1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Menschenfeindlichkeit in Europa

Europa ist vielfältig, das zeigt sich auch an den Vorurteilen gegenüber Anderen. Sie sind zwar laut einer neuen Studie weit verbreitet, tauchen aber in verschiedenen Formen und Kombinationen auf.

Türkische Männer verkaufen Wurst (Foto: DW/Peter Deselaers)

Vorurteile gegenüber Fremden sind auch in der EU verbreitet

Jeder zweite Europäer glaubt, es gebe zu viele Einwanderer in Europa. Doch wenn man genauer hinschaut, gibt es keine einheitliche europäische Meinung: Während in Italien 62 Prozent der Befragten von zu vielen Einwanderern sprechen, sind es in Polen nur 27 Prozent. Wenn es aber um Arbeitsplätze geht, plädieren drei von vier Polen dafür, gebürtige Polen gegenüber Einwanderern zu bevorzugen.

Ein anderes Beispiel aus der Studie, das widersprüchlich ist: Niederländer sind am tolerantesten, wenn es um Arbeitsplätze geht. Nur jeder Vierte der insgesamt 8000 Befragten meint, Einheimische sollten bei der Job-Vergabe bevorzugt werden. Andererseits sind dieselben Niederländer am wenigsten bereit, in Wohnvierteln zu wohnen, wo viele Migranten leben.

Freundschaften als Weg zum Verständnis

Eine Frau mit Kopftuch geht eine Straße entlang (Foto: AP)

Über Freundschaften können Vorurteile gegen "die Anderen" abgebaut werden

Vorurteile, wie sie in der EU herrschen, können abgebaut werden und zwar auf einem einfachen Weg: Die Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen müssen miteinander in Kontakt treten. Das ist die Empfehlung der Wissenschaftler aus den acht Ländern, die an der Studie teilgenommen haben. "Wir haben durch die Forschungen in den letzten zehn Jahren klar herausgefunden, dass Freundschaften am wirksamsten sind. Wenn ich selbst einen Freund in einer anderen Gruppe habe, ist das optimal. Aber auch wenn ich sehe, dass ein Freund von mir einen Freund in einer anderen Gruppe hat, ist das auch sehr wirksam", erklärt Miles Hewstone von der Universität Oxford.

Doch was so einfach klinge, stoße in der Lebenswirklichkeit auf Hindernisse, sagt Anetta Kahane von der Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung. Die Organisation, die sich an der Finanzierung der Studie beteiligt hat, engagiert sich gegen rechte Gewalt und Rassismus, die im Osten Deutschlands und Europas weit verbreitet sind. Weil es dort aber wenige Migranten gebe, sei es schwierig, Vorurteile durch Kontakte abzubauen, sagt Kahane. "Es gibt im Bezug auf bestimmte Gruppen wie Juden beispielsweise gar keine Notwendigkeit, diesen Kontakt herzustellen oder einfach keine Möglichkeit."

Noch viel Arbeit

Cem Özdemir im Porträt (Foto: Bündnis90/Grüne)

Cem Özdemir war fünf Jahre lang Abgeordneter im Europaparlament

Doch Kontakte alleine reichten nicht aus, wie Cem Özdemir, Partei-Chef der Grünen in Deutschland, sagt. "Wenn Begegnungen und Freundschaften einfach gegen Rassismus und Vorurteile helfen würden, dann müssten wir eigentlich das Land sein, wo es gar keine Probleme gibt, wenn ich an die vielen Reisenden in die Türkei und andere Länder denke." Diese Treffen seien aber immerhin eine Grundlage, auf der sich etwas entwickeln könne.

In Polen und Ungarn ist die so genannte gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit der Studie zufolge durchschnittlich am stärksten. Doch die westlichen Länder könnten sich nicht zurücklehnen, sagt Özdemir: "Über 200 Jahre nach der Aufklärung ist das hier nicht der Hort der höchsten Stufe der menschlichen Zivilisation und außen um uns herum ist die Barbarei. Sondern die Barbarei ist mitten in der Europäischen Union." Insgesamt sieht Özdemir die Rolle der Europäischen Union positiv. Die EU habe wesentliche Fortschritte erst möglich gemacht, beispielsweise durch die europäische Antidiskriminierungs-Richtlinie, der sich viele Nationalstaaten lange verweigert hätten. Sie ist also auf dem richtigen Weg.


Für die Studie "Europäische Zustände" wurden je Tausend Menschen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Polen, Portugal und Ungarn befragt. Finanziert wurde die erste Untersuchung dieser Art ausschließlich von privaten Stiftungen.


Autor: Marcel Fürstenau
Redaktion: Julia Kuckelkorn

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links