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Aktuell Amerika

Mordanklage gegen New Yorker Immobilien-Mogul

Robert Durst ist Multimillionär, seiner Familie gehören Dutzende Luxus-Immobilien in Manhattan. Aber ist er auch dreifacher Mörder? Jetzt hat er sich möglicherweise verraten.

Wegen eines versehentlichen Geständnisses droht einem Multimillionär in den USA die Todesstrafe. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles hat gegen den Immobilienmagnaten Robert Durst (Artikelbild) Anklage wegen eines Mordes vor 15 Jahren erhoben. Der heute 71-Jährige soll im Dezember 2000 seine Freundin umgebracht haben. Damit droht Durst die Todesstrafe. Die wird in Kalifornien allerdings nur selten vollstreckt.

Der Fall hatte am Wochenende in den USA für großes Aufsehen gesorgt, weil sich Durst durch Zufall selbst verraten haben soll. Er wird seit langer Zeit verdächtigt, auch seine Frau und einen Nachbarn ermordet zu haben, Beweise hierfür gab es allerdings nie. Dursts Freundin war in Los Angeles erschossen worden - einen Tag bevor die Polizei sie zu dem Verschwinden von Dursts Ehefrau im Jahr 1982 befragen wollte. Die Behörden hatten den exzentrischen Millionär schon damals im Verdacht.

Stimme aus dem Off

Im Jahr 2003 wurde Durst wegen des Mordes an einem 71-jährigen Nachbarn in Texas angeklagt, dessen zerstückelte Leiche zwei Jahre zuvor gefunden worden war. Nach Medienberichten berief Durst sich jedoch auf Notwehr und wurde von den Geschworenen freigesprochen.

Der Fernsehsender HBO hatte die mysteriösen Todesfälle zum Anlass einer sechsteiligen Dokumentation genommen: "The Jinx - The Life and Deaths of Robert Durst" (Der Unglücksbringer - das Leben und die Tode des Robert Durst). Und genau diese Sendereihe könnte dem nun Festgenommenen zum Verhängnis werden.

Denn in der letzten Folge ist Durst aus dem Off zu hören, wie er vor sich hinmurmelt: "Was zum Teufel habe ich eigentlich getan? Alle getötet, ganz klar." Offensichtlich hatte er nicht bemerkt, dass das drahtlose Mikrofon immer noch eingeschaltet war, als er nach einem längeren Interview die Toilette aufsuchte.

Inkognito auf der Flucht

Nach Informationen der "Los Angeles Times" spielte der Dokumentarfilm bei Dursts Festnahme durchaus eine Rolle, auch wenn die Polizei sich nicht dazu äußern wollte. Ermittler des FBI gingen nach Informationen des Senders ABC davon aus, dass Durst auf der Flucht war. Er habe vor seiner Festnahme unter falschem Namen in einem Hotel in New Orleans eingecheckt und sei mit gefälschten Papieren gereist.

Der Anwalt des Verdächtigen, Chip Lewis, sagte der "Washington Post", sein Mandant habe zehn Jahre lang seine Unschuld beteuert. Daran habe sich "nichts geändert". Allerdings sei nicht klar, ob Lewis schon von Dursts Bemerkungen wusste - und ob diese überhaupt gerichtstauglich seien, schreibt das Blatt.

"Es war so schaurig"

Der Regisseur der HBO-Dokumentation, Andrew Jarecki, berichtet, mit seinem Filmteam sei er auf das mögliche Geständnis erst drei Tage nach dem Dreh aufmerksam geworden. "Ich saß mit einem Kollegen im Schneideraum, und wir haben einfach nur mit dem Kopf geschüttelt - es hat eine Weile gedauert, wirklich die Bedeutung zu verstehen", sagte Jarecki. "Es war so schaurig, das zu hören." Anschließend habe er die Behörden informiert.

Medienberichten zufolge sollte ein Gericht in New Orleans entscheiden, ob Durst an die Justiz im Bundesstaat Kalifornien überstellt wird. Der Verdächtige sei damit einverstanden, hieß es. Douglas Durst, Chef des Immobilienimperiums der Familie, zeigte sich "erleichtert" über die Festnahme seines Bruders: "Wir hoffen, dass er endlich zur Rechenschaft gezogen wird für alles, was er getan hat."

jj/mak (dpa, afp)