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Sport

Mit positiven Gefühlen ins WM-Jahr

Ein später Ausgleich rettet dem DFB-Team die Bilanz: Gegen Frankreich bleibt die deutsche Elf im 21. Spiel in Folge ungeschlagen. Während viele beim Saisonausklang in Köln enttäuschen, nutzt ein Rückkehrer seine Chance.

Fußball Länderspiel Deutschland vs Frankreich | Mario Götze (picture-alliance/Pressefoto Baumann/H. Britsch)

Nach langer Leidenszeit zurück im Kreis der Nationalelf: Mario Götze

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. So ist das im modernen Fußball. Kurz nach dem Schlusspfiff rennt Mesut Özil bereits frisch geduscht durch die Katakomben in Richtung Ausgang. Der Flieger zurück nach London wartet, Özil hat es eilig. Auch Sami Khedira dreht sich während eines kurzen Interviews mehrfach nervös in Richtung Wagenkolonne um, bloß nicht den Transfer zum Flughafen verpassen. Nur einer hat alle Zeit der Welt: Mario Götze. Ein Jahr lang hat er nicht für die Nationalelf gespielt. Gegen Frankreich gab er sein knapp halbstündiges Comeback und leitete mit einem ebenso schnellen wie präzisen Pass das 2:2 durch Lars Stindl ein. Der perfekte Einstand.

Und das sieht man: Mario Götze strahlt über beide Ohren, als er durch die Kabinengänge des Kölner Stadions schlurft. Mit zwei Plastiktüten unter dem Arm spricht er von einem "sehr positiven Gefühl", zurück zu sein. "Es war für mich einfach wichtig wieder dabei zu sein, gerade nach dieser langen Zeit", sagt er und macht damit indirekt deutlich, dass erst jetzt, mit der Rückkehr ins Nationalteam sein Comeback nach der rätselhaften Stoffwechselerkrankung so richtig vollendet ist. Götze ist mit dem ebenfalls eingewechselten Lars Stindl sowie dem sehr gut aufgelegten Keeper Kevin Trapp einer der Gewinner eines Fußballabends, der lange Zeit nur wenig Lichtblicke bot.

Stimmung? Das kann Köln besser

Das Stadion war längst nicht ausverkauft, keine 37.000 kamen, trotz des Aufeinandertreffens von Weltmeister und Vize-Europameister. Und so blieb auch die Stimmung lange eher leise und abwartend. Erst ein Rempler von Samuel Umtiti an Ilkay Gündogan und der daraufhin ausbleibende Freistoß-Pfiff des türkischen Schiedsrichters Cüneyt Cakir brachte die Gemüter etwas in Wallung (14.). Es blieb ein kurzes Aufflammen von Atmosphäre, das kann Köln besser – selbst wenn der heimische 1. FC dazu in letzter Zeit wenig Anlass bietet, sind die Ligaspiele hier deutlich stimmungsvoller. Das lag auch am Geschehen auf dem Rasen. Beide Teams störten effektiv die Bahnen des Gegners, ohne dabei selbst im Spielaufbau die nötige Präzision zu zeigen. Und so musste ein Konter für die erste wirklich gefährliche Szene herhalten: Nach einem Ballverlust von Ilkay Gündogan zog Alexandre Lacazette auf und davon, umkurvte den etwas ungelenk wirkenden Mats Hummels und zog aus halbrechter Position ab, doch sein PSG-Vereinskollege Kevin Trapp war zur Stelle (19.).

Fußball Köln Länderspiel D vs Frankreich Tor 0:1 (Reuters/W. Rattay)

Perfekt aufgelegt: Lacazette unmittelbar vor dem 1:0-Führungstreffer

Die Szene wirkte nicht als Weckruf für die deutsche Elf, im Gegenteil. Gegner Frankreich stabilisierte sein Spiel, errang mehr Ballbesitz und arbeitete sich immer öfter vor das Tor der deutschen Mannschaft. Die beim FC Bayern München eingespielte Innenverteidigung aus Niklas Süle und Mats Hummels stand zunehmend unter Druck: Zunächst durch den bulligen Kylian Mbappé, der plötzlich frei vor dem Tor auftauchte und aus fünf Metern abzog. Doch Kevin Trapp tauchte ab und faustete den Ball zur Seite weg (32.). Und nur eine Minute später war es soweit: Lucas Digne hatte auf der linken Seite viel Raum, flankte nach innen und fand dort Anthony Martial. Der ließ Mats Hummels mit einer Körpertäuschung aussteigen und bediente den neben ihm stehenden Alexandre Lacazette, der nur noch den Fuß hinhalten musste - die verdiente Führung der Franzosen (33.), die deutlich mehr Offensivdrang zeigten. "Frankreich ist sehr gut aufgestellt und definitiv ein Favorit auf den Titel", sollte Mario Götze später anerkennend sagen.

Werner mit Licht und Schatten

Die Reaktion der deutschen Mannschaft: Etwas mehr Elan, aber recht holprig vorgetragene Vorstöße in Richtung des Tors von Steve Mandanda. Vor allem Timo Werner versprang öfters der Ball, gerne auch in aussichtsreicher Position wie in der 41. Minute, als er frei an der Strafraumlinie strauchelte und auch im Nachschuss keine Gefahr erzeugen konnte. Werner fehlte die Anbindung ans Spiel, doch das lag auch an seinen Mitspielern, Mesut Özil und Julian Draxler, dessen Zuspielen manchmal die gewohnte Genauigkeit fehlte.

Auch die zweite Halbzeit begann - mit Ausnahme der kleinen französischen Ecke - stimmungsarm. Der neue Publikumssport des Papierflieger-Werfens sorgte wie schon gegen England phasenweise für mehr Aufsehen als das Spiel. Das änderte sich glücklicherweise bald: Der eingewechselte Antonio Rüdiger warf sich in eine Draxler-Flanke und verfehlte das Tor nur knapp (53.). Und dann endlich ein Pass von Mesut Özil, wie ihn nur wenige spielen können. Fast ansatzlos schickte er den Ball in die Tiefe des Raumes, exakt in den Lauf von Timo Werner, der dieses Mal nicht verstolperte und mit einem trockenen Abschluss unter Mandana hindurch zum 1:1-Ausgleich (56.) traf.

Fußball Köln Länderspiel D vs Frankreich Tor Timo Werner 1:1 (Imago/Sportfoto Rudel)

Gegen Frankreich manchmal zu zaghaft: Werner tunnelt Mandanda zum 1:1-Ausgleich

Rüdiger besser als Hummels

Der deutschen Elf gab dieser Treffer Selbstvertrauen und Sicherheit im Spielaufbau. Rüdiger agierte konzentrierter als Hummels und stabilisierte die Abwehr. Der richtige Moment für den Bundestrainer einen zu bringen, der lange auf diesen Moment warten musste: WM-Siegtorschütze Mario Götze kehrte nach langem krankheitsbedingtem Ausfall ins Nationalteam zurück. Er blieb jedoch weitgehend blass und ohne Glück auf der rechten Seite. Pech hatte dagegen Toni Kroos, der einen Freistoß ans Lattenkreuz nagelte (70.). Stattdessen traf Frankreich zur erneuten Führung: Frankreichs Kapitän Raphael Varane nutze den Raum, den ihm die deutsche Mannschaft ließ, und spielte einen Pass in die verwaiste Abwehrmitte, wo Alexandre Lacazette plötzlich nur noch Kevin Trapp vor sich hatte, der Lacazettes Schuss machtlos hinterher sehen musste (71.). Das 1:2 offenbarte die Probleme der deutschen Mannschaft an den Schnittstellen zwischen Mittelfeld und Abwehr. Die Gewerke greifen - auch bedingt durch die häufigen Rochaden der letzten Monate - nicht richtig ineinander. Martial hätte in der 88. Minute noch auf 1:3 erhöhen können, doch Trapp war zur Stelle. Der Keeper von PSG empfahl sich gegen Frankreich durchaus nachhaltig für eine weitere Berücksichtigung im WM-Jahr. Das tat in der 93. Minute auch Lars Stindl, der einen Götze-Pass kaltschnäuzig zum 2:2-Endstand verwertete. Ein durchaus glücklicher, aber über das Jahr gesehen wahrscheinlich doch verdienter Ausklang eines nahezu perfekten Jahres für die deutsche Nationalelf.

jw/jk

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