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Politik

Die Blogger kommen

Unter die Teilnehmer des Parteitags der US-Demokraten hat sich eine illustre Schar von Webloggern gemischt. Ob sie das Geschehen multimedial aufrühren können, wird sich erst zeigen.

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Weblogs werden immer professioneller

Es bewegt sich etwas im mächtigsten Land der Welt, den Vereinigten Staaten von Amerika. In der Wahlkampf-Inszenierung gibt es neue Akteure auf der pompösen Bühne derjenigen, die mit ihrer Aufführung die Macht im Weißen Haus erobern wollen. Allein: Man sieht sie nicht, weil sie das Geschehen nur beobachten - und beschreiben. Im Cyberspace. Sie heißen: Weblogger oder kurz: "Blogger".

Die Medien sind beim diesjährigen Nominierungsspektakel der Demokraten stark vertreten: Allein 15.000 Berichterstatter schauen auf die Ereignisse rund um die Kür des US-Senators John Kerry zum Präsidentschafts-Kandidaten. Die Wahl Anfang November entscheidet den zukünftigen politischen Kurs der mächtigsten Regierung der Welt. In diesem Jahr gibt es eine Weltneuheit in der Medienszene: 35 Weblogger, kurz Blogger, sind offiziell als Medienvertreter eingeladen.

Medien und mächtige Blogger

Weil nicht institutionalisiert, sind Blogger eine schwer berechenbare Macht. Weblogs werden häufig in der Form eines Tagebuchs geführt. Alle Einträge können von den Nutzern interaktiv kommentiert werden. Weltweit beläuft sich die Zahl der Blogger mittlerweile auf mehrere Millionen. Auf ihren Internetseiten geben die Autoren subjektive Ansichten wider, und tragen damit ebenso zur Meinungsbildung bei wie etablierte Tageszeitungen.

Und so reagierten die Mächtigen - als sie die "digitalen Graswurzel-Journalisten" ins Boot holten. Die Blogger sollen in Boston genauso behandelt werden wie andere Reporter, kündigte ein Parteisprecher in der "Washington Post" an. Es sei sogar geplant, ein eigenes Frühstück für die Internet-Autoren zu organisieren.

John Kerry mit Thumbnail

Kerry sucht nicht nur Freundschaft mit Webloggern

Das Internet hat für den US-Wahlkampf enorme Bedeutung gewonnen. Den Trend setzte der in den Vorwahlen der Demokraten gescheiterte Ex-Gouverneur Howard Dean, der über sein Weblog Unterstützer im ganzen Land gewinnen und Millionensummen an Spenden eintreiben konnte. Die eingeladenen Blogger unterstützen nun mehr oder weniger engagiert John Kerry und John Edwards. "Wir wollen diese Gemeinschaft nicht verlieren. Aber wir würden sie verlieren, wenn wir zurückkehren zur traditionellen Organisation demokratischer Parteitage", sagt Ellen Meserow, eine frühere Mitarbeiterin Deans.

Die Großen wollen die Kleinen

Die großen Medien haben das Potenzial der kleinen Powerblogger erkannt und gehen auf Schmusekurs. Nach einem Bericht von "Heise.de" kündigte der Nachrichtensender CNN an, die Webkommentatoren zum festen Bestandteil seiner Parteitagsberichterstattung zu machen. Dabei kooperiere er mit dem Portal "politics.technorati.com", das kürzlich eine politische Übersichtsseite gestartet hat. Die "New York Times" berichtete vorab über das neue Phänomen. Dabei fand man zwar einen Medienprofessor, der sich um den Professionalismus der Presse sorgt, wenn man das Feld den Bloggern überließe. Doch im Grunde freue man sich auf das "respektlose Auge", das die Webautoren auf das Geschehen werfen. Zumindest würden diese mit dem Anspruch antreten, auch über Kleinigkeiten zu berichten, die den Massenmedien entgehen. Auch der Sender MSNBC buhlt um die Gunst der Surfer. Er hat auf der Webseite "msnbc.msn.com/id/5452167" politische Moderatoren und prominente Experten zum "Hardbloggen" eingeladen.

Man darf gespannt sein, wie sich die "Blogosphäre" entwickelt. Generell zeichnet sich eine Professionalisierung der ehemals web-anarchischen Blogger ab. Ein Eingliedern in die gängigen Strukturen ist nicht unwahrscheinlich. Zumindest bietet die Graduate School of Journalism der University of California in Berkeley, eine der respektiertesten Journalismusschulen der USA, ihren Studierenden seit neuestem Blogging-Kurse an. Für den Moment hofft die Blogger-Fangemeinde auf markige Web-Kommentare bis zur Wahl.

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