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Europa

Moderne Aussteiger in Europa

Raus aus dem Alltag: Viele Europäer wandern nach Neuseeland, Australien oder Kanada aus. Eine Slowakin und ein Niederländer sind in Europa geblieben - in einem kleinen Bergdorf mitten in der Slowakei.

Die Slowakin, Katka Hojčušová, und der Holländer, Menno Vos, in ihrem Holzhaus in der Tatra (Foto: DW)

Die Aussteiger: Katka Hojčušová und Menno Vos

Hinauf auf den Berg, in das kleine Dörfchen Lom nad Rimavicou haben sich die Slowakin Katka Hojčušová und der Niederländer Menno Vos vor dem Stress und der Hektik westeuropäischer Großstädte geflüchtet. Seit einem Jahr leben sie hier.

Mehr Natur, weniger Urbanität

In der Umgebung ihres neuen Zuhauses sollte es möglichst einen Wald geben und einen Bach. "Einen Bach über das Grundstück", scherzt Menno Vos. Und möglichst wenige Nachbarn, fügt Katka Hojčušová hinzu. Links und rechts von ihrem Grundstück mit dem alten Holzhäuschen erheben sich in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Hohen und Niederen Tatra. Zeit scheint hier keine Rolle mehr zu spielen.

Blick auf das Dorf Lom nad Rimavicou in der Slowakei (Foto: DW)

Statt Verkehrschaos und Stadtgewusel: Natur rund um Lom nad Rimavicou

"In einer Stadt kann man nichts machen, es ist langweilig. Man sitzt in so einem Haus und es gibt eigentlich kein Ziel in einer Stadt", erklärt Menno Vos. Und dann seien sie in den Urlaub gefahren - in die Slowakei - und er habe sich verliebt in das Land. "Die Leute und das Leben hier sind total anders. Und dann habe ich zu Katka gesagt: 'Komm wir ziehen um in die Slowakei'", so Vos.

Wald und Berge haben überzeugt

Menno hatte sich in Holland nie richtig zu Hause gefühlt: Reihenhaus an Reihenhaus, akkurat geschnittener Rasen davor und vor allem weit und breit weder Wald noch Berge.

Katka Hojčušová dagegen fiel die Entscheidung schwerer. "Zurück in die Slowakei? Ich konnte mich noch an ganz viele Sachen erinnern, wieso ich gerade gesagt hatte, nie wieder Slowakei. Da wir dann immer nach so einsam stehenden Häusern in schöner Natur gesucht haben, habe ich eine andere Seite von der Slowakei entdeckt und ich denke, das hat mich überzeugt", erklärt sie.

Hals über Kopf in die Multikulti-Beziehung

Katka Hojčušová hatte 2002 ihr BWL-Studium in Bratislava abgeschlossen und bereits einen gut bezahlten Marketing-Job in Aussicht. Doch sie kehrte allem den Rücken und ging nach Deutschland. In Dresden studierte sie dann Kulturmanagement. "Da habe ich dann irgendwie auch die Soziokultur entdeckt und habe gesehen, dass ich da nützlich sein kann. Und dass es da nicht um Profit, Umsatz und Gewinn gehen muss", meint sie.

Die Slowakin, Katka Hojčušová, und der Holländer, Menno Vos, vor ihrem Holzhaus in der Slowakei (Foto: DW)

Katka Hojčušová und Menno Vos bei der Arbeit

Während eines Videoworkshops für Jugendliche aus Deutschland, Polen und Tschechien lernte sie 2005 Menno Vos kennen, der als Kameramann arbeitete. Ohne viel nachzudenken, brach er seine Zelte in Holland ab, beide nahmen sich eine Wohnung in Dresden und arbeiteten von da an als Team. Mit Videoworkshops und Imagefilmen für holländische Firmen verdienen sie auch jetzt ihr Geld. Dafür verlassen sie für ein paar Wochen im Jahr ihr Bergdorf und kehren in die laute, hektische Zivilisation zurück.

Was sie vom Leben wollen

"Was wir gemerkt haben", erklärt Katka Hojčušová, "in Gesprächen geht es immer wieder ums Geld verdienen. Klar, wir müssen auch Geld verdienen, aber irgendwie braucht man hier weniger und umso weniger muss man dann verdienen und man kann sich auf andere Sachen konzentrieren."

Blick auf ein Feld im Dorf Lom nad Rimavicou in der Slowakei (Foto: DW)

In Lom nad Rimavicou können sie vieles selbst auf ihrem Feld anpflanzen

Jetzt konzentrieren sich Katka und Menno auf ihr Feld und das Gemüse, was darauf wächst: Kartoffeln, Möhren, Erbsen. Mehrmals täglich bestaunen sie, wie alles prächtig gedeiht. Das haben die "Holländer", wie sie von den Dorfbewohnern genannt werden, sicher auch der tatkräftigen Hilfe ihrer slowakischen Nachbarn zu verdanken. "Die wollen nie Geld", meint Katka Hojčušová. Für Arbeit auf dem Feld gebe man nie Geld, so die Meinung der Einheimischen. "Da hilft man irgendwie anders. Zum Beispiel helfen sie uns mit einem Traktor und ich soll der Tochter Deutschnachhilfe geben und so funktioniert das hier", erklärt sie.

Kein Luxus im Holzhaus

Auch wenn in ihrem Haus alles sehr spartanisch eingerichtet ist, so strahlt es doch Gemütlichkeit aus – das Feuer knistert im Herd, Katka Hojčušová sitzt am Spinnrad und spinnt Wolle. Ein Bad gibt es noch nicht, dafür in der Küche einen Wasserhahn auf Kniehöhe und als Toilette dient die Latrine im Garten. Einzig Laptop und Computer weisen auf ihre Verbindung mit der Außenwelt hin. Über die Zukunft denken sie selten nach.

Die Slowakin, Katka Hojčušová kocht in ihrer spärlich eingerichteten Küche (Foto: DW)

Mit wenig zufrieden: Katka Hojčušová

"Es ist so eine Phase der Suche und momentan will ich in dem Bach hier unten einfach stinkende Schafswolle waschen, spinnen und Mützen zu machen. Aber ob man davon leben kann, wird die Zeit zeigen", meint Katka Hojčušová. Hierher zu kommen, sei ein Experiment gewesen. Jetzt, nach einem Jahr, seien sich beide sicher: Genauso wollen sie leben. Ob Katka Hojčušová und Menno Vos allerdings immer in Lom nad Rimavicou bleiben, wissen sie noch nicht. Menno Vos will auf keinen Fall, dass sich das ruhige Aussteiger-Fleckchen herumspricht. "Es sollen möglichst viele Leute in den Städten bleiben", so Vos.

Autor: Grit Krause
Redaktion: Nicole Scherschun

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