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Amerika

Mieser Scherz oder Rassismus?

Der Fernsehstar Wendy Gonzáles bearbeitet das Foto einer indigenen Nobelpreisträgerin digital und sorgt für Entrüstung. Für Kritiker ein Lehrstück über die unterschwellige Diskriminierung der indigenen Bevölkerung.

Die Anfang-30-Jährige Wendy González hat in Mexiko vor allem durch ihre Rollen in mehreren Fernsehserien, sogenannten Telenovelas, Bekanntheit erreicht. Auf ihrem

Instagram-Profil

schaut sie die Nutzer verführerisch an. Sie beschreibt sich als tierlieb und Vegetarierin - mehr als 130.000 Menschen folgen ihr alleine dort. Fast 900.000 sind es auf Facebook.

Doch seit sie auf Instagram ein umstrittenes Bild veröffentlichte, hat die harmonische Außendarstellung von Wendy González einige Kratzer bekommen. Das Bild zeigt die guatemaltekische Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú in doppelter Ausführung. Einmal ein Originalbild und daneben eine Bildmanipulation. Die Manipulation ist das Ergebnis einer App, mit der González experimentierte. Die soll es wohl ermöglichen, anhand von Hautaufhellung und Schminke aus jedem Normalo eine Schönheit zu zaubern. Gonzáles schreibt leicht doppeldeutig darunter: "Wenn man die Schönheits-App benutzt und dennoch alle die Wahrheit kennen." In einem Satz neben dem Bild ergänzt sie noch, dass "sie sich nur über die App lustig machen wollte und nicht über Frau Rigoberta", aber das kommt wohl schon zu spät.

"Es fehlt der Respekt"

Vier Tage später reagiert die Indigenenrechtlerin Rigoberta Menchú. Auf der

Facebook-Seite ihrer Stiftung

fordert sie von der Schauspielerin aus Mexiko eine öffentliche Entschuldigung. "Da fehlt einfach der Respekt. Sie hat kein Recht dazu. Warum hat sie nicht ein Foto von sich selbst genommen?", so der Direktor der Rigoberta Menchú Stiftung, Carlos Chocooj, im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Damit fühlt sich Rigoberta Menchú persönlich, aber auch wir alle als Indigene angegriffen."

Instagram Wendy Gonzalez wengonzales (Foto: Copyright: Instagram/wengonzalez)

Wendy González auf ihrem Instagram-Profil

Chocooj geht außerdem davon aus, dass schon das Ursprungsbild manipuliert war. "Das zeigt uns, dass die Intention von vorneherein nicht wohlwollend war." Tatsächlich sind die Kontraste sehr stark erhöht, was wiederum das Gesicht von Menchú schon im Ursprungsbild in kein schönes Licht rückt. In Guatemala haben etliche Medien über die Auseinandersetzung berichtet - auch in der spanischen Presse ist bereits davon zu lesen. Etliche Menschenrechts- und Frauenorganisationen haben sich mit Rigoberta Menchú solidarisiert.

Offene Wunde der indigenen Bevölkerung

Die Fotomanipulation sticht in eine offene Wunde bei vielen Indigenen in Lateinamerika und auf der ganzen Welt. "Indigene Völker sind die Gruppen, die noch immer am krassesten rassistisch diskriminiert werden, ohne dass es tatsächlich als Rassismus anerkannt wird", sagt Linda Poppe von

Survival International

im Gespräch mit der DW. Die Organisation setzt sich für die Rechte indigener Gruppen auf der ganzen Welt ein. Dazu zählen insgesamt zwischen 350 und 450 Millionen Menschen.

Von Indien über Botswana bis nach Guatemala: Häufig sei die Diskriminierung Indigener in der Gesellschaft verankert. So heißt es beispielsweise in manchen Teilen der guatemaltekischen Gesellschaft: "Sei kein Indio", wenn sich eine Person ungeschickt verhält. Linda Poppe kennt auch etliche Beispiele von Äußerungen von Politikern und sogar Journalisten. Indigene werden dort selbstverständlich als "Schweinemenschen, dreckig, ignorant und aus dem Mittelalter" abgekanzelt, sagt sie.

Rote Linien

Bei vielen Menschen sei ganz tief verhaftet, dass Indigene rückständig seien und eben nicht dem Schönheitsideal entsprechen. González hat mit ihrem Post deshalb noch in ein anderes Wespennest gestochen: Dem Anspruch der spanischstämmigen Weißen in Mexiko auf Schönheit. "Das geht so weit, dass sich viele Indigene mittlerweile so kleiden und verhalten, wie die Mehrheitsgesellschaft. Sie haben ihre Abwertung quasi verinnerlicht und denken, dass sie weniger wert sind, wenn sie sich so verhalten, wie es in ihrer Kultur normal ist", sagt Linda Poppe von Survival International.

Bildergalerie Nobelpreis Kontroversen

Gibt Contra - Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú

Was immer González mit ihrer Bildmanipulation erreichen wollte, bei Rigoberta Menchú hat sie offensichtlich die Grenzen überschritten. Die mittlerweile 57-Jährige wurde selbst Zeugin von Menschenrechtsverletzungen im guatemaltekischen Bürgerkrieg. Seit vielen Jahrzehnten setzt sie sich für die Rechte indigener Menschenweltweit ein. 1992 erhielt sie als bis zu jenem Zeitpunkt jüngste Preisträgerin den Friedensnobelpreis. Später kandidierte sie sogar für das Amt des Präsidenten. "Wir kannten Wendy González vorher nicht einmal, aber jetzt fordern wir eine öffentliche Entschuldigung", sagt der Stiftungsdirektor. Die Entstellung von Bildern indigener Frauen habe eine Tradition. Das wolle man sich nicht mehr bieten lassen.

Wendy González betont weiterhin die Aktion sei ein Scherz gewesen. Nach einer kurzen Funkstille meldete sie sich Samstag zurück. Von einer Beleidung könne nicht die Rede sein, schrieb sie einem offenen Brief, der von einigen Medien zitiert wurde. "Man muss einfach ein bisschen Humor haben." Anstatt sich zu entschuldigen, wirft sie Menchu vor, die Regierung statt das Volk zu unterstützen.

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