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Politik

Migration ist weiblich

Die Hälfte aller Migranten weltweit sind Frauen. Sie wollen der Armut entfliehen, neue Jobs finden – und verlassen dafür ihre Familien. Doch in der neuen Heimat warten auch neue Probleme.

Marokkanische Frauen, Foto: picturealliance

Immer mehr Frauen kehren ihrem Heimatland den Rücken zu

Eine ältere Frau isst Suppe

Die Zahl der älteren Menschen wächst - und damit auch der Bedarf an Migrantinnen, die Pflege-Jobs übernehmen

Sri Lanka, Philippinen, oder Indonesien – die meisten Migrantinnen kommen aus asiatischen Ländern. Sie arbeiten als Krankenschwestern in Deutschland, als Hausmädchen in Saudi Arabien, sie betreuen Kinder in Kanada und pflegen alte Menschen in Taiwan. Und viele Länder sind schon heute auf solche Frauen angewiesen: "Da die meisten Industriestaaten weiterhin niedrige Geburtenraten und eine alternde Gesellschaft haben, wird die Nachfrage nach Migranten im Betreuungssektor, und vor allem nach Frauen, weiter anwachsen", sagt Nana Oishi, Soziologin an der Christlichen Universität Tokio.

Familien brechen auseinander

Die meisten asiatischen Frauen haben keine Ausbildung, hoffen aber, trotzdem fernab ab der Heimat die wirtschaftliche Situation ihrer Familie verbessern zu können. Dafür nehmen die Frauen in Kauf, die Liebsten alleine zu Hause zurückzulassen. "Häufig brechen diese Familien dann auseinander", sagt Oishi, "die Kinder zeigen schlechtere Leistungen in der Schule, viele verlassen sie sogar." Oft würde auch die Gesundheit der Kinder leiden, wenn die Mütter migrieren.

Asiatische Frau hält Kind im Arm

Auf der suche nach einer besseren Zukunft verlassen viele Migrantinnen ihre Familien - die Kinder leiden darunter.

Sri Lanka hat dieser Entwicklung bereits politisch Rechnung getragen. Vor einem Jahr hat die Regierung die Auswanderung von Frauen mit Kindern unter fünf Jahren verboten. Migrationsforscherin Oishi fordert daher die Empfängerstaaten auf, Migration stärker ganzheitlich zu betrachten: "Wir müssen die Perspektive menschlicher Entwicklung in die politischen Migrationsdebatten bringen. Unser Ziel muss sein, die wirtschaftliche mit der menschlichen Entwicklung in eine Balance zu bringen. Und es wird höchste Zeit. Wir können es uns nicht leisten, zu lange zu warten, während die Leiden der Migrantenfamilien, vor allem der Kinder, in Entwicklungsländern Alarmstufen erreichen", so Oishi.

Migrantinnen wagen Selbstständigkeit

Inzwischen steigt die Zahl der Migrantinnen weltweit weiter an. Und neuerdings wächst auch die Zahl der Akademikerinnen, die im Ausland ihr Glück suchen. In Australien hat Angeline Low, Migrationsforscherin an der Universität Sydney, eine Studie über Unternehmerinnen mit Migrationshintergrund verfasst. Sie befragte hunderte Akademikerinnen und Geschäftsfrauen aus Vietnam, Laos, Taiwan, Hongkong, Malaysia und Singapur. Obwohl die Frauen meist hoch qualifiziert sind, haben sie auf dem regulären Arbeitsmarkt keinen angemessenen Job gefunden. "Im Grunde blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich selbstständig zu machen", sagt Angeline Low und erzählt von einer jungen Frau, die mit ihrem Mann aus Malaysia nach Australien kam: "Diese Frau schaute sich um und arbeitete zunächst in einer sehr niedrig bezahlten Stellung. Dann machte sie eine Druckerei auf. Und der Betrieb wuchs. Natürlich war ihr Mann mit dabei. Aber sie war diejenige, die als erste das Geschäft, die günstige Gelegenheit, gewittert hatte."

Afghanische Geschäftsfrauen neben einer Maschine

Viele Migrantinnen sind Akademikerinnen, die im Ausland ihr eigenes Unternehmen aufbauen - oft mit großem Erfolg.

Inzwischen seien sie zu einem großen Unternehmen herangewachsen und beschäftigten 180 Leute.

Asiatische Frauen, die sich in Australien selbstständig gemacht haben, sind meist außerordentlich willens- und leistungsstark – und sie haben Erfolg, fand Angeline Low heraus: "Die Unternehmerinnen stellen in ihren Betrieben mehr Menschen an als ein durchschnittlicher einheimischer Kleinbetrieb. Das ist die sehr aufregende Neuigkeit, die ich aus meinen Erhebungen gewonnen habe."

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