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G20

Merkel, Trump und der Feminismus

Was muss passieren, damit Frauen in der Arbeitswelt genauso viel Geld, Macht und Einfluss erhalten wie Männer? Darüber diskutiert der Woman20-Gipfel in Berlin mit prominenter Besetzung. Sabine Kinkartz berichtet.

Die Bundeskanzlerin, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, die Tochter und Beraterin des US-Präsidenten und viele andere - es ist eine durchaus illustre Runde, die beim "Women20 Summit", dem Frauengipfel im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft auf der Bühne sitzt. Als "kleines, aber mächtiges Frauennetzwerk" bezeichnet es Moderatorin Miriam Meckel, die als Chefredakteurin ebenfalls in führender Position arbeitet. 

Tatsächlich entsteht in der eineinhalbstündigen Diskussion sehr schnell ein Gefühl von Gemeinsamkeit und Solidarität: Frauen machen immer noch seltener Karriere als Männer, Frauen in Führungspositionen sind nicht selbstverständlich. Es geht um die Frage, wie man das ändern kann. Der Widerstand in den männlich dominierten Chefetagen ist nur eine Facette. Dagegen helfen Gesetze. "Wir haben jahrelang gebettelt und gebeten, aber es ist nicht möglich gewesen, dass die DAX-Unternehmen in ihre Aufsichtsräte ein Drittel Frauen hineinbekommen haben", erinnert sich die Kanzlerin und fügt hinzu, die Konzerne hätten sich das Gesetz am Ende selbst erarbeitet. "Durch Nichtstun."

"Die Buben lernen sowieso nicht"

Auf der anderen Seite liegt es aber oft auch an den Frauen selbst. "Es ist schwierig, Frauen zu motivieren", berichtet Nicola Leibinger-Kammüller aus ihrem Alltag als Chefin des Maschinenbauunternehmens Trumpf. "Wir müssen viele Frauen geradezu dazu zwingen, Führungspositionen zu übernehmen." Immer wieder werde auf die Familie verwiesen, auf die Kinder. "Die Lateinnoten sinken, die Buben lernen sowieso nicht, ich muss da zuhause sein." Leibinger-Kammüller, die auch in mehreren Aufsichtsräten sitzt, findet es sehr wichtig, Überzeugungsarbeit zu leisten. Frauen müssten davon abgehalten werden, in tradierte Rollenmuster zurückzufallen. "Das ist Aufgabe aller", so die 57-jährige Mutter von vier Kindern.

Deutschland W20 Konferenz in Berlin (Reuters/F. Bensch)

Die Kanzlerin und ihre prominenten Gäste in Berlin

Dass Frauen im Zuge der Familiengründung immer noch zurückstecken, eher Teilzeitstellen übernehmen, in ihren Positionen verharren, anstatt auf der Karriereleiter weiter aufzusteigen, diese Erfahrung machen viele Unternehmen. "Obwohl wir mehr Frauen einstellen, weil sie in der Regel besser qualifiziert sind als Männer, verlieren wir überdurchschnittlich viele, wenn sie das mittlere Management erreicht haben", berichtet die Personalchefin eines großen Pharmaunternehmens auf dem Frauengipfel. "Warum ist das alte Rollenmuster nicht aus den Köpfen zu bekommen?", fragt Gabriela Ramos von der OECD.

Die Kanzlerin stottert

"Sind Sie eine Feministin?", fragt Moderatorin Meckel die Bundeskanzlerin auf dem Frauengipfel. Angela Merkel bringt das erst einmal aus dem Konzept und ins Stottern. "Ehrlich gesagt, ähm, möchte ich, ähm...", setzt sie an. IWF-Chefin Lagarde beginnt, zu klatschen, im Publikum werden Ja-Rufe laut. Doch Merkel lässt sich nicht aus der Reserve locken. Nachdem Feministinnen wie Alice Schwarzer derart schwierige Kämpfe gekämpft hätten, könne sie sich nicht einfach auf deren Erfolge drauf setzen. "Ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken", so Merkel. 

