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Hintergrund

Mosambiks enttäuschte Rückkehrer

Rund 20.000 junge Mosambikaner wurden in den 1970er Jahren in die DDR geschickt. Sie sollten dort zur neuen Elite ihres Landes ausgebildet werden. Doch von dieser Hoffnung blieb nicht viel übrig.

Mosambiks enttäuschte Rückkehrer

Jeden Mittwoch versammeln sie sich im Park "Jardim Vinte e Oito de Maio" im Zentrum Maputos, schwenken Deutschland-Fahnen, reden über vergangene Zeiten und demonstrieren für mehr Geld: Auch 20 Jahre nach ihrer Rückkehr in die Heimat treffen sich die ehemaligen DDR-Vertragsarbeiter dort. "Madgermanes" werden sie genannt, eine Verballhornung des Begriffs "Made in Germany". Bis heute gelten sie als eine der politisch aktivsten Gruppen Mosambiks. Sie eint die Erinnerung an die gemeinsame Zeit in der DDR, aber auch der Frust über ihre Rückkehr nach dem Fall der Mauer.

Solidarität oder Eigennutz?

Ihre Geschichte begann am 24. Februar 1979, als die DDR und die damalige Volksrepublik Mosambik, beim Besuch des damaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker in Maputo, einen Vertrag zum Austausch von Vertragsarbeitern unterschrieben: Ein Zeichen der Völkerverständigung und gegenseitigen Solidarität, wie beide Seiten damals betonten.

Der Vertrag war nicht uneigennützig: Das vom Bürgerkrieg zerstörte Mosambik erhoffte sich qualifizierte Facharbeiter zum Aufbau einer Industrie und wollte Devisen erwirtschaften, um die Schuldenberge, die es im Handel mit der DDR aufgetürmt hatte, abzutragen. Die DDR ihrerseits bekam die dringend benötigten Arbeitskräfte.

Insgesamt 20.141 Mosambikaner kamen in die DDR um dort zu arbeiten, doch nach dem Fall der Mauer 1989 und dem Kollaps des sozialistischen Wirtschaftssystems wurden sie nicht mehr gebraucht: Am 28. Mai 1990 änderten die DDR und Mosambik das Entsende-Abkommen und in den Folgemonaten kehrten fast alle Mosambikaner in ihre Heimat zurück.

Demonstrationen im Park 'Jardim Vinte e Oito de Maio', Foto: Friedrich Stark

Jeden Mittwoch treffen sich die so genannten "Madgermanes" im Zentrum Maputos, um für die Auszahlung ihrer in der DDR erworbenen Sozialabgaben demonstrieren.

Einzug des Kapitalismus

Einer von ihnen ist Eusébio Demba, der 1980 nach Deutschland gekommen war und nach einem achtmonatigen Deutschkurs im sächsischen Marienberg für das Motorenwerk Zschopau MZ als Übersetzer gearbeitet hatte.

Eigentlich hätten die mosambikanischen Vertragsarbeiter mit ihrem in Deutschland erworbenen Wissen den Sozialismus in Mosambik stärken sollen. Doch als sie nach dem Mauerfall heimkehrten, hatte auch in Mosambik der Kapitalismus Einzug gehalten, erinnert sich Eusébio: "Hier gab es die gleichen Veränderungen, die wir in Deutschland miterlebt hatten.“

Eusébio Demba, Quelle: Wortberg/DED

Eusébio Demba kam 1980 ins sächsische Marienberg

Bereits vor dem Fall der Mauer hatte sich Mosambik den Vorgaben des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank angenähert. Nach 1987 übernahm die ehemals sozialistische Front für die Befreiung Mosambiks "Frelimo" ("Frente de Libertação de Moçambique") zunehmend marktwirtschaftliche Prinzipien und schaffte die Planwirtschaft ab.

Rückkehr in den Bürgerkrieg

Zudem herrschte in Eusébios Heimat immer noch Bürgerkrieg, der bis 1992 fast eine Million Menschen das Leben gekostet und fünf Millionen Menschen heimatlos gemacht hatte. Keine guten Voraussetzungen, um mehrere tausend Rückkehrer aus der DDR zu empfangen, erinnert sich Eusébio: "Die Regierung war mit dem Krieg beschäftigt, die Heimkehrer aus Deutschland waren ein vergleichsweise kleines Problem", sagt er.

