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Politik

Mit Weblogs zum Wahlsieg

Für die einen ist es Hobby, für die die anderen gehört es zum Job - Blogger werden in Boston behandelt wie "richtige“ Journalisten – manchmal eine ernüchternde Erfahrung. Eine Reportage aus Boston.

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Erstmals protokollieren Weblogger den Parteitag der US-Demokraten

"Viele Blogger sind überrascht, dass so ein Parteitag so langweilig ist,“ sagt Peter Rukavina. „Sie haben mehr erwartet, als fast den ganzen Tag nur durch die Gegend zu wandern.“ Der 38jährige Webdesigner ist für zwei Tage aus Kanada gekommen. "Ich möchte wissen, wie diese politische Veranstaltung abläuft, wie andere Medien darüber berichten,“ sagt er, "und wie das Ganze in das große Puzzle der amerikanischen Demokratie passt.“

Politische Kommentare und Toiletten-Tipps

Peter Rukavina, 38, aus Prince Edward Island, Kanada. reinvented.net blogger

Blogger Peter Rukavina (38) aus Prince Edward Island, Kanada

Rukavina schreibt seit 1999 weblogs – zuerst nur ein paar Mal im Monat, um seine Kunden über seine Firma zu informieren. Aber schon bald kamen persönliche Eindrücke dazu: Restauranttipps, Familienereignisse. Und jetzt schreibt er vier bis fünf Mal täglich. Ein zeitraubendes Hobby.

"Ich laufe auf dem Parteitag herum und von Zeit zu Zeit gehe ich online und schreibe auf, was ich gesehen habe,“ erzählt er, "wie ich völlig übernächtigt hier ankam, zum Beispiel.“ Wie bei allen Weblogs ist die Spanne der Berichte vom Parteitag breit. Sie reichen von politischen Kommentaren und Beobachtungen bis zu Tipps, vor welcher Damentoilette die kürzeste Schlange ist. "Die Leute schreiben mehr über die Vorgänge an sich auf dem Parteitag, als es die klassischen Journalisten tun,“ findet Rukavina.

Wie Süchtige ohne Droge

Blogger Ady Barkan auf Konvent der Demokraten in Boston

Weblogger Ady Barkan auf dem Bostoner Konvent der Demokraten

Es gibt sogar einen speziellen Bereich für die Blogger, direkt unter dem Dach des Fleet Center, in Schwindel erregender Höhe. Dort stehen Tische und es gibt den besten drahtlosen Empfang. Der funktioniert meistens – "es sei denn,“ sagt Blogger Ady Barkan aus New York, "es sind zu viele Leute online." "Dann sitzen die Blogger da, und wenn man ihnen in die Augen sieht, dann sehen sie aus wie Süchtige, die gerade ihre Droge nicht bekommen,“ bestätigt Peter Rukavina.

Blogger Marritz auf Konvent der Demokraten in Boston

Ilya Marritz, Weblogger für die New Yorker Radiostation wnyc

Ilya Marritz schreibt beruflich das Weblog für die New Yorker Radiostation wnyc. Der 26jährige Journalist will den Hörern zeigen, wie es hinter den Kulissen aussieht und wie Radio gemacht wird: "In unseren Blog stellen wir deswegen vor allem Fotos.“ Und Marritz nutzt die Weblogs mittlerweile auch für die Recherche. „Weblogs sind eine spannende Sache,“ sagt er, "aber hauptsächlich mache ich Radio hier auf dem Parteitag.“ Für einen privaten Weblog hat er keine Zeit mehr: "Selbst für einen kurzen Eintrag braucht man mindestens eine halbe Stunde. Man braucht mehr Zeit als man denkt.“

Erstes politisches Großereignis mit Bloggern

Der Parteitag der Demokraten ist das erste große Ereignis in den USA, zu dem Weblogger offiziell eingeladen sind. Die Demokraten bieten ihnen auf ihrer Seite eine eigene Rubrik an – und auch einige Delegierte aus den US-Bundesstaaten haben diese Art der Öffentlichkeitsarbeit entdeckt. "Wir wissen auch nicht genau, warum die Weblogger hier auf den Parteitag der Demokraten eingeladen wurden,“ sagt Peter Rukavina. Vermutlich habe es auch damit zu tun, dass im Vorwahlkampf Weblogs eine große Rolle gespielt haben. Einer der Kandidaten der Demokraten, Howard Dean, hatte schon damals ein eigenes Weblog und es gelang ihm, über das Internet viele Spenden zu sammeln. "Das ganze ist ein Experiment,“ sagt Rukavina. "Ob wir 2008 wieder mit dabei sind, wird zeigen, wie erfolgreich dieses Experiment ist.“

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