US-Präsidententochter Ivanka Trump hat da eine eindeutigere Antwort parat. "Ich betrachte mich als Feministin, denn ich glaube an die Gleichheit der Geschlechter", sagt sie und sieht sich sogleich mit der Frage konfrontiert, wie das zum Auftreten ihres Vaters passe. Dessen anzügliche, sexistische und herabwürdigenden Äußerungen über Frauen sind hinlänglich bekannt. Die 35-jährige bringt das nicht aus der Fassung. Sie habe Donald Trump nie als frauenfeindlich kennengelernt, obwohl ihr entsprechende Vorwürfe bekannt seien, so Ivanka Trump. Der Präsident sei "fest davon überzeugt, dass Frauen das Potenzial und das Können besitzen, den Job genauso gut wie Männer zu erledigen".

Ivanka verteidigt ihren Vater

Im Publikum wird gestöhnt und ungläubig gelacht. Doch auch davon lässt sich Ivanka Trump nicht beeindrucken. Stattdessen äußert sie sich kritisch darüber, dass die USA als einziges Land keine gesetzliche Regelung zum bezahlten Mutterschutz hätten. Außerdem gebe es Defizite bei den Angeboten zur Kinderbetreuung. Manche Familien müssten mehr für die Kinderbetreuung bezahlen, als für die Miete. Ihr Vater wolle dies als Präsident ändern, beteuert Trump. Er sei ein "enormer Unterstützer" der Stärkung von Frauen und Familien.

Video ansehen 01:02

Donald Trump glaube "an das Potential von Frauen"

Donald Trump hat seine erklärte Lieblingstochter vor kurzem ganz offiziell zu seiner Beraterin gemacht, inklusive Büro im Weißen Haus. Der Deutschlandbesuch ist Ivanka Trumps erste Auslandsreise in dieser Funktion. Ziel ihres Besuchs sei es, "zuzuhören und zu lernen und Rat zu suchen", sagt sie. "Ich werde Wissen und Ratschläge zurück in die USA und zu meinem Vater bringen." Das ist sicherlich ganz im Sinn der Bundeskanzlerin, die Ivanka Trump bei ihrem Besuch in Washington vor sechs Wochen kennengelernt und daraufhin die Idee entwickelt hatte, die Trump-Tochter zum Frauengipfel nach Berlin einzuladen.

Jede Menge Leute, die viel Geld haben

Deutschland hat in diesem Jahr die Präsidentschaft der G20 inne. In dem Gremium sind die 19 weltweit führenden Wirtschaftsnationen plus die Europäische Union zusammengefasst. Daher beschäftigt sich der Gipfel auch nicht nur mit den Problemen von Frauen in westlichen Ländern. Um Frauen in Entwicklungsländern zu unterstützen, will die Bundeskanzlerin innerhalb der G20 einen Geldfonds für Mikrokredite schaffen. Die Zinssätze selbst der Entwicklungsbanken in Afrika seien viel zu hoch. Erfahrungen hätten gezeigt, dass Frauen mit Krediten besser umgehen könnten, ihre Ausfallrate sei wesentlich geringer als die von Männern.

Auf dem prominent besetzten Diskussionspodium findet die Idee großen Anklang. IWF-Chefin Christine Lagarde schlägt vor, den Fonds in die deutsche Afrika-Initiative "Compact for Africa" zu integrieren, die das Wirtschaftswachstum auf dem Kontinent durch mehr privates Engagement fördern soll. Ivanka Trump will sich genauso für das Projekt engagieren, wie die niederländische Königin Maxima und die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland. Trumpf-Chefin Leibinger-Kammüller schlägt vor, auch private Kreditgeber mit ins Boot zu holen. Sie kenne "jede Menge Leute, die genügend Geld haben", vor allem auch Frauen. "Da würde ich gerne sammeln."

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