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Politik

Mit Datenbanken gegen Terror

Internationaler Terrorismus ist das bestimmende Thema der 75. Interpol-Generalversammlung in Rio de Janeiro. Es ist weniger ein Treffen von Agenten à la James Bond als eines von Computer-Experten.

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Grenzüberschreitender Datenaustausch per Computer wird für die Polizei immer wichtiger

Es gibt ein Stichwort, das jeden Krimileser aufhorchen lässt, denn dann werden Polizeiermittlungen zu etwas ganz wichtigem, weltumspannenden: "Interpol ist eingeschaltet." Kaum ein Markenname hat so einen Mythos entwickelt - ganz unabhängig von dem, was in Wirklichkeit dahinter steckt: Egal, ob deutsche Beamte die Kofferbomber suchen, Iraker den illegalen Handel mit archäologischen Funden unterbinden wollen oder Helfer in Südostasien tausende von Tsunami-Opfern identifizieren müssen: Sie alle schalten Interpol, die "International Criminal Police Organization" ein.

Keine flotte Einsatztruppe

Brasilien: Rio de Janeiro

Rio de Janeiro als Treffpunkt für internationale Verbrechensbekämpfung

Was sich nach rasender Polizeitruppe anhört, ist in Wirklichkeit der älteste Informationsverbund gegen Straftaten. Und wenn sich am Dienstag (19.09.) in Rio de Janeiro über 500 Polizeibeamte aus fast 200 Ländern zur 75. Generalversammlung von Interpol treffen, dann geht es dabei vor allem um internationalen Daten- und Informationsaustausch.

Grenzübergreifende Kriminalitätsbekämpfung ist die Hauptaufgabe der internationalen Polizeiorganisation Interpol. Seit 1989 hat die "Internationale Kriminalpolizeiliche Kommission", so der offizielle Name, ihren Sitz im französischen Lyon und wenn nationale Strafverfolgung an ihre Grenzen stößt, etwa durch die Flucht eines Täters ins Ausland, kommt Interpol zum Einsatz.

"Die internationale Verbrechensbekämpfung wurde in den letzten Jahren erheblich verbessert", weiß Max-Peter Ratzel, Direktor von Europol, die die Verbrechensbekämpfung auf europäischer Ebene koordiniert. "In qualitativer und quantitativer Hinsicht, als auch im Bezug auf die Schnelligkeit von Datenübermittlung."

Zentrales Thema: Terrorismus

Max-Peter Ratzel Europol

Europol-Direktor Max-Peter Ratzel

Zentrales Thema der Generalversammlung in Rio ist die internationale Terrorbekämpfung. "Die Bekämpfung von islamistisch geprägtem Terrorismus hat seit dem 11. September 2001 Top-Priorität", sagt Ratzel. "Die Bedrohungslage wird von uns und unseren internationalen Kollegen als besonders ernst angesehen."

Daher soll bei der Konferenz in Rio auch die bessere Kooperation mit den Vereinten Nationen beschlossen werden: Diese hatten bereits im vergangenen Jahr eine neue Fahndungsliste eingerichtet, die "UN Special Notice", durch die Interpol-Staaten unverzüglich erfahren, ob eine zu überprüfende Person vom UN-Sicherheitsrat als terrorverdächtig eingestuft wurde.


Interpol wächst

Weitere Themen, die in Rio behandelt werden, sind die Bekämpfung von Kinder- und Menschenhandel, Cyber-Crime, Drogenhandel und Wirtschaftskriminalität. Auf ihrer Generalversammlung will Interpol außerdem beschließen, in Wien ihre erste Anti-Korruptions-Akademie einzurichten. Dort sollen internationale Spezialisten im Vorgehen gegen das Bestechungsunwesen ausgebildet werden. Die Akademie soll schon 2007 ihre Arbeit aufnehmen. Darüberhinaus wird die Generalversammlung über die Aufnahme von Montenegro und San Marino entscheiden. Mit beiden würde Interpols Mitgliederzahl dann auf 186 anwachsen.

"Für uns ist Interpol der bevorzugte Kooperationspartner", sagt Max-Peter Ratzel von Europol, der mit seiner Behörde auf Informationen und Daten zurückgreift, die nicht den europäischen Raum betreffen. Kontrolliert werde das jedoch durch ein spezielles Regelwerk, das den Datenschutz garantiere.

Abhängig von den Mitgliedern

Korruption, Bestechung

Mit Kooperation gegen Korruption

Im Gegensatz zu vielen Krimi-Darstellungen haben Behörden wie Europol und Interpol keine eigenen "Agenten", die Verbrecher in fremde Länder verfolgen und selbstständig ermitteln oder festnehmen. Sie koordinieren nur die Zusammenarbeit nationaler Ermittler, "denn es gilt der Grundsatz der nationalen Souveränität", so Ratzel. Somit sind beide auch auf die Kooperationswilligkeit der einzelnen Mitgliedsstaaten angewiesen. "Leider ist noch nicht allen bewusst, dass effektive Verbrechensbekämpfung einen frühen Informationsaustausch erfordert", bedauert Ratzel.

Für die Interpol-Generalversammlung herrscht in Rio derzeit höchste Sicherheitsstufe: Die Polizei befürchtet Terroranschläge und hat daher Sicherheitsvorkehrungen getroffen, wie es sie zuletzt bei der UN-Umweltkonferenz "ECO-92" gab. Doch es ist auch eine Möglichkeit, das Image des Landes aufzupolieren, findet Alberto Lasserre Kratzl Jr., der Chef von Interpol Brasilien: "Wir wollen endlich mit dem Vorurteil aufräumen, Brasilien sei ein Paradies für flüchtige Verbrecher."


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