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Amerika

Mit dem Koran auf den Campus

Das Zaytuna College im kalifornischen Berkeley ist die erste muslimische Hochschule der USA. Ihre Eröffnung 2010 stieß auf Kritik. Doch jetzt sehen viele in ihr einen richtigen Schritt.

Studenten des Zaytuna-College in Berkeley beim Gebet (Quelle: Zaytuna College)

Studenten des Zaytuna-College in Berkeley beim Gebet

Das arabische Wort für Olive ist zaytun. Die Bibel wie der Koran sehen in der Olive ein Symbol von Licht. Deshalb hat das Zaytuna College sich nach dieser Frucht benannt. Die erste muslimische Universität in den USA will Brücken schlagen und Stereotypen brechen. Sicher, auf dem Campusgelände wird viel gebetet. Und die Studenten fasten, wenn Ramadan ist. Doch nicht alle Frauen tragen eine Kopfbedeckung. Männer mit langen Bärten sucht man vergebens.

Auch Jamye Ford entsprich so gar nicht dem Klischee des gläubigen Muslims, das von manchen US-Medien gerne als Feindbild ausgeschlachtet wird. "Ich bin in einer tiefreligiösen Methodisten-Familie im amerikanischen Süden aufgewachsen", lacht der 32-Jährige. Der Historiker kam während seines Studiums an der New Yorker Columbia University erstmals mit der Poesie des Korans in Berührung. Inzwischen ist er zum Islam konvertiert. Am Zaytuna College will er seinen neu gefundenen Glauben kultivieren. "Ich möchte eine Art Eisbrecher für meine Nation sein", sagt er.

Freie Entfaltung der Persönlichkeit

Fünfzehn Studierende, neun Frauen und sechs Männer, haben seit der Eröffnung des Zaytuna College im September 2010 dort ihr Studium begonnen. Alter, Lebenslauf und Herkunft sind sehr unterschiedlich. Nur 15 Prozent der in den USA lebenden Moslems sind Araber, 30 Prozent sind Afro-Amerikaner, 33 Prozent stammen aus Südasien.

Der Gründer des Zyatuna-Colleges, Sheich Hamza Yusuf Quelle: Zaytuna College)

Der Gründer des Zyatuna-Colleges, Sheich Hamza Yusuf, spricht vor Gästen

Die Zaytuna-Studenten können zwischen drei Hauptfächern wählen: Islamisches Recht, Theologie sowie Arabisch. Faatimah Knight hat dafür ihr bereits zugesicherte Studienplätze an sieben anderen US-Universitäten abgelehnt. "Ich mag es, dass meine Persönlichkeit sich hier frei entfalten kann, was anderswo schwieriger gewesen wäre", erklärt sie.

Brückenschlag zwischen Religion und Nation

Religiöse Hochschulen sind in den USA nichts Neues. Für Katholiken gibt es die Notre Dame University in Indiana; Studenten jüdischen Glaubens finden Gleichgesinnte an der Yeshiva University in New York City; die evangelikalen Christen haben das Wheaton College in Massachusetts. US-amerikanische Moslems gingen bislang jedoch leer aus.

Hamza Yusuf, dem Gründer des Zaytuna College, schwebt eine Ausbildung vor, die an der Schnittstelle zwischen dem Selbstverständnis als Muslim und US-Amerikaner eine wissenschaftlich fundierte Herangehensweise an den Islam ermöglicht. "Alle unsere Lehrer sind in der US-amerikanischen Kultur zu Hause", betont er.

Derzeit ist es noch Praxis, für die muslimische Ausbildung in Amerika Imame aus Ländern wie Pakistan, dem Jemen oder Ägypten anzuwerben. Yusuf findet das gefährlich. Er hat selber zehn Jahre lang im Ausland studiert und festgestellt, dass man ihm dort mitunter Ideen einzutrichtern versuchte, die nichts mit seinem Glauben zu tun hatten. Hass auf die US-Außenpolitik zum Beispiel. "Die Vorstellung, dass ich mein Land nicht mögen soll, war sehr problematisch für mich", erinnert er sich.

Betende Dozenten am Zaytuna College (Foto: AP)

Das Gebet gehört zum Hochschulalltag am Zaytuna College

In muslimischen wie amerikanischen Kreisen ist Yusuf wegen seines Einsatzes für den interreligiösen Austausch sehr populär. Die Zeitung "Egypt Today" nennt ihn den Elvis Presley der westlichen Muslime, Ex-Präsident George W. Bush hat ihn zu einer Privataudienz ins Weiße Haus eingeladen.

"Wegbereiter für den amerikanischen Islam"

Ruhe legt sich über das Klassenzimmer, als Imam Zaid Shakir hereinkommt, der am Zaytuna College Theologie unterrichtet. Der hochgewachsene Afroamerikaner erklärt den Studenten, dass sie Wegbereiter für den amerikanischen Islam der Zukunft seien: "Die ganze Welt schaut auf euch, viele Leute werden euch testen, ihr müsst funktionieren", sagt er.

Leichter gesagt als getan. Faatimah Knight stammt aus New York, wo seit Monaten ein Streit über den Bau einer islamischen Begegnungsstätte nahe Ground Zero tobt. Die Studentin zupft an ihrem sanddornfarbenen Kopftuch und blickt auf den Boden. "Du spürst den Hass der Leute, manchmal ganz deutlich", seufzt sie. Zum Abschluss der Unterrichtsstunde liest Imam Shakir ein Gedicht vor, das die Herausforderungen reflektiert, mit denen seine Zöglinge zu kämpfen haben: "Du darfst nicht müde werden zu warten; wenn du verleumdet wirst, dann verstricke dich nicht selber in Lügen; wenn Du gehasst wirst, dann lasse keinen Hass in deinem eigenen Herzen zu“.

Autorin: Beatrice Uerlings
Redaktion: Mirjam Gehrke

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