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Fokus Osteuropa

Montenegro und Mazedonien erkennen Kosovo an

Belgrad reagiert mit Empörung auf die Anerkennung Kosovos durch Montenegro und Mazedonien. Mit Ausnahme von Bosnien und Rumänien haben damit praktisch alle Nachbarn Kosovos Unabhängigkeit akzeptiert.

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Immer mehr Akzeptanz für Kosovo in der Region

Auch Montenegro und Mazedonien haben nun die Unabhängigkeit des Kosovo anerkannt. Die ehemalige serbische Provinz Kosovo hatte bereits im Februar dieses Jahres seine Unabhängigkeit ausgerufen. Der Anerkennung durch die beiden ehemaligen jugoslawischen Republiken ging also eine recht lange Bedenkzeit voraus. Slowenien hatte sich damit nicht so schwer getan und bereits im Frühjahr als erste ehemalige jugoslawische Republik das Kosovo anerkannt. Mit einigem Abstand folgten Kroatien und Bulgarien.

Zögerliche Anerkennung

Nach der Entscheidung in Podgorica und Skopje fehlt jetzt nur noch die Anerkennung von Rumänien und Bosnien und Herzegowina. Erst dann hätten alle südosteuropäischen Nachbarn Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt. Rumänien zögert wegen der Republik Moldau und ihrer abtrünnigen Region Transnistrien. Es fürchtet ferner, möglichen Unabhängigkeitsbestrebungen der eigenen ungarischen Minderheit im Norden des Landes Auftrieb zu geben. Im Falle Bosnien und Herzegowinas widersetzt sich die insbesondere die Serbenrepublik der Anerkennung des Kosovo. Das Parlament in Banja Luka hat Mitte dieser Woche zum zweiten Mal in einer Resolution die Anerkennung des Kosovo strikt abgelehnt.

Enttäuschung über Montenegro

Den Zorn ihrer serbischen Nachbarn haben sich nun insbesondere die Montenegriner zugezogen. Erstmals habe Montenegro damit Serbien verraten, wetterten nationalistische Politiker in Belgrad. Vor zwei Jahren erst hatte sich Montenegro nach einer Volksabstimmung aus der lockeren Staatenunion mit Serbien gelöst. Die Opposition in Belgrad forderte die Menschen in Serbien dazu auf, Montenegro als Urlaubsland zu boykottieren.

Serbiens Präsident Boris Tadic erklärte indes der Belgrader Presse, als Reaktion bliebe es bei der bereits getroffenen Maßnahme, die Botschafter Montenegros und Mazedoniens zu unerwünschten Personen zu erklären. Dies sei eine weniger drastische Maßnahme, als die diplomatischen Beziehungen vollends abzubrechen. Es sei nicht in Belgrads Interesse, die gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu Montenegro und Mazedonien zu verschlechtern. Aber es habe reagieren müssen, da durch die Anerkennung der einseitig proklamierten Unabhängigkeit die Nachbarn Serbiens Integrität gefährdeten, sagte Tadic. Und das klang fast entschuldigend.

EU- und NATO-Beitritt im Blick

Die serbische Opposition in Montenegro dagegen organisierte eine Protestkundgebung in der Hauptstadt, bei der es zu gewaltsamen Ausschreitungen kam: 30 Personen wurden verletzt und 35 festgenommen. Die Politiker forderten von der Regierung, die Anerkennung des Kosovo zurückzunehmen. Regierungschef Milo Djukanovic lehnte dies allerdings auf einer Parlamentssitzung ab. Die Regierung habe weder voreilig noch unbedacht diese Entscheidung getroffen und darum werde sie sie auch nicht zurücknehmen, sagte Djukanovic. Ihm zufolge hat sich die Regierung zu diesem Schritt entschlossen, um die Umsetzung der strategischen Ziele Montenegros – den EU- und NATO-Beitritt – nicht zu gefährden.

Die serbische Opposition in Montenegro will nun „durch zivilen Ungehorsam“ weiter gegen die Anerkennung des Kosovo protestieren. Ihr zufolge steht die serbische Minderheit im Land, die ein Drittel der 650.000 Einwohner Montenegros ausmacht, geschlossen hinter ihr. (md)

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