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Europa

Moskau setzt britischen Ermittlern enge Grenzen

Eine Gruppe britischer Fahnder hat in Moskau Ermittlungen im Fall des vergifteten Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko aufgenommen. Die russischen Behörden setzten deren Arbeit allerdings enge Grenzen.

Hauptquartier des russischen Geheimdienstes FSB in Moskau

Hauptquartier des russischen Geheimdienstes FSB in Moskau

Andrej Lugowoj vor Mikrofonen auf einer Pressekonferenz

Andrej Lugowoj war einer der letzten, die Litwinenko lebend sahen

"Wir werden alles tun, um unseren britischen Kollegen zu helfen", sagte der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika nach einem Treffen mit Beamten von Scotland Yard am Dienstag (5.12.06) in Moskau. Doch obwohl Russland Großbritannien eine enge Zusammenarbeit angeboten hatte, zeichneten sich erste Hürden ab. Die russischen Behörden erklärten, eine Auslieferung möglicher Verdächtiger komme nicht in Frage. Es sei auch laut Verfassung nicht möglich, dass die Briten einen russischen Staatsbürger festnehmen könnten, betonte Tschaika.

Auch eine Befragung des inhaftierten früheren Geheimdienstoffiziers Michail Trepaschkin war nicht möglich. Ein Sprecher der Strafanstaltsbehörde erklärte einem Agenturbericht zufolge, Russland werde niemanden, der wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen inhaftiert ist, ein Treffen mit ausländischen Behördenvertretern erlauben. Trepaschkin gilt als ein wichtiger Informant. Er hatte in einem Brief behauptet, dass die russische Regierung eine spezielle Agentengruppe gebildet habe, um Litwinenko und andere Regierungskritiker zu töten.

Wichtigster Zeuge im Krankenhaus

Alexander Litwinenko im Krankenhausbett.

Alexander Litwinenko im Krankenhaus in London drei Tage vor seinem Tod

Den wichtigsten Zeugen konnten die Ermittler zunächst nicht befragen. Der Unternehmer und frühere Geheimdienstler Andrej Lugowoj und seine Familie wurden überraschend ins Krankenhaus gebracht. In seinem Londoner Hotelzimmer und in den Maschinen von British Airways, mit denen Lugowoj von Moskau nach London geflogen war, hatten britische Ermittler Spuren von Polonium 210 gefunden. Lugowoj hatte Litwinenko an dem Tag getroffen, an dem Litwinenko vermutlich mit der hoch radioaktiven Substanz vergiftet worden war. Die Briten wollen in Moskau mehrere Russen befragen, die in London mit Litwinenko zusammengetroffen waren.

Spezialisten aus Großbritannien überprüften am Dienstag auch die britische Botschaft in Moskau auf eine erhöhte Strahlenbelastung. Dabei handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Botschaftsvertreter der Agentur Interfax. Auch die russischen Geschäftsleute und ehemaligen Geheimdienstler, mit denen Litwinenko in London vor seinem Tod Kontakt hatte, waren zuvor in der Botschaft gewesen.

Viele offene Fragen

Jegor Gaidar (Archivbild)

Jegor Gaidar (Archivbild)

Wegen des vergifteten Ex-Agenten hat sich auch der italienische Außenminister Massimo D'Alema zu einem Kurzbesuch am Dienstag in Moskau angekündigt. D'Alema wollte nach Berichten italienischer Zeitungen Präsident Wladimir Putin um eine "volle Zusammenarbeit" im Fall Litwinenko bitten. Es gebe noch viele offene Fragen. Der italienische Geheimdienstexperte Mario Scaramella hatte Litwinenko am 1. November in einer Londoner Sushi-Bar getroffen. Kurz darauf erkrankte Litwinenko und starb zwei Wochen nach dem Treffen. Auch bei Scaramella ist eine überhöhte Dosis Polonium 210 festgestellt worden.

In Moskau bestätigten Ärzte den Verdacht einer Vergiftung des früheren russischen Regierungschefs Jegor Gaidar. Es sei aber völlig unklar, welche Substanz die Erkrankung verursacht habe, sagte Gaidars Sprecher Waleri Natarow. Gaidars Tochter Maria hatte zuvor den Verdacht geäußert, der regierungskritische Wirtschaftsexperte sei einer "politischen Vergiftung" zum Opfer gefallen. Einen konkreten Beweis für einen Giftanschlag konnten die russischen Ärzte bislang nicht finden. Gaidar durfte das Krankenhaus verlassen.

Gaidar war am 24. November auf einer Konferenz in Dublin plötzlich erkrankt: Er musste sich übergeben und wurde ohnmächtig. Nach erster intensivmedizinischer Behandlung in Irland wurde der 50-Jährige nach Moskau gebracht. Irische Mediziner waren zu dem Schluss gekommen, dass Gaidar nicht mit einer radioaktiven Substanz vergiftet wurde.

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