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Fußball

Mit Geduld gegen den Abwehrriegel

Die deutsche Nationalmannschaft ist im Viertelfinale gegen Griechenland klar in der Favoritenrolle. Die griechischen Fußballer wollen für ihre von der Finanzkrise gebeutelten Landsleute Seelenmassage betreiben.

Die deutschen Spieler sind gewarnt. Den Fehler, Viertelfinalgegner Griechenland zu unterschätzen, dürfen sie nicht machen. Wie fatal das enden kann, hat ihnen die 0:1-Niederlage Russlands im letzten Vorrundenspiel gegen die Griechen vor Augen geführt. "Fußballerisch wird das kein Spaziergang", sagt Mittelfeldspieler Thomas Müller vor dem Viertelfinale am Freitag (22.06.2012) in Danzig, "das wird Geduld erfordern." Alle erwarten, dass Griechenland mit der Taktik antritt, die sich seit dem sensationellen EM-Triumph 2004 unter Trainer Otto Rehhagel eigentlich nicht geändert hat: Aus einer äußerst massiven Abwehr heraus lauern die Griechen auf Konter.

Wieder mit Boateng

"Sie sind zwar defensiv eingestellt, lassen aber immer ein, zwei Spieler vorne, die sie dann mit langen Bällen in Szene setzen", erklärt Nationaltorwart Manuel Neuer das Spielsystem der Griechen. "Man darf sie nicht unterschätzen." Diese Gefahr besteht natürlich, auch wenn sie gerne kleingeredet wird. "Wir müssen hochkonzentriert sein und dürfen nicht schon einen Schritt weiterdenken", räumt Mittelfeldspieler Sami Khedira ein. Im Halbfinale käme es zu einem echten Klassiker, egal ob der Gegner der Deutschen dann Italien oder England hieße.

In der deutschen Abwehr muss Lars Bender, Siegtorschütze zum 2:1 gegen Dänemark, wieder für den in der letzten Vorrundenpartie gesperrten Jerome Boateng Platz machen. Boateng hatte in den ersten beiden Spielen gegen Portugal (1:0) und die Niederlande (2:1) auf der rechten Seite verteidigt.

Griechenlands Karagounis rauft sich nach der Gelben Karte gegen ihn die Haare. Foto: Reuters

Karagounis kann die Gelbe Karte gegen ihn und die damit verbundene Sperre gar nicht fassen

Ohne Karagounis

Die Mannschaft Griechenlands gefällt sich in der Außenseiter-Rolle. "Vieles spricht für Deutschland. Joachim Löw hat eine Mannschaft mit viel Qualität", sagt Nationaltrainer Fernando Santos. Der 57 Jahre alte Portugiese verspricht dennoch einen heißen Tanz um den Einzug ins Halbfinale: "Wir sind nicht die Besten, aber wer gegen uns spielt, muss Blut spucken, um uns zu bezwingen." Santos muss auf den gesperrten Spielmacher Georgios Karagounis verzichten, der schon 2004 zur Europameister-Mannschaft gehörte. Der 35 Jahre alte Routinier erzielte gegen Russland das entscheidende Tor zum 1:0, sah dann aber wegen einer angeblichen "Schwalbe" seine zweite Gelbe Karte im Turnier.

Die griechischen Spieler weigerten sich übrigens, im Vorfeld des Viertelfinals Fragen zur Politik zu beantworten. Sie wollen ihrem von der Finanzkrise gebeutelten Volk einfach nur mit großem Sport Glücksmomente bescheren. "Wir spielen für die elf Millionen Menschen in der Heimat. Sie sollen draußen auf den Straßen feiern", wünscht sich Stürmer Georgios Samaras.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Nationalspieler Philipp Lahm im Mannschaftsquartier in Danzig. Foto: dapd

Bundeskanzlerin Merkel ist bei der Nationalmannschaft ein gern gesehener Gast

Euro-Treffen für Merkel vorverlegt

Die Fußballbegeisterung in der Heimat spornt auch die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw an. "Es ist phänomenal, was in Deutschland vorgeht", sagt Sami Khedira. Und Abwehrchef Mats Hummels verspricht: "Wir werden alles raushauen, was geht. Wir wollen nicht, dass das Turnier nach dem Viertelfinale beendet ist." Die Statistik spricht für die deutsche Mannschaft. In bisher acht Spielen gegen Griechenland gab es fünf Siege, drei Unentschieden, aber noch keine Niederlage. Zudem hat Löws Team die letzten 14 Pflichtspiele allesamt gewonnen. Erstmals bei dieser EM wird beim Viertelfinale in Danzig auch Edelfan Angela Merkel auf der Tribüne sitzen. Die Bundeskanzlerin hofft auf eine "spannende und faire Partie". Italiens Ministerpräsident Mario Monti hat ein Krisentreffen der vier größten Euro-Staaten am Freitag in Rom extra um zwei Stunden vorverlegt, damit Merkel rechtzeitig zum Anpfiff in Danzig eintrifft.

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