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Europa

Wir waren, wir sind, wir bleiben

In Ostdeutschland lebt schon seit über 1000 Jahren ein slawisches Völkchen: die Sorben. Auch wenn ihre Zahl ständig sinkt, sind die Sorben nicht vom Aussterben bedroht.

Die sorbische Jugendtanzgruppe Wudwor bei Folklore-Fest (Foto: Wudwor, SN)

Die sorbische Jugendtanzgruppe "Wudwor" bei einem Folklore-Fest

Es ist ein sonniger Samstagnachmittag. Doch Tobias und Handrik treffen sich an diesem heißen Sommertag nicht an einem der klaren, kalten Lausitzer Seen, sondern vor der Sporthalle einer Schule im Dorf Crostwitz. Für die beiden Sorben steht heute Tanz auf dem Programm – kein HipHop, kein Breakdance oder Standardtanz, sondern Folklore.

Sorbische Jugendtanzgruppe Wudwor bei einem Folklore-Fest (Foto: Wudwor, SN)

"Wudwor" will die sorbischen Traditionen bewahren

Jeden Samstag treffen sich bis zu 30 Jugendliche und junge Erwachsene in Crostwitz. Sie reisen aus den umliegenden Dörfern und Städtchen an. Hier trainiert der traditionelle sorbische Tanzverein "Wudwor". Auf den ersten Blick ist das Faible fürs Alte und Folkloristische nicht zu erkennen: Sie tragen sportliche Kleidung, bunte Turnschuhe und modische Frisuren, wie die meisten deutschen Jugendlichen. Doch auf ihre sorbische Herkunft legen sie großen Wert. "Das sind meine Wurzeln", sagt der 24-jährige Tobias Domsch. "Ich bin damit aufgewachsen und bin auch sehr stolz darauf, dass ich Sorbisch sprechen kann."

Getanzte Traditionen

Das Ensemble "Wudwor" studiert die ganz alten traditionellen Tänze ein, die schon ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern getanzt haben. Die Sorben waren und sind bis heute eine anerkannte Minderheit auf deutschen Staatsgebiet. Dabei hat nicht nur die sorbische Sprache das Volksgrüppchen zusammengeschweißt, sondern auch die vielen Bräuche wie Trachten, Lieder und Folklore-Feste.

Sorbische Jugendtanzgruppe Wudwor bei Folklore-Fest (Foto: Wudwor, SN)

Sorbische Folklore

Die Mitglieder von "Wudwor" finden es nicht altbacken, an den alten Traditionen festzuhalten: "Für mich ist das einfach eine Möglichkeit Sport zu machen und gleichzeitig Spaß zu haben", sagt die 19-jährige Regina. "Während der Probe treffe ich Leute, mit denen ich mich auch abends verabreden kann. Das Ensemble ist wie eine kleine Familie."

Sorbisch soweit die Lausitz reicht

40 bis 50 Auftritte hat das Ensemble "Wudwor" im Jahr. Dazu kommen Tourneen nach Polen, Tschechien oder Rumänien. Von diesem ehrenamtlichen Einsatz lebt die sorbische Minderheit: Es gibt zahlreiche sorbische Gesangs- und Tanzvereine in der Lausitz. Hinzu kommen sorbische Kindergärten und Schulen, sorbische Zeitungen, Radiosender und die Interessenvertretung "Domowina".

Sorbische Jugendtanzgruppe Wudwor bei Folklore-Fest (Foto: Wudwor, SN)

Es gibt viele Anhänger auch unter den jungen Leuten

Finanziert werden diese Kulturvereine jährlich mit 15,6 Millionen Euro vom Bund und von den Ländern Brandenburg und Sachsen, in denen die Volksgruppe lebt. Doch trotz dieser Förderung verlassen einige Sorben ihre Heimatregion. "Vor allem viele sorbische Mädchen wandern in den Westen ab und machen dort eine Ausbildung", sagt Tobias. "Die lernen dort einen deutschen Mann kennen und bleiben ganz da. Und dann ist eine potentielle sorbische Mutti weg."

Nicht vom Aussterben bedroht

Tobias will seinen Kindern auf jeden Fall Sorbisch beibringen, wie auch die meisten anderen im "Wudwor"-Ensemble. Und auch der Elan und der Spaß, den ihre Gruppe ausstrahlt, widerspricht deutlich der Befürchtung, dass das sorbische Völkchen aussterben könnte. Gefragt nach der Zukunft der Sorben, zitiert Regine spontan einen alten sorbischen Spruch – und Glaubenssatz: "My běchmy. My smy. My budźemy – Wir sind. Wir waren. Wir bleiben."

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