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Afrika

Westafrika ist Schlusslicht bei Bildung

Zwischen dem Senegal und dem Tschad leben mehr als 65 Millionen erwachsene Analphabeten. "Bildung" taucht in den nationalen Budgets zwar auf – doch die Regierungen tun zu wenig.

Zwei Kinder in einer Schule unter freiem Himmel in Djidja (Benin) (Foto: dpa)

Keine Selbstverständlichkeit: Kinder drücken die Schulbank

Geht es nach den Vereinten Nationen, ist Bildung ein Menschenrecht. Überall auf der Welt. Aber offenbar nicht in Westafrika. Zwar beherrscht in den Bildungs-Vorzeigeländern Ghana, Nigeria oder auf den Kapverden immerhin jeder Dritte das ABC, aber zwischen Senegal und dem Tschad gibt es so viele Analphabeten wie nirgendwo sonst auf der Welt. Der aktuelle Oxfam-Bildungsbericht für Westafrika kommt zu dem Schluss, dass dort insgesamt 65 Millionen Menschen weder lesen noch schreiben können – 40 Millionen davon sind Frauen.

In Monrovia werden Leher auf ihre Rückkehr in den Unterricht vorbereitet. (Foto: picture alliance/dpa)

In Westafrika werden zu wenig Lehrer ausgebildet

Caroline Pearce – Autorin des Oxfam-Berichts – beklagt, dass allein an den Grundschulen 750.000 ausgebildete Lehrer fehlen. Die Lehrer würden schlecht bezahlt und wie Freiwillige behandelt. Zwar nähmen seit zwei, drei Jahren immer mehr westafrikanische Regierungen das Thema Bildung in Angriff. Aber zwischen den vollmundigen Erklärungen der Regierungen, und dem, was wirklich investiert wird, klaffe noch immer eine große Lücke.

Eine schwere Hypothek auf die Zukunft Westafrikas

Natürlich spielt die Armut bei der westafrikanischen Bildungsmisere eine große Rolle. Die Schulgebühren können viele Familien nicht aufbringen. 14 Millionen Kinder haben keinerlei Bildung – zehn Millionen davon sind Mädchen. Sie werden oft nicht in die Schule geschickt, sondern aufs Feld. Oder sie werden viel zu früh verheiratet und brechen die Schule ab. Dann finden sie sich ohne Bildung in der Armut wieder – dafür mit Kindern, die selbst keine großen Bildungschancen bekommen werden. Die Menschen lernen nicht, wie man sich gegen Korruption wehrt, was Demokratie bedeutet, wie man Computer benutzt oder wie man sich vor HIV/Aids, Tuberkulose oder Malaria schützt. Das führt wiederum dazu, dass diese Länder wegen ihres niedrigen Entwicklungsstands abhängig bleiben von Finanzhilfe aus dem Ausland. Dieser Teufelskreis müsse endlich durchbrochen werden, sagt Caroline Pearce von Oxfam.

20 Prozent der Ausgaben für Bildung

Auf lange Sicht sind Investitionen in die Bildung für das Wirtschaftswachstum und die Stabilität eines Landes dreimal so wichtig wie Investitionen in die Infrastruktur. Dieser Zusammenhang zeige sich deutlich im Senegal, Niger und Nigeria, sagt Pearce. Dort sei die Kindersterblichkeit nur noch halb so hoch, wenn die Mütter vor der Geburt dieser Kinder zur Schule gegangen sind. Der Bildungsbericht für Westafrika fordert von den Regierungen in Bamako, Ouagadougou, Niamey und anderswo, dass sie endlich – wie versprochen – 20 Prozent ihrer nationalen Budgets in Bildung investieren. Für die einen klingt das angesichts klammer Kassen völlig naiv, für die anderen wie ein schöner Traum, der nie wahr werden kann. Pearce jedoch glaubt, dass 20 Prozent zu schaffen sind. Sie verweist auf den Senegal, der dieses Niveau schon heute erreicht.

Die Internationale Gemeinschaft in der Pflicht

Waisenkinder schreiben in einem SOS Kinderdorf auf eine Tafel (Foto: dpa)

Auch die Internationale Gemeinschaft ist gefragt

Wenn Westafrika es ernst meint mit der Alphabetisierung, müssen die Regierungen mehr in die Bildung investieren. Das gilt auch für die Internationale Gemeinschaft. Denn tatsächlich ist Bildung für alle Kinder bis zum Jahr 2015 eines der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Doch in Westafrika glaubt daran niemand. Genauso wenig wie daran, dass Lesen und Schreiben tatsächlich Menschenrechte sein sollen.

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Katrin Ogunsade

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