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Wirtschaft

Microsoft frisst die Kinder der Revolution

Microsoft besetzt zukunftsträchtige Märkte selten als Erster. Der Konzern schafft es aber mit seiner Marketingkraft immer wieder, Trendsetter aus dem Markt zu drängen. Ob das auch bei Videospielen und Handys klappt?

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Schmuckstück aus der weltgrößten Software-Schmiede: Xbox

Computerspiel mit XBox

Xbox360 / Foto: Microsoft Corp.

Der Softwarekonzern Microsoft hat diese Woche eine selten gesehene Produktoffensive gestartet, um die Abhängigkeit vom wachstumsschwachen Kerngeschäft mit Computer-Programmen zu verringern. Am Freitag (13.5.2005) stellte Microsoft-Vizepräsident Peter Moore im TV-Sender MTV die neue Spielekonsole Xbox 360 vor. Das Unternehmen will damit die Vorherrschaft des Konkurrenten Sony auf dem weltweiten Videospiele-Markt brechen. Im November soll das Gerät in den USA in die Läden kommen, sechs Wochen später in Asien und Europa.

Microsoft ist auf diesem Markt, der inzwischen ähnliche Dimensionen wie die Filmindustrie erreicht hat, besonders bemüht, seine Stellung auszubauen. Dies lässt sich das Unternehmen nach Informationen der Agentur Reuters jährlich rund eine Milliarde Dollar kosten, bei einem Umsatz im ersten Vierteljahr 2005 von knapp 600 Millionen Dollar. Die US-Amerikaner haben mittlerweile gemessen am Marktanteil mit Nintendo fast gleichgezogen, liegen aber noch deutlich hinter Sony und dessen PlayStation.

Handy-Software

Bill Gates Microsoft

Bill Gates (Archiv)

Bill Gates, der reichste Mann der Welt und Gründer von Microsoft, hatte erst am Dienstag (10.5.) eine weitere Neuerung angekündigt: Das neue Handy-Betriebssystem Windows Mobile 5.0 werde ganz neue Hardware-Designs und Lösungen ermöglichen, sagte er in Las Vegas und fügte hinzu: "Sie revolutionieren die Art und Weise, wie mobile Endgeräte heute genutzt werden." Mit Windows Mobile 5.0 sollen Handys zu kleinen Multimedia-PC's werden, Text-, Tabellen- und Grafikverarbeitung soll ebenso möglich werden wie das Abspielen von Musik und Videos. Apples I-Pod, sagte Gates in einem Zeitungsinterview, werde nun seinen Erfolg nicht mehr lange fortsetzen können.

Wie so oft in der Vergangenheit hat Microsoft diese Revolution nicht angestoßen, sondern versucht stattdessen, ihre Kinder zu fressen. Das gelang schon mit dem Internet-Browser Explorer, der eine technische Nachahmung des Netscape-Navigator war. Netscape verfügte zwar über ein ebenbürtiges Produkt, konnte aber nicht lange mit der überwältigenden Marketingkraft Microsofts Schritt halten, so dass der Navigator heute kaum noch eine Rolle spielt.

Blaubeeren

Als Pionier auf dem Markt für Multimedia-Handys gilt derzeit die kanadische Firma Research in Motion (RIM) mit ihrem Blackberry. Das eher sperrige Gerät ist eine Kombination aus Telefon, E-Mail-Programm und Organizer. Seine Software liest mühelos Word- und Excel-Dateien, mit denen andere Handy-Software noch große Probleme hat. Außerdem verfügt es über einen so genannten E-Mail-Push-Dienst, das heißt der Blackberry versorgt seinen Besitzer stets und unaufgefordert mit den neusten Mails - ohne Netzeinwahl und Download. In den USA gehört das Gerät zur Standard-Ausrüstung von Managern. An die drei Millionen Kunden nutzen das Gerät bereits.

Dieser Markt gilt als äußerst zukunftsträchtig. Deshalb haben Handy-Hersteller wie Siemens, Nokia und Sony-Ericsson bereits Lizenzen von RIM erworben. Ziel von Microsoft ist es, zum wichtigsten Anbieter von Handy-Software zu werden. Bisher ist dieses Geschäftsfeld für den Gates-Konzern eher ein Nebenschauplatz. Während er mit dem Kerngeschäft (Windows für PC) im ersten Vierteljahr fast drei Milliarden Dollar umsetzte, brachte Handy-Software nur 80 Millionen Dollar.

Umsatzsprünge

Erfolge der Handy-Software und der Spielekonsole sind für Microsoft trotzdem von großer Bedeutung, weil davon ein weiteres Umsatzwachstum abhängt. In seinem Kerngeschäft, der PC-Software, hält der Konzern bereits hohe Marktanteile. Und da bereits fast jeder PC mit seiner Software läuft, ist das Wachstum entsprechend gering. Im ersten Quartal 2005 betrug es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum magere zwei Prozent. Das Geschäft mit der Xbox legte dagegen um rund zwölf Prozent zu. Und der Bereich Handy-Software bescherte dem Konzern gar einen Umsatzsprung von mehr als dreißig Prozent. Kein Wunder also, dass der Software-Riese seine Marketing-Kraft auf diese beiden Geschäftsfelder konzentriert und es beim Betriebssystem Windows ruhig angehen lässt. Diese Schlacht ist für Gates geschlagen - und gewonnen.

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