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Wirtschaft

Microsoft Vista geht in schwieriges Rennen gegen Windows XP

Das Betriebssystem Windows Vista tritt die Nachfolge von Windows XP an. Furchtbar viel Neues gibt es nicht, doch der Konzern müht sich, die Nutzer zum Umstieg zu bewegen. Bis Vista Standard ist, vergehen wohl noch Jahre.

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Vista-Einführung in Japan

Die auffälligste Neuerung bei Windows Vista ist durchsichtig. Die Bedienoberfläche heißt Aero Glass und bietet halbtransparent gerahmte, frei skalierbare, flüssig animierte Fenster, die sogar Schatten werfen. Per "Gadget" blendet man zum Beispiel die Online-Nachrichten, das Hörfunk- oder das Fernsehprogramm der Deutschen Welle direkt auf dem Desktop ein – eine schöne Spielerei, abgeschaut beim Microsoft-Konkurrenten Apple.

"Die wichtigen Unterschiede zum alten Windows XP sind nicht zu sehen", sagt Panagiotis Kolokythas, Vista-Experte des Fachmagazins PC Welt. "Microsoft hat unter der neuen Oberfläche viel verändert, zum Beispiel Sicherheitsmechanismen eingebaut, die es dem Nutzer einfacher machen, sein System zu schützen." So soll eine neue Benutzerkonten-Regelung verhindern, dass Benutzer unwissentlich schädliche Programme installieren.

Grafikpracht durch Vista

Transparente, dreidimensionale Windows-Fenster in Aero Glass

Wie Luft und Glas: Die neue Windows-Oberfläche

Die Dominanz des amerikanischen Software-Riesen Microsoft gründet sich seit Jahren auf Betriebssysteme. Windows und das Softwarepaket Office erzielen mehr als die Hälfte des Umsatzes und fast den gesamten Gewinn. Deshalb ist der Übergang vom fünf Jahre alten Windows XP auf Vista besonders wichtig. Schon die verspätete Veröffentlichung des neuen Flaggschiffs ließ die Umsätze des Konzerns im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent sinken – auf immer noch stolze 2,6 Milliarden US-Dollar.

Microsoft-Kenner Kolokythas bremst die großen Erwartungen: "Es wird kein Ansturm kommen, dass jetzt alle in die Läden stürmen und Vista kaufen." Eine Ursache ist sicherlich der Preis. In Deutschland soll Windows Vista in der billigsten Version Home Basic mehr als 200 Euro, in der Ultimate-Fassung mehr als 500 Euro kosten.

Microsoft müht sich, die Anwender dennoch zum Umstieg zu bewegen. Im Ringen um die Computerspieler hat der Konzern einen Trumpf in der Hand: DirectX 10. Die neueste Version von Microsofts Multimedia-Schnittstelle erscheint ausschließlich für Windows Vista. Wer also zukünftig höchste Grafikpracht erleben will, wird um das neue Betriebssystem nicht herum kommen. Kolokythas, der mit den Entwicklern gesprochen hat, will Microsoft keine Absicht unterstellen. "Die Argumente klingen schlüssig. Anscheinend musste für das neue DirectX wirklich so viel geändert werden, dass die Unterstützung bei Windows XP nicht nachträglich eingebaut werden kann. Denn Vista geht aus Sicherheitsgründen ganz anders mit der Hardware um, als XP." Dennoch entwickelt Microsoft gezielt Produkte, die nur auf dem neuen System funktionieren. "Das ist der Gang der Dinge", sagt Kolokythas. Immerhin wird Microsoft Windows XP bis ins Jahr 2014 mit Sicherheitsupdates unterstützen.

Erst geklaut, dann vorinstalliert

Eine junge Frau in Malaysia hält eine Longhorn-CD in die Kamera - offensichtlich eine plumpe Kopie

Schon die Vor-Vorversion Longhorn gab's als Raubkopie

Vista soll das bisher sicherste Windows sein - auch für den Hersteller. So soll es zahlreiche versteckte Mechanismen geben, die verhindern, dass Microsoft durch Schwarznutzung Einnahmen entgehen. Dennoch kann die Produktaktivierung, die 30 Tage nach der Installation erfolgen sollte, einfach durch das Verstellen der Systemzeit umgangen werden. Schon wird in Internet-Foren gemunkelt, Microsoft unterstütze die illegale Verbreitung von Windows Vista. "Die Verbreitung des Systems lebt auch von illegalen Kopien", sagt Ralf Wigand, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Verantwortlicher für Betriebssysteme am Rechenzentrum der Uni Karlsruhe. "Ich glaube, Microsoft nimmt das Raubkopieren derzeit billigend in kauf, aber man wird es irgendwann stoppen."

Was Microsoft auch tut - Vista kommt langsam. "Jeder wird sich früher oder später einen neuen PC kaufen", sagt Fachjournalist Kolokythas, "die meisten Anwender spätestens in drei bis vier Jahren. Dann wird es nur noch Vista geben." Doch noch gibt es relativ wenig Hard- und Software, die von Vista unterstützt wird oder gar darauf zugeschnitten ist. "Es gibt natürlich diejenigen, die immer das Neueste haben müssen, die einen bestimmten Sicherheitsbedarf haben oder die ihre Hardware schon jetzt umgerüstet haben. Die holen sich jetzt schon Windows Vista", sagt Ralf Wigand. "Für Besitzer aktueller Rechner gibt es ganz wenig Grund umzusteigen."

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