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Wirtschaft

Millionen Arbeitsplätze hängen am Export

Der Außenhandel sichert in Deutschland fast zehn Millionen Arbeitsplätze. Der gesamteuropäische Markt ist nach wie vor der wichtigste. Das hat eine Studie des Forschungsinstituts Prognos ergeben.

Dass die Exporte besonders wichtig sind für die Beschäftigung in Deutschland, das ist keine neue Erkenntnis. Doch bei bisherigen Berechnungen ging man stets davon aus, dass diese Arbeitsplätze in der Industrie zu finden sind – beispielweise im Auto- und Maschinenbau, da sind es 490.000 beziehungsweise 730.000. Dem Prognos Globalisierungsreport zufolge arbeiten in der Exportindustrie insgesamt rund 4,4 Millionen Menschen. Aber fast fünf Millionen arbeiten indirekt für den Außenhandel – zum Beispiel in Ingenieurbüros, in Sicherheitsfirmen oder auch im Reinigungsgewerbe, sagt der Projektleiter der Studie, Michael Böhmer, gegenüber DW-WORLD.DE.

Die Forscher berücksichtigten also nicht nur die Warenproduktion, sondern auch damit zusammenhängende Dienstleistungen: "Dann liegen ganz andere Branchen vorn als die Vorzeigebranchen Maschinenbau und Autoindustrie, für die der Export besonders wichtig ist", so Böhmer. Er nennt neben den unternehmensnahen Dienstleistungsbranchen als Beispiel auch den Großhandel.

EU nach wie vor stärkster Absatzmarkt

Straßenbahn in der Altstadt von Lissabon (Foto: picture alliance)

Auch Portugal spart - und importiert weniger

Deutsche Unternehmen haben 2011 erstmals Waren im Wert von mehr als einer Billion Euro exportiert. Das gelang nicht einmal im Boomjahr 2008. Nach wie vor gehen 60 Prozent der deutschen Ausfuhren in die Europäische Union, sagt André Schwarz, Pressesprecher des Bundesverbandes für Groß- und Außenhandel (BGA) in Berlin: "Wir haben immerhin um elf Prozent zulegen können, auch wenn wir in einigen Ländern tatsächlich einen Rückgang hatten."

Die Ausfuhren nach Griechenland seien um knapp acht Prozent zurückgegangen, die nach Portugal um etwa vier Prozent. Doch das gute wirtschaftliche Wachstum in anderen europäischen Ländern habe diese Ausfälle wieder wettgemacht, sagt Schwarz zu DW-WORLD.DE.

Die Nachfrage aus den stark wachsenden Schwellenländern hingegen nimmt weiter zu. Jeweils 200.000 Jobs in Deutschland, so Michael Böhmer von Prognos, seien allein von den Exporten nach China und Russland abhängig. Doch der möglicherweise weiter abnehmende Handel mit den Euro-Krisenländern könne dadurch nicht ausgeglichen werden – noch nicht: "Wenn man mal zurückschaut ins Jahr 2000, da hingen in Deutschland von Exporten, die nach Russland und China gingen, nur jeweils 50.000 Arbeitsplätze ab. Das heißt, das hat sich in zehn Jahren vervierfacht." Nehme der Warenhandel jedoch weiter zu, dann könnten Ausfälle in Europa mit Lieferungen in die aufstrebenden Länder kompensiert werden.

Nachfrage aus Schwellenländern steigt

Regale mit Waren (Foto: DW)

Immer mehr Waren gehen in Schwellenländer

Die so genannten BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China, spielen für den deutschen Außenhandel eine immer wichtigere Rolle, sagt BGA-Pressesprecher Schwarz. Aber nicht nur dort steige die Nachfrage nach Waren "made in Germany". Es gebe noch eine ganze Reihe von Ländern – beispielsweise Indonesien, Bangladesch oder auch Saudi-Arabien, Kuwait und einige Länder in Westafrika und Südamerika, die ebenfalls ganz starke Wachstumsraten hätten. "Da sind die deutschen Unternehmen gut aufgestellt und werden wohl auch 2012 gute Geschäfte machen", meint André Schwarz.

Euro-Schuldenkrise hin oder her, der gesamteuropäische Markt ist derzeit der attraktivste für den deutschen Außenhandel und der wichtigste für deutsche Arbeitsplätze. 4,4 Millionen Jobs in Deutschland hängen davon ab. Das liegt zum einen an der Größe, zum anderen an den seit Jahrzehnten bestehenden Geschäftsverbindungen und Institutionen.

Sollte sich allerdings die Krise in den Euro-Ländern verschärfen, dann sind nicht nur die Finanzmärkte betroffen, sondern auch die reale Wirtschaft und die Arbeitsplätze. Durch den Handel in der Euro-Zone haben der Prognos-Studie zufolge in Deutschland drei Millionen Menschen einen Job.

Autor: Monika Lohmüller
Redaktion: Rolf Wenkel

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