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Wirtschaft

Deutsche Exporte knacken Billionenmarke

2011 war für die deutsche Industrie ein Jahr der Rekorde. Das macht sich auch in der Außenhandelsbilanz bemerkbar. Waren im Wert von über einer Billion Euro wurden ins Ausland verkauft. Wird 2012 ebenso erfolgreich?

Schiffs-Terminal (Foto: AP)

Es ist eine Rekordmarke mit Symbolwert: Zum ersten Mal in der Geschichte hat Deutschland beim Export die magische Grenze von einer Billion Euro geknackt. 1.075 Milliarden Euro, auf diese Summe haben sich die Ausfuhren noch nicht einmal im Boomjahr 2008 belaufen. Im Gegenzug wurden Waren im Wert von 919 Milliarden Euro importiert. Das ist zwar mehr als in den vergangenen Jahren, trotzdem ergibt sich unter dem Strich ein Außenhandelsüberschuss in Höhe von 156 Milliarden Euro. Im Ausland stößt dieser Überschuss regelmäßig auf Kritik.

BGA-Chef Anton Börner (Foto: dpa)

BGA-Chef Anton Börner

Deutschland verschaffe sich Vorteile auf Kosten seiner europäischen Nachbarn, heißt es. Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA), nennt solche Vorwürfe absurd: "Solche Überschüsse waren und sind kein Ziel deutscher Politik." Es gelte, den europäischen Partnern zu vermitteln, dass es nicht um den deutschen Weg gehe: "Die marktwirtschaftlichen Gesetze gelten für alle Länder und sind nicht von Deutschland gemacht", so der BGA-Chef.

Deutschland bleibt im Außenhandel stark

Deutschland, das wirtschaftlich starke Land in Europa. Auch im kommenden Jahr wird sich daran absehbar nichts ändern, Börner rechnet mit einem gleichbleibenden Überschuss in der Leistungsbilanz. Trotz der Abschwächung der Weltkonjunktur würden die Exporte 2012 um sechs Prozent auf 1.139 Milliarden Euro steigen, die Einfuhren um sieben Prozent auf 983 Milliarden Euro.

Infografik Wachstumschancen für den deutschen Außenhandel (Grafik: DW/Sander)

Südostasien bietet einer Umfrage des BDA zufolge die besten Chanchen

Vorsichtig optimistisch sei die Stimmung bei den mittelständischen Unternehmen, das gelte vor allem für den Investitionsgüterbereich: "Nach unserer Einschätzung sind die Emerging Markets kaum von der Schuldenkrise belastet und investieren weiterhin kräftig in Zukunftstechnologien." Die globalen Megatrends seien intakt, die aufholenden Länder befänden sich im Wettlauf mit einer explodierenden Bevölkerungsentwicklung.

Diese mache, so Börner, massive Investitionen unter anderem in Technologien zur Energie- und Ressourceneffizienz, in Verkehrs-, Bau- und Telekommunikationsinfrastruktur unabdingbar. Und das betreffe nicht nur die BRIC-Staaten, sondern eben auch die "Wachstumsmärkte der zweiten Reihe" wie Indonesien und Bangladesch, Saudi-Arabien und Kuwait, die rohstoffreichen Staaten Westafrikas ebenso wie Peru und Ecuador in Südamerika.

EU-Länder wichtigste Handelspartner

Trotzdem sind und bleiben die EU-Länder die wichtigsten Handelspartner deutscher Unternehmen. Rund 60 Prozent der deutschen Exporte gehen in die europäischen Nachbarländer. Da ist es kein Wunder, dass die europäische Schuldenkrise beim BGA ein großes Thema ist. Sollten die Staatsfinanzen in den europäischen Ländern entgleiten, dann wären sämtliche wirtschaftliche Erwartungen für die kommenden Jahre Makulatur. Es sei daher absolut entscheidend, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. "Dennoch bedeutet die Tatsache, dass wir vom Euro massiv profitieren, nicht, dass wir uns auf jeden politischen Kuhhandel einlassen dürfen, nur um die Gemeinschaftswährung zu retten", warnt Anton Börner.

Deutschland dürfe sich nach Ansicht des BGA-Chefs von dem wachsenden Druck, die Haftung für die Schulden zu vergemeinschaften, auf keinen Fall beeinflussen lassen. Haushaltskonsolidierung sei das Gebot der Stunde: "Was wir benötigen, und hier unterstütze ich die Politik der Bundeskanzlerin ganz klar, sind eindeutige politische Botschaften." Dies betreffe die deutsche Haltung gegenüber Italien ebenso wie gegenüber Frankreich und der Europäischen Kommission. "Insbesondere was Italien angeht, sage ich klar und deutlich: Hart bleiben, Frau Merkel! Italien ist nun am Zug und muss liefern."

Unvermeidlich: harte Reformen in Italien

Illustration halbe italienische Euro-Münze auf italienischer Flagge (Foto: dpa)

BGA: Italien muss wettbewerbsfähiger werden

Die italienische Regierung sei auf dem Holzweg, wenn sie darauf setze, ohne harte Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit davon zu kommen. Durch die italienische Gesellschaft müsse ein Ruck gehen, sie müsse sich öffnen und vom Besitzstanddenken Abstand nehmen. Falls die italienische Gesellschaft dazu nicht bereit sei, solle das Land die Währungsunion lieber verlassen, bevor die Finanzmärkte Italien aus der Euro-Zone sprengen würden.

Ein Weg, den Börner für Griechenland und Portugal ohnehin empfiehlt. Ein Schuldenschnitt allein werde das Problem der Wettbewerbsfähigkeit bei beiden Ländern nicht lösen: "Für den Fall, dass Griechenland freiwillig aus der Euro-Zone austräte und die Währung entsprechend vierzig bis fünfzig Prozent abwerten würde, würde Griechenland über Nacht auf das Preisniveau der Türkei fallen", sagt Börner. Und damit wäre das Land in vielen Sektoren seiner Wirtschaft wettbewerbsfähig und könnte neu starten und Überschüsse erwirtschaften. So könne Griechenland wettbewerbsfähiger werden und der neuen Schuldenfalle entfliehen.

Dreh- und Angelpunkt für die Bewältigung der europäischen Schuldenkrise bleibt nach Ansicht des BGA-Präsidenten die Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich. Beide Länder müssten unter allen Umständen an einem Strang ziehen und parallel gehen. Sollte Frankreich aus der Euro-Zone und aus dem Schulterschluss mit Deutschland ausscheren, müsste Deutschland einen hohen wirtschaftlichen und vor allem politischen Preis zahlen. Deutschland wäre dann in etwa 10 bis 15 Jahren in Europa isoliert. Eine solche Situation werde Deutschland bitter bereuen, weil sie viel mehr Geld koste als die aktuelle Stabilisierung in der Euro-Zone.

Autorin: Sabine Kinkartz
Redaktion: Monika Lohmüller

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