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Wirtschaft

Microsoft startet Klagewelle gegen Software-Piraten

Microsoft zieht im Kampf gegen illegale Software-Kopien erstmals in einer internationalen Aktion vor Gericht. Die meisten Klagen richten sich gegen Händler und Privatpersonen in den USA, Deutschland und den Niederlanden.

Kopien von Windows XP

Microsoft hofft auf mehr Umsatz durch Kampf gegen Raubkopierer

In 55 Gerichtsverfahren hat Microsoft Klage gegen Unternehmen und Privatpersonen erhoben, teilte der weltweit größte Softwarekonzern am Dienstag (31.10.) in Redmond im US-Bundesstaat Washington mit. Die Aktion richte sich gegen Verkäufer, die gefälschte Software über eBay oder andere Auktions-Plattformen angeboten hätten. Es sei der bisher größte Schlag gegen den Vertrieb illegal kopierter Software und das erste Mal, dass das Unternehmen sich dabei auf den Internet-Handel über Online-Auktionshäuser konzentriere. Viele der Beklagten habe Microsoft zuvor gewarnt.

"Gefälschte Software ist fehlerhaft und gefährlich, weil die Fälscher sich am einzigartigen Software-Code zu schaffen machen. Dies öffnet die Tür für Identitäts-Diebstahl und andere ernsthafte Sicherheitsverletzungen", sagte Matt Lundy, leitender Rechtsanwalt bei Microsoft. Gefälschte Software sei daher vor allem auch ein Risiko für die Konsumenten.

Deutscher Anbieter vertickte Raubkopien bei eBay

Die meisten Klagen ergingen in den USA (15), Deutschland und den Niederlanden (jeweils zehn) sowie in Frankreich und Großbritannien (jeweils fünf). Daneben leitete Microsoft in Argentinien, Australien, Belgien, Südkorea, Mexiko und Polen rechtliche Schritte gegen Verkäufer ein. Im Fall eines deutschen Anbieters seien beispielsweise 2000 illegal kopierte Produkte über das Online-Auktionshaus eBay angeboten worden, erklärte Microsoft.

Zahlreichen Verkäufern kam Microsoft eigenen Angaben zufolge auf die Schliche, als gutgläubige Kunden online über die Microsoft-Routine "Windows Genuine Advantage" die Echtheit der erstandenen Programme prüfen ließen.

Produktpiraterie kommt Microsoft teuer zu stehen

Eine malaysische Frau hält Raubkopien der Microsoft-Software Longhorn hoch

Eine malaysische Frau mit Raubkopien der Microsoft-Software "Longhorn"

Eine Senkung der Piraterierate könnte Microsoft mehr als 1,3 Milliarden Dollar in kommenden Jahr einbringen, schätzt Brent Thill, Analyst der Citigroup Inc. Der PC-Markt lege derzeit deutlich in Märkten wie China oder Russland zu, wo auch die Software-Piraterie floriere. Das Umsatzwachstum für Windows läge dementsprechend unter dem des weltweiten PC-Marktes.

Mit den am Dienstag erhobenen 55 Klagen richtet Microsoft seine Anstrengungen erstmals weltweit aus, um rechtlich gegen Online-Dealer vorzugehen. Allerdings versucht Microsoft bereits seit einiger Zeit mit solchen und ähnlichen juristischen Offensiven, die weit verbreitete Nutzung von Raubkopien der Windows-Betriebssysteme und der Bürosoftware Office einzudämmen.

So leitete Microsoft allein zwischen dem 1. Juli und dem 30. September 275 Mal rechtliche Schritte gegen Personen oder Firmen ein, die vermutlich mit Raubkopien handelten. Der Verkauf von Windows und Office ist trotz etlicher weiterer Geschäftszweige weiter die wichtigste Einnahmequelle für Microsoft.

Zuckerbrot und Peitsche

Beim Kampf gegen Produktpiraterie scheint Microsoft allerdings eine Doppelstrategie aus Zuckerbrot und Peitsche zu verfolgen. So kündigte der US-Konzern am Dienstag nicht nur eine weltweite Klagewelle an. Microsoft gab auch bekannt, dass es erstmals Lizenzen zur Nutzung seiner Software an chinesische Firmen vergeben habe. Auf diese Weise wolle es die Entwicklung der Software-Branche in China vorantreiben, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Zugleich bezeichnete Microsoft den Schritt als Ausdruck des Vertrauens, dass China tatsächlich gegen den weit verbreiteten Raub von geistigem Eigentum vorgehen werde. Bislang hatte der US-Konzern derartige Lizenzen lediglich an in China tätige Auslandsfirmen vergeben. (ana)

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