Eusébio Demba hat in den vergangenen Jahren im deutsch-mosambikanischen Kulturinstitut ICMA, dem Goethe-Zentrum von Maputo, gearbeitet, wo er seine Deutschkenntnisse gut anwenden konnte. Darum zieht er auch ein positives Fazit seiner Zeit in der DDR: "Unser Aufenthalt war schon ein Privileg", sagt er, denn das Erlernte sei für viele wichtig gewesen: Nicht nur in Bezug auf die Sprache, sondern auch auf die Kultur, die Produktionsprozesse und die Einstellung zur Arbeit.

Doch nicht alle hatten so ein Glück: Viele hätten es nicht geschafft, sich sozial und wirtschaftlich wieder einzugliedern, sagt Eusébio Demba. Sie litten unter Arbeitslosigkeit und fühlten sich in die hintere Reihe zurückgedrängt - das sei die negative Seite des Deutschland-Aufenthaltes.

Mosambikanerinnen bei der Berufsausbildung in der Textilindustrie beim VEB Frottana Großschönau (Landkreis Löbau-Zittau), Foto: dpa

Über 20.000 Mosambikaner wurden in die DDR geschickt. Dort sollten sie eine gute Ausbildung bekommen und ihrem Land später beim Wiederaufbau helfen. Für viele erfüllten sich die Hoffnung auf ein Elite-Dasein nicht.

Streit ums Geld

Eine von ihnen ist Judite Armando, die 1980 im Alter von 18 Jahren nach Ilmenau geschickt wurde, um im "Volkseigenen Betrieb Elektroglas" zu arbeiten. Sie musste dafür ihre Schulausbildung unterbrechen, während ihre damaligen Klassenkameraden den Abschluss machten, studierten und heute gut bezahlte Jobs haben. "Ich dagegen habe ein miserables Leben", lautet Judites ernüchternde Bilanz. Sie musste ihren Aufenthalt abbrechen, weil sie schwanger wurde - so sahen es die Regeln für die Vertragsarbeiter damals vor. "Ich bin nach meiner Rückkehr in eine sehr schwierige Lage gekommen, ich konnte nicht einmal meine Habseligkeiten aus Deutschland mitbringen, weil alles so schnell gehen musste", erinnert sie sich.

In der DDR war ihr, wie allen Vertragsarbeitern, ein Teil des Gehaltes abgezogen und an die mosambikanische Regierung überwiesen worden, das ihnen nach der Rückkehr in die Heimat ausgezahlt werden sollte. Doch bis heute streiten sich die ehemaligen Vertragsarbeiter mit dem Arbeitsministerium: Dabei geht es vor allem um den Wechselkurs. Die Regierung will zum nominalen Tauschkurs auszahlen, der aber durch die hohe Inflation in Mosambik inzwischen stark entwertet wurde. Die ehemaligen Vertragsarbeiter dagegen verlangen hingegen einen Inflationsausgleich.

Judite Armando ging sogar leer aus: Selbst wer nur sechs Monate geblieben sei, habe Anrecht auf Rückzahlungen, empört sie sich. "Ich war zwei Jahre dort! Wie ist es dann möglich, dass ich überhaupt nichts bekomme?", fragt sie.

Die Bewegung der "Madgermanes"

Bürgerkrieg in Mosambik (Archiv 1983, Foto: ap)

Der Bürgerkrieg in Mosambik von 1977 bis 1992 hinterließ ein zerstörtes Land.

Diese Gelder sind einer der Streitpunkte der "Madgermanes", die sich jede Woche im "Jardim Vinte e Oito de Maio" treffen. Zum Höhepunkt ihrer Proteste im Jahr 2004 waren sie sogar ins Parlament eingedrungen und hatten für drei Tage die Deutsche Botschaft besetzt gehalten. Inzwischen hat ihre Bewegung an Kraft verloren, die "Madgermanes" sind in zahlreiche kleine, untereinander konkurrierende Verbände gespalten. Das Arbeitsministerium Mosambiks erklärt, es gäbe nichts mehr zu verhandeln, alle Berechtigten hätten ihr Geld erhalten. Die "Akte Madgermanes" sei geschlossen, sagt die Arbeitsministerin Helena Taipo.

So wie Judite Armando warten 20 Jahre nach dem Fall der Mauer zahlreiche ehemalige mosambikanische Vertragsarbeiter immer noch darauf, dass ihr Potential entdeckt wird. Einige von ihnen konnten bei deutschen Institutionen unterkommen, manche haben es an anderer Stelle geschafft, ihre in der DDR erworbenen Kenntnisse einzusetzen. Viele aber schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben oder sind arbeitslos. Ein hartes Schicksal für diejenigen, die eigentlich die Elite des Mosambiks werden sollten.

Autor: Johannes Beck

Redaktion: Alexander Freund

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