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Afrika

Mit Lesen und Schreiben der Armut entkommen

Anlässlich des Welttages der Alphabetisierung fordert die UNESCO einen größeren Einsatz für Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Vor allem in Afrika ist die Analphabetenrate nach wie vor hoch.

Schüler in Sierra Leone (Foto: dpa)

Für Mädchen ist der Schulbesuch nicht selbstverständlich

Bildung für alle - unter diesem Programm verpflichteten sich 164 Länder vor zehn Jahren auf dem Weltbildungsforum in Dakar dafür zu sorgen, dass mehr Menschen lesen und schreiben können. Aber der aktuelle Weltbildungsbericht der UNESCO anlässlich des Welttages der Alphabetisierung am Mittwoch (08.09.2010) belegt: Rund 760 Millionen Menschen sind Analphabeten. Sie sind vor allem in den Ländern des südlichen Afrika und in Süd- und Westasien zu finden. In den vier bevölkerungsreichsten Ländern - Bangladesh, China, Indien und Pakistan - leben fast die Hälfte aller Analphabeten weltweit.

Analphabetismus weltweit (Grafik: DW)

Gab es überhaupt Fortschritte in den vergangenen zehn Jahren? Durchaus sagt Katja Römer von der Deutschen UNESCO Kommission e.V. in Bonn. Immerhin sei die Zahl der Analphabetenzahl seit dem Jahr 2000 um rund 103 Millionen gesunken. Die Alphabetisierungsrate beispielsweise unter Erwachsenen konnte weltweit um zehn Prozent auf rund 85 Prozent erhöht werden.

Erfolge registriert die UNESCO vor allem in Ostasien und der Pazifikregion. China zum Beispiel hat es geschafft, in zwei Jahrzehnten 100 Millionen Menschen zu alphabetisieren. Südwestasien dagegen ist weiterhin eine der Hauptregionen des Analphabetismus. Hier werden Fortschritte durch das hohe Bevölkerungswachstum wieder zunichte gemacht. Andere Regionen wie Afrika südlich der Sahara oder auch die arabischen Staaten verzeichnen sogar einen Rückgang in der Alphabetisierungsrate.

Fehlende politische Entschlossenheit

Das UN-Ziel, die Analphabetenrate bei Erwachsenen um die Hälfte zu reduzieren, liegt jedenfalls noch in weiter Ferne. Hauptgrund dafür ist sicher mangelnde politische Entschlossenheit, so Römer. "Viele Regierungen haben nicht im Blick, dass Alphabetisierungsbemühungen auch einen Beitrag leisten können zu höherer Produktivität und zu gemeinsamem Wohlstand in den einzelnen Ländern."

Bildung eröffnet Mädchen und Frauen neue Perspektiven (Foto: Petra Reategui)

Bildung eröffnet Mädchen und Frauen neue Perspektiven

Wer nicht lesen und schreiben kann, der gehört meist zum ärmsten Teil der Bevölkerung. Die Energien der Menschen sind überwiegend im täglichen Überlebenskampf gebunden. Allein Konzepte und Investitionen in die Bildung könnten den Teufelskreis der Armut nachhaltig unterbrechen, sagt Caroline Pearce von der Hilfsorganisation Oxfam. "Auf lange Sicht sind Investitionen in die Bildung für das Wirtschaftswachstum und die Stabilität eines Landes drei Mal so wichtig wie Investitionen in die Infrastruktur."

Zwei Drittel der Analphabeten weltweit sind Frauen. "Frauen werden in vielen Gesellschaften marginalisiert. Das schlägt sich natürlich auch in den Alphabetisierungsraten nieder", resümiert Katja Römer. Vor allem in den arabischen Staaten, aber auch in Subsahara-Afrika und in Südwestafrika ist der Anteil der Frauen besonders hoch.

Nicht nur ein Entwicklungsproblem

Analphabetismus ist jedoch nicht nur ein Problem für die Entwicklungsländer. Auch wohlhabende Länder haben hier Schwachstellen. In Großbritannien zum Beispiel fehlen 15 Prozent der Bevölkerung die Lese- und Schreibkompetenzen, die normalerweise von einem 11-Jährigen erwartet werden. Ähnliches lässt sich nach UNESCO-Angaben auch in den USA sehen. 14 Prozent der Erwachsenenbevölkerung seien dort nicht in der Lage, Zeitungsartikel oder einfache Betriebsanleitungen zu verstehen. In Deutschland geht man sogar von einer steigenden Tendenz aus, wobei genaue Zahlen bislang fehlen.

Zu den Ländern, die Analphabetismus erfolgreich bekämpfen, gehört Indien. Noch Mitte der 1980er-Jahre waren mehr als die Hälfte der Einwohner Indiens Analphabeten. Inzwischen verfügen mehr als zwei Drittel über gute Lese- und Schreibkompetenzen. "Das ist nach Angaben der UNESCO-Sprecherin allein auf die intensiven Bemühungen der Regierung zurückzuführen. Die "National Literacy Mission" habe sich in vielen Bundesstaaten genau angeschaut, wer vor allem von Analphabetismus betroffen ist und welche Zielgruppen angesprochen werden müssen. Die daraus entwickelten Maßnahmen hätten die Steigerung herbeigeführt. Katja Römer fühlt sich damit auch in ihrer Einschätzung bestätigt: "Politischer Wille ist wirklich das A und O bei Alphabetisierungsbemühungen."

Autorin: Ulrike Mast-Kirschning
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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