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Politik

Jenseits aller Vorurteile

Der deutsch-polnische Politikerstreit um die Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach geht in eine neue Runde. Für die Jugendlichen auf beiden Seiten spielt das Thema jedoch kaum eine Rolle.

Steinbach vor Ausstellungswand (Quelle: AP)

Erika Steinbach in der Ausstellung des "Zentrums gegen Vertreibungen"

Viele Polen und Deutsche sehen die Beziehungen zwischen den Nachbarländern offenbar positiver als ihre Politiker. "Unter polnischen Jugendlichen ist Steinbach kein Thema", sagt Alicja Kedzierska. Die 25-jährige Polin absolviert gerade einen neunmonatigen Freiwilligendienst in Düsseldorf. Unter polnischen Jugendlichen habe sich die Einstellung zum Nachbarn nicht zuletzt durch die in Polen populäre Seifenoper "M jak Milosc" (L wie Liebe) verbessert. Ein deutscher Bauer gibt dort den chronischen Pechvogel. "Da haben wir gesehen, dass Deutsche auch humorvoll sein können", sagt Kedzierska. Sie selbst lebt in einer Gastfamilie und erzählt von den kleinen Begebenheiten, die zu einem besseren Verständnis für das andere Land führen. "Uns hat man immer gesagt: keine Scheu vor dem Kühlschrank der Gastfamilie", erklärt sie. In Polen sei man gewöhnt, dass die Familie einem das Essen anbietet.

Von symbolischer Bedeutung

Marsch der Lebenden (Quelle: DPA)

Versöhungsarbeit: Im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz gibt es heute eine Internationale Jugendbegegnungsstätte

"Die Besetzung des Stiftungsrates hat mittlerweile vor allem symbolische Bedeutung", sagt Stephan Erb, Geschäftsführer des deutsch-polnischen Jugendwerks. Bei seiner Arbeit beschäftigt er sich mit der Verständigung zwischen Polen und Deutschen. In beiden Ländern habