″Mord an Zulfiqar war kein Zufall″ | Asien | DW | 03.05.2013
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Asien

"Mord an Zulfiqar war kein Zufall"

Auf dem Weg zum Anti-Terrorgericht wurde Chaudhry Zulfiqar, leitende Staatsanwalt im Mordfall Benazir Bhutto, selbst Opfer. Der Mord erschüttert Pakistan wenige Tage vor der Parlamentswahl.

Prosecutor Chaudhry Zulfikar talks to journalists outside the anti-terrorism court (ATC) in Rawalpindi, in this file picture taken April 26, 2013. Zulfikar, the prosecutor investigating the 2007 assassination of former Pakistani Prime Minister Benazir Bhutto, one of the most shocking events in Pakistan's turbulent history, was shot dead on May 3, 2013, police sources said. Gunmen on a motorcycle pumped 12 bullets into Zulfikar as he left his home in Islamabad, the sources said. Picture taken April 26, 2013. REUTERS/Faisal Mahmood/Files (PAKISTAN - Tags: POLITICS CRIME LAW)

Pakistan Staatsanwalt Prosecutor Chaudhry Zulfikar

Noch ist nicht klar, wer am Freitag (03.05.2013) in Islamabad von einem Motorrad aus die Schüsse auf das Auto von Chaudhry Zulfiqar abgab. Auch auf die Frage, warum der bekannte Staatsanwalt sterben musste, gibt es noch keine Antwort. Verfügte er über so brisante Informationen, dass er dafür mit dem Leben bezahlen musste? Fakt ist, dass Zulfiqar im Rahmen seiner Tätigkeit für die staatliche Ermittlungsbehörde FIA an der Aufklärung des tödlichen Selbstmordanschlages auf die ehemalige Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto im Jahr 2007 arbeitete und dabei auch gegen hochrangige Militärs und Politiker ermittelte.

Im Visier des Fahnders stand auch Pervez Musharraf. Der ehemalige pakistanische Militärherrscher wird verdächtigt, Bhutto im Vorfeld des Attentats nicht ausreichend Schutz gewährt und den Mord so billigend in Kauf genommen zu haben – aus Angst, die ehemalige Regierungschefin könnte wieder an die Macht kommen. Erst vor wenigen Tagen hatte Zulfikar angedeutet, es gebe Indizien dafür, dass Musharraf in die Ermordung Bhuttos verwickelt sei.

Brisante Ermittlungen

Sicherheitskräfte eskortieren Pervez Musharraf

Pakistan Ex-Präsident Pervez Musharraf steht unter Hausarrest

Musharraf, der erst im März aus dem selbstgewählten Exil zurückgekehrt war, um an der Parlamentswahl am 11. Mai teilzunehmen, steht mittlerweile wegen der Vorwürfe unter Hausarrest. Er weist alle Anschuldigungen über eine mögliche Verantwortung am Tod Bhuttos zurück. Sein Anwalt, Malik Qamar Afzal, drückte in einer ersten Stellungnahme gegenüber der Deutschen Welle demonstrativ sein Bedauern über den Tod des Staatsanwalts Zulfiqar aus. "Er war unser Kollege, und wir sind von diesem Verlust stärker betroffen als sonst irgendjemand." Eine Verbindung zwischen den tödlichen Schüssen auf den Ermittler und seinem Mandanten sieht Afzal ausdrücklich nicht. Für derartige Unterstellungen gebe es keinen Grund, so etwas sei "Unsinn".

Der Fall Bhutto war nicht der einzige international bekannte, der mit dem Namen Chaudhry Zulfiqar in Verbindung gebracht wird. So leitete der Strafverfolger auch die Ermittlungen gegen sieben der mutmaßlichen Mumbai-Attentäter. Bei der mehrtägigen Terrorserie in der indischen Metropole waren Ende 2008 mehr als 160 Menschen getötet worden.

Spekulationen, aber keine Beweise

Porträt der ermordeten Benazir Bhutto

Bis heute ist der Mord an Benazir Bhutto nicht aufgeklärt

Der am obersten Gerichtshof der Garnisonsstadt Rawalpindi zugelassene Staatsanwalt Zulfiqar sei nicht das einzige Opfer gewalttätiger Angriffe gewesen, betont der ehemalige Vize-Präsident der Anwaltsvereinigung am Obstersten Gerichtshof, Ikram Chaudhry. Auch zwei weitere an dem selben Gericht zugelassenen Anwälte seien entführt und misshandelt worden. Er sehe diese Vorfälle mit Besorgnis, so Chaudhry: "Ich glaube, dass sie zusammenhängen und dass Mitglieder der Regierung und gewisser Sicherheitskreise darin verwickelt sind, die zeigen wollen, dass sie mächtig genug sind, um mit jedermann fertig zu werden. Aber diese Taktik der Einschüchterung wird nicht funktionieren. Die verfassungsmäßige Ordnung und Rechtsstaatlichkeit Pakistans wird dadurch nicht erschüttert."

Das Attentat gegen Zulfiqar sei auch eine Warnung an die Justiz insgesamt und möglicherweise an die Medien, meint der Anwalt. Das sieht Asma Jahangir, Oberste Richterin und Menschenrechtsaktivistin ähnlich: "Wir betrachten dies als eine Botschaft. Und wir warnen diejenigen, die so etwas tun. Die Vertreter der Justiz werden das nicht untätig hinnehmen. Wir sind alle miteinander verbunden in diesem Fall. Wir werden ihn nicht ruhen lassen, sondern ihn auch auf eigene Faust untersuchen." Die Tat sei gezielt geplant gewesen, meint Jahangir und weist auf verdächtige Anrufe hin: "Am Tag vor der Ermordung Chaudhry Zulfiqars erhielt die Vereinigung der am Obersten Gericht zugelassenen Anwälte mehrere Anrufe mit der Frage nach der Adresse des Staatsanwalts. Dass er dann am folgenden Tag getötet wird, ist sicher kein Zufall."

Schatten auf Parlamentswahlen

Sicherheitskräfte inspizieren das von Kugeln getroffene Fahrzeug

In diesem Auto war Chaudhry Zulfiqar unterwegs

Mehr als ein Dutzend Schüsse feuerten die Täter in einer belegten Straße der Hauptstadt Islamabad auf das Fahrzeug Chaudhry Zulfiqars ab. Der schwer getroffene Ermittler erlag den Angaben eines Polizeisprechers zufolge im Krankenhaus seinen Verletzungen. Bei dem Anschlag wurde außerdem der Leibwächter Zulfiqars verletzt und eine Passantin getötet. Sie wurde von dem außer Kontrolle gerateten Fahrzeug des Staatsanwaltes überrollt.

Die Ermordung des prominenten Staatsanwaltes wirft einen Schatten auf die am 11. Mai anstehenden Parlamentswahlen. Viele Pakistaner wünschen sich, dass sie als eine Art "Meilenstein" in die Geschichte ihres Landes seit der Unabhängigkeit 1947 eingehen. Denn erstmals steht damit der Wechsel von einer zivil gewählten Regierung zur nächsten an und soll als Sieg für die Demokratie in dem immer wieder von Gewalt und Terror erschütterten Land gefeiert werden.

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