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Wissen & Umwelt

Malaria-Medikament aus dem Meer

Medikamentenforscher nutzen die Vielfalt an Lebewesen im Meer zur Entwicklung neuer Medikamente. Nun hat eine US-Forscherin in einem Seegras ein Molekül entdeckt, das sie für ein Mittel gegen Malaria nutzen will.

Unterwasserwelt (Foto: Picture-alliance/J.W.Alker)

Julia Kubanek muss tief hinab ins Meer, um neuartige chemische Moleküle zu finden, mit denen Medikamente entwickelt werden können. "Je mehr Spezies wir untersuchen, desto größer ist die Chance, dass wir auf neue chemische Substanzen stoßen", erklärt die US-amerikanische Biochemikerin.

Fündig geworden ist sie nun im Ozean nordöstlich von Australien, vor den Fidschi-Inseln. Dort hat sie eine seltene Seegras-Art entdeckt, die ein besonderes Molekül produziert: Einen Stoff, der sehr wirksam gegen den Malaria-Erreger ist.

Julia Kubanek (Foto: Julia Kubanek)

Der Taucheranzug ist Julia Kubaneks Arbeitskleidung

Zusammenarbeit mit der Bevölkerung vor Ort

Möglich wurde dies auch, weil Kubanek auf die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung der Fidschi-Inseln gesetzt hat: Sie hat Wissenschaftler und Studenten der dortigen "University of the South Pacific" in ihr Projekt integriert und viel Unterstützung bei ihrer Arbeit bekommen. Außerdem hat sie mit der Bevölkerung und der Regierung Verträge geschlossen. "Darin versprechen wir, dass uns die Ergebnisse der Forschungsarbeiten gemeinsam gehören. Sollten wir mit den Stoffen eines Tages Profit machen, werden die Menschen vor Ort auf unterschiedlichen Ebenen davon profitieren."

Gemeinsam mit Fischern und Wissenschaftlern auf Fidschi hat Kubanek Meeresorganismen gesammelt und untersucht. Darunter eine Seegrasart, die als knallrotes, ballgroßes Büschel in Korallenriffen wächst. Wenn Teile dieser Pflanze von Fischen berührt oder abgebrochen werden, verteidigt sich die Pflanze, indem sie einen Abwehrstoff ausschüttet. Der schützt sie vor Mikroorganismen, die im Meer herumschwimmen.

Seegras Callophycus (Foto: Julia Kubanek)

Stoffe aus dem Seegras Callophycus serratus könnten für ein Malaria-Mittel genutzt werden

Nach dem Tauchgang: Tests im Labor

Den speziellen Abwehrstoff dieses Seegrases mit dem lateinischen Namen "Callophycus serratus" hat Kubanek isoliert und mit einer Vielzahl von Tests in ihrem Labor geprüft. Dabei stellte sich heraus, dass das Molekül sehr wirksam gegen Malaria ist. Es wirkt ähnlich wie das Malaria-Mittel "Chloroquin". Das neue Molekül hat allerdings einen entscheidenden Vorteil: Seine Struktur ist völlig anders als die von Chloroquin. Die Resistenzen, die der Malaria-Erreger in der Vergangenheit gegen diese Medizin entwickelt hatte, können dem neuen Molekül nichts anhaben.

Vom Molekül zur Arznei

Das neu entdeckte Molekül aus dem Meer hat allerdings eine sehr komplexe Struktur und wäre in dieser Form sehr teuer in der Herstellung. Kubanek muss darum mit "Callophycus serratus" als Vorbild ein anderes Molekül entwickeln. "Wir suchen ein Molekül, das einfacher und vielleicht sogar noch wirksamer ist. Gleichzeitig müssen wir mögliche Nebenwirkungen minimieren", erläutert die Wissenschaftlerin. Kubanek und ihrem Team steht jetzt also ein aufwändiges Forschungsprogramm bevor, mit dem Ziel eine neue Arznei zu entwickeln und sie auf dem Markt zu etablieren.

Dass solch ein Projekt erfolgreich verlaufen kann, zeigen andere, neue Arzneien, die aus Meeresorganismen stammen: Ein Krebsmittel und ein Schmerzmittel haben alle Tests bestanden und werden von Ärzten bereits eingesetzt. Weitere Arzneien aus dem Ozean befinden sich derzeit in der klinischen Prüfung.

Autor: Jan Lublinski
Redaktion: Gudrun Heise