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Politik

Missbrauch beim Friedenseinsatz im Kongo

Sie sollten dem Kongo den Frieden bringen. Doch einige Blauhelm-Soldaten haben dort Frauen und Mädchen missbraucht. Ob die komplizierte Struktur der UN-Truppen solche Auswüchse fördert, ist umstritten.

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Multinationale Truppe: UN-Soldaten im Kongo

Etwa 150 Fälle sind es, in denen UN-Soldaten und Mitarbeitern sexueller Missbrauch vorgeworfen wird - Vergewaltigung, Zwangsprostitution und Kindesmissbrauch. Das erklärte eine UNO-Sprecherin in New York. In einigen Fällen gebe es sogar Video- und Foto-Beweise.

Nur ein Bruchteil unter direkter Kontrolle

Die UNO will diese Vorwürfe nun unbedingt aufklären; schließlich sind sie schon seit dem Frühjahr 2004 bekannt. Doch durchgreifen kann sie nur bedingt - nämlich ausschließlich bei ihren 60 Mitarbeitern in der Demokratischen Republik Kongo, nicht bei den 10.800 Blauhelmen, die dort stationiert sind. "Die Bestrafung erfolgt dann bei den jeweiligen Militärgerichten der Länder, aus denen die Soldaten kommen", erklärt Ulrich Keller, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN). "Darauf hat die UNO keinen Einfluss."

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Der Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo hat Millionen Menschen das Leben gekostet

Und die Soldaten kommen aus vielen verschiedenen Ländern, sagt Mamadou Bah, Sprecher der UN-Mission im Kongo (MONUC). "In der Hauptstadt Kinshasa sind hauptsächlich Tunesier stationiert", erklärt Bah gegenüber DW-WORLD. "Im Landesinneren gibt es südafrikanische Truppen, Senegalesen, Marokkaner, Uruguayer, Pakistanis, Inder und Nepalesen."

Nationen-Vielfalt als Hindernis?

Genau diese Vielfalt mache die Mission schwierig, sagt Keller. Zwar liege das zentrale Oberkommando bei einem General. Doch jedes Land habe seinen Blauhelmen einen eigenen Gruppenführer mitgegeben. "Da müssen die Befehle erst mal bis nach ganz unten durchtransportiert werden. Das ist ein riesiges logistisches Problem, ein Koordinationsproblem."

Die komplizierte Kommandokette mache strenge Kontrollen schwieriger. Und Soldaten wären eher versucht, grob aus der Rolle zu fallen. Mamadou Bah ist anderer Meinung. "Es ist keine Sache der Organisation. Es gibt eine große Mehrheit, die sich korrekt verhält."

Falsche Informationen, knappes Personal

Der Sprecher in Kinshasa sieht die MONUC-Soldaten in einem doppelt schwierigen Gebiet. "Der Bezirk Kinshasa ist so groß wie der Kosovo. Aber da haben sie 40.000 Soldaten." Im gesamten Kongo seien es 10.800. "Wir akzeptieren das aber natürlich", sagt Bah. Eine Verstärkung von 5900 Mann sei auch schon beschlossen.

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Das zweite Hindernis: Nicht alle seien den Blauhelmen dankbar, und es gebe sogar gezielte Desinformationskampagnen, sagt Bah. Er betont aber auch: "Sexuellen Missbrauch hat es gegeben, dafür gibt es Beweise." Die Taten seien "nicht zu rechtfertigen".

Kämpfen und Kultur-Kunde

Keller und Bah sind sich einig: Das Problem des Missbrauchs muss angegangen werden. "Das ist nur möglich durch eine bessere Ausbildung der Soldaten", sagt der DGVN-Sprecher. "Man braucht keinen Rambo-Soldaten, der die Knarre schwingt, sondern einen, der sich einfühlen kann, der Sprachkenntnisse hat und weiß, wie das Auftreten seiner Truppen wirkt."

Disziplin und Charakterstärke hält Keller für unverzichtbar - die MONUC auch. "Wir legen den Akzent auf Prävention", erklärt Bah. "Es gibt einen Ansprechpartner bei der MONUC, den man anrufen kann und dem man Missbrauch melden kann."

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Schon bei der Begrüßung im Kongo würden die Soldaten und Mitarbeiter aufgefordert, sich ihrer Rolle bewusst zu werden - und auf den Kodex der Blauhelme eingeschworen.

Zur Vorbeugungskampagne gehöre auch "Null Toleranz" gegenüber sexuellen Vergehen. "Wenn jemand sagt, ich habe mich im Alter geirrt, ich dachte, die Frau wäre schon 18 - das geht überhaupt nicht", stellt Bah klar. "Da werden keine Entschuldigungen akzeptiert."

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