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Kultur

Mit Wachs und Entenfeder

So vielfältig wie die Regionen in Deutschland, so vielfältig sind auch ihre Ostertraditionen. Sorbische Ostereier sind richtige Kunstwerke. Beobachtungen bei der einzigen slawischen Minderheit im Osten der Republik.

Das Verzieren von Ostereiern nachsorbischem Brauch ist Filigranarbeit (Foto: Markus Nowak)

Ostereier bemalen ist eine alte Tradition bei den Sorben

Susann Schurmann hält einen Esslöffel in der Hand. Darin liegt ein daumengroßer Wachsklumpen. Sie entzündet eine Kerze darunter, das Wachs beginnt zu schmelzen. Jetzt kommt die Hauptsache, eine äußerst filigrane Arbeit: Die 22jährige Eventmanagerin am Heimatmuseum in Dissen, Niederlausitz, tunkt die Spitze einer Entenfeder in das heiße Wachs und überträgt es Punkt für Punkt auf die Schale eines hartgekochten Eis. Später kommt Farbe hinzu. Wenn das kleine Kunstwerk fertig ist, ziert es am Ostersonntag den Tisch bei den Sorben, Deutschlands einziger slawischer Minderheit. Die Sorben - manche nennen sie auch Wenden - wohnen im Osten Deutschlands zwischen Spreewald und Lausitz, in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen. Ihre Tradition des aufwendigen Ostereierverzierens reicht weit zurück bis ins 17. Jahrhundert.

Sorbisches Ostereierverzieren im Museum Dissen Ein Mädchen färbt ein Osterei ein. (Foto: Markus Nowak)

Charla und ihr Ei

Mit Geduld und Spucke

"Ich konnte kaum über die Tischkante gucken, da habe ich schon die ersten Ostereier verziert", sagt Susann Schurmann. Sie trägt einen dunklen Rock mit dezentem Blumenmuster und eine Haube - die traditionelle sorbische Arbeitstracht. Eine Gruppe von zwanzig Besuchern will sich von ihr in die Geheimnisse des Ostereierbemalens einweihen lassen. Sie kommen aus der ganzen Region nach Dissen. Frauen sind dabei erkennbar in der Mehrheit. Nur wenige Männer wagen sich an die aufwendige Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl und Geschick erfordert. Gunner Kurt zum Beispiel. Er will zusammen mit seinem Sohn Ostereier verschönern. "Für den Hausgebrauch - ein Kunstwerk muss es nicht werden", schränkt er gleich ein. "Mit Geduld und Spucke geht das aber".

Die junge Sorbin Susann Schurmann hilft bei Fragen weiter. Sorbisches Ostereierverzieren im Museum Dissen Susann Schurmann gibt den Besuchern Ratschläge (Foto: Markus Nowak)

Verzierkurs im Museum Dissen

Wachsen, ätzen, kratzen

Museumsleiterin Babette Zenker pflichtet ihm bei: "Man braucht eigentlich keine Begabung dafür". Gerade die Wachsbatik-Technik sei unkompliziert: Nachdem die Wachsmuster aufgetupft wurden, werden die Ostereier in Farbe getunkt. Das Wachs wirkt dabei wie eine Schutzschicht, an diesen Stellen färbt sich die Eierschale nicht. Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten, Ostereier zu veredeln -Kratz- und Ätztechniken beispielsweise. Aber das ist dann schon die Königsdisziplin.

Nach alten Mustern und Traditionen gefertigt: Sorbische Ostereier. Sorbisches Ostereierverzieren im Museum Dissen Ein Osterei wird über eine Kerzenflamme gehalten (Foto: Markus Nowak)

Sorbische Ostereier werden gewachst

Wolfszähne und Dreifaltigkeit

Ob nun eingekratzt oder mit heißem Wachs aufgetragen, die Muster auf einem "Jajo", wie die Sorben die Eier nennen, haben eine tiefe Bedeutung. Die Kreise etwa symbolisieren das Sonnenlicht, kleine Dreiecke stehen für Wolfszähne, die das Böse vertreiben sollen. "Aber auch für die Familie aus Vater, Mutter und Kind und für die Heilige Dreieinigkeit", sagt Susann Schurmann und resümiert: "Alles in allem sind es vorrangig religiöse Symbole". Zwischen den Erwachsenen sitzt die zwölfjährige Charla: "Ich habe ein paar Kreise gemacht und dann Bilder rein", erzählt sie. Und bedauert ein bisschen, dass es fürs Eierbemalen keine Schulnoten gibt. Denn dann bekäme sie sicherlich eine Eins.

Autor: Markus Nowak

Redaktion: Cornelia Rabitz (CP)

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