimen Forderungen des Volkes zu schützen und sie präzise umsetzen. Zugleich bekannte sich die Armee zu freien und demokratischen Wahlen zur Lösung der Krise.

Mit Massendemonstrationen hatte die Opposition hatte 18 Tage lang für das Ende der Herrschaft Mubaraks gekämpft. Wut und Enttäuschung über die Fernsehrede Mubaraks am Donnerstagabend, in der er seinen Rücktritt entgegen den Erwartungen noch abgelehnt hatte, hatte der Opposition an diesem Freitag nochmals Auftritt gegeben. Im ganzen Land gingen mehr als eine Million Menschen gegen den verhassten Herrscher auf die Straße. Der Volksaufstand kostete mindesten 300 Menschen das Leben.

Autoritärer Herrscher

Mit dem Abgang des Staatschefs geht im bevölkerungsreichsten arabischen Land eine Ära zu Ende. Der heute 82-jährige Mubarak war 1981 als Vizepräsident nach der Ermordung von Präsident Anwar el Sadat ägyptischer Staatschef geworden und herrschte seitdem autoritär über das Land am Nil. Der nach dem Attentat auf Sadat verhängte Ausnahmezustand gilt bis heute. Die Armee kündigte jetzt seine Aufhebung an.

Autor: Michael Wehling (dpa, rtr, dapd, afp)

Redaktion: Dirk Eckert

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