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Politik

Mit Konzerten auf Stimmenfang

Musik für die so genannten Swing-States: Damit wollen US-Pop- und Rockgrößen wie Bruce Springsteen, R.E.M. und Jackson Browne Stimmung machen. Gegen Bush und für einen Wandel: Konzerte für Kerry.

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Künstler für Kerry

"Vote for change" – Wähle für die Wende. Unter diesem Motto touren ab Montag (27.9.2004) 17 Musiker und Bands zehn Tage durch die USA. Auftrittsorte: Bundesstaaten wie Florida, Ohio und Pennsylvania, in denen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Präsidentschaftskandidaten George W. Bush und John Kerry absehbar sind. Die US-Künstler wollen in diesen so genannten Battleground- oder Swing-States um Stimmen für John Kerry werben. Rund 40 Konzerte in 30 Städten stehen auf dem Plan.

"Wir teilen die Auffassung, dass dies die wichtigsten Wahlen in unserem Leben sind", erklären die Musiker auf der Webseite von MoveOn. MoveOn - ein "politisches Aktionskomitee", das in erster Linie Online-Wahlspenden für Kandidaten der Demokraten koordiniert - hat die Konzerttour organisiert. Die Gewinne aus den Konzerten kommen dem ACT, "America Coming Together", zugute – einem Projekt zur Mobilisierung von Wählern. Die Tour dürfte lukrativ werden: Karten für das Auftaktkonzert in Seattle kosten bis zu 50 US-Dollar.

Wegweisende Wahlen

Während die US-amerikanische Kulturszene in den vergangenen Jahren eher unpolitisch war, melden sich Musiker, Maler, Autoren und Theaterschaffende jetzt wieder zu Wort. "Die Konflikte haben sich so zugespitzt, dass sich die Kultur wieder positioniert", sagt Winfried Fluck vom John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien in Berlin. In den USA würden die anstehenden Wahlen als wegweisend für die kommenden zehn Jahre betrachtet, sagt der Kulturwissenschaftler. "Das ist wohl auch der Grund für das Engagement vieler Künstler."

Bruce Springsteen

Hofft auf einen politischen Wandel: Bruce Springsteen

Bruce Springsteen, der sich normalerweise mit parteipolitischen Äußerungen zurückhält, hat vor kurzem in der "New York Times" eine lange Stellungnahme zur Lage in seinem Heimatland abdrucken lassen. Der Sänger des patriotischen "Born in the USA" fasste sein Ziel einfach zusammen: "Bush muss weg". Woraufhin die konservative Politikerin Marilyn O’Grady, Bewerberin um einen Senatsposten im Bundesstaat New York, in Fernseh-Spots zum Boykott seiner Musik aufrief. "Er denkt, weil er mit einer Gesangs- und Tanznummer Millionen verdient, kann er euch sagen, wie ihr wählen sollt. Wenn ihr seine Politik nicht kauft, dann kauft auch nicht seine Musik", sagt O’Grady in dem Spot. Trotz der lauten Töne: Springsteen will nicht, dass die Konzerte zur Lästertour gegen Bush werden.

Kritische Country-Stars

Dixie Chicks

Die Dixie Chicks: Martie Maguire, Natalie Maines und Emily Robison

Musikalisch eher ins Programm der Republikaner passen die Dixie Chicks - eine der bekanntesten Country-Bands in den USA. Das Trio war schon kurz vor Beginn des Irak-Kriegs unter Druck geraten, als Natalie Maines auf einem Konzert in London verkündete, die drei Musikerinnen würden sich schämen, "dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas kommt." Die Band musste sich bei Bush entschuldigen, kritisierte ihn aber weiter. Bei "Vote for change" sind die drei Frauen dabei, weil sie sich "als Mütter, Frauen, aber hauptsächlich als besorgte Amerikanerinnen gezwungen sehen, alles zu tun, um andere Wähler zum Wählen zu animieren." Wen die allesamt doch schon etwas älteren Musiker zum Wählen animieren werden, muss sich erst noch zeigen. Die stark umworbenen Jung- und Erstwähler werden sie wahrscheinlich nicht erreichen. Trotzdem glaubt Amerikakundler Fluck, dass die Demokraten in jedem Fall von der Tour profitieren werden: "Solche Kampagnen können nur gut für sie sein, weil sie bisher kaum eigene Ideen haben."

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