1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Mit allen Mitteln gegen Malaria

Obwohl Medikamente heute sehr gut wirken, sterben noch immer viele Menschen an Malaria. Gegen die Seuche hilft nur eine umfassende Strategie: Medizin für Arme, Pestizide, Moskitonetze und Aufklärung.

Die Menschheit ist weit davon entfernt, die Malaria zu besiegen. In allen tropischen Regionen der Erde bedrohen die winzigen Parasiten die Gesundheit der Menschen. Malaria beginnt mit schwerem Fieber und Schüttelfrost und endet oft tödlich. Auch kann sie Organe wie Niere und Hirn schädigen. Etwa eine Million Menschen sterben jedes Jahr daran. Die Hälfte der Todesopfer sind Kinder. Besonders schlimm ist die Lage im afrikanischen Äquatorgebiet.

"Als Arzt sieht man in diesen Ländern immer noch viele Patienten mit Malaria und auch immer noch sehr viele besonders schwere Verläufe", sagt der Mediziner Kai Braker, der weltweit Projekte der Hilfsorganisation 'Ärzte ohne Grenzen' leitet. "Die Kinder sind oft schwer anämisch, also blutarm, so dass sie kaum noch Luft bekommen. Das ist schon erschreckend", so Braker. 

Armut als Hauptproblem

Eigentlich müsste es so schwere Krankheitsverläufe gar nicht geben. Denn mittlerweile gibt es sowohl gute Schnelltests, um den Erreger nachzuweisen, als auch wirksame Medikamente - sogenannte Artemisinin-Kombinationspräparate. Allerdings haben viele Patienten keinen Zugang zu einer medizinischen Behandlung. "Gerade dort, wo 'Ärzte ohne Grenzen' arbeitet, stehen diese Mittel oft nicht zur Verfügung", bedauert Braker.

Malariamücke (Foto: Fotolia/Kletr)

Die Anopheles-Mücke überträgt den Malaria-Erreger Plasmodium

Die Wahrscheinlichkeit Malaria zu bekommen, sagt der Mediziner, sei um ein Vielfaches höher, wenn man in Armut lebt. Aufgrund der mangelnden Bildung und Aufklärung wüssten viele Betroffene nur wenig über die Warnzeichen und Behandlungsmöglichkeiten. Andererseits beeinträchtige die Krankheit die Produktivität der Bevölkerung in Malariagebieten erheblich und lasse die Armut zusätzlich wachsen. "Ein Teufelskreis", beklagt Braker.

Es geht aber auch anders. Malaria lässt sich durch eine Reihe gut abgestimmter Maßnahmen durchaus in den Griff bekommen. Dazu gehöre auch der Kampf gegen die Anopheles-Mücke, den Überträger der Parasiten, sagt Jürgen May, Mediziner am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Ganz wichtig seien dabei auch jahrhundertealte erprobte Mittel, wie Moskitonetze.

Pestizide - neu entdeckt

"Wer nicht gestochen wird, bekommt auch keine Malaria", bringt es der Tropenmediziner auf den Punkt. Bettnetze funktionieren besonders gut, weil die Anopholes-Mücken vor allem nachts stechen. "Sie fangen bei Dämmerung an und erreichen den Höhepunkt der Stichfrequenz um Mitternacht", erläutert der Arzt. Wenn die Sonne wieder aufgeht, wird kaum noch jemand gestochen.

Natürlich dürfen die Moskitonetze keine Löcher haben. Vor allem aber sollten sie mit Insektiziden, sogenannten Permethrinen, imprägniert werden. Die Chemikalien töten die Moskitos ab, sobald sie sich auf die Netze setzen. Ein anderes Mittel hat sich für den Einsatz an Wänden besonders gut bewährt: das seit den 60er Jahren als umweltschädlich verpönte DDT.

Früher wurde dieses Pestizid großflächig in der Landwirtschaft versprüht. Über die Nahrung hat sich das Gift in Tieren und Menschen angereichert. Heutzutage ist die DDT-Behandlung von Feldern verboten. Aber seit drei Jahren empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO das Versprühen von DDT innerhalb von Häusern auf Wände.

Einsatz von DDT auf Wohnhäusern in Südafrika (Foto: dpa)

Einst verpönt, nun wiederentdeckt: Das Insektizid DDT ist ein wirksames Mittel gegen Malaria

Wird es richtig angewandt, ist DDT für den Menschen nicht gefährlich, versichert Jürgen May. Seine Wirkung sei hingegen durchschlagend. So sank die Anzahl der Malaria-Patienten in einem Krankenhaus in Ghana von über 6000 pro Monat auf unter 40, seit die Behörden regelmäßig Wohnhäuser mit DDT besprühen. "Zu meiner Überraschung war die Kinderstation praktisch leer." Vor fünf Jahren sei das noch anders gewesen. "Damals lagen die Kinder auf Matratzen auf dem Boden, weil das Krankenhaus so voll war", erinnert sich der Arzt.

Zum Teil immun gegen Malaria

Erwachsene haben in den Malariagebieten meist eine sogenannte Teilimmunität gegen die Plasmodium-Parasiten gebildet. Das heißt: Einige wenige Stiche können sie verkraften. "Führt man in diesen Gebieten eine Blutuntersuchung durch, haben die meisten Schulkinder die Erreger im Blut, ohne dass sie krank sind", sagt der Tropenmediziner. Das wirke wie eine "permanente Impfung".

Falls ein Erwachsener aber für längere Zeit nicht mehr mit Malariaerregern in Kontakt kommt, gehe diese Immunität auch wieder verloren. "Nach ein bis zwei Jahren ist man praktisch wieder so empfänglich wie als Kleinkind." Deswegen erkranken immer wieder Afrikaner, die nach einem längeren Aufenthalt in Europa in ihre Heimat reisen.

Dank dieser Erkenntnis hoffen Mediziner zunehmend auf die Entwicklung von Impfstoffen. Etwa 25 verschiedene ernstzunehmende Mittel gibt es bereits, allerdings sind die meisten noch im Forschungsstadium. Nur ein Impfstoff, genannt RTS,S, sei soweit entwickelt, dass er in einem breiten Feldversuch an Menschen getestet wird. Etwa 16.000 Menschen in Afrika nehmen daran teil.

Erste Ergebnisse des Experiments zeigen, dass der Impfstoff die Krankheit um etwa 30 bis 60 Prozent reduzieren kann. Das sei allerdings immer noch wenig im Vergleich zu klassischen Impfungen gegen Gelbfieber oder Tetanus, schränkt May ein. Da liegt die Wirksamkeit bei fast 100 Prozent.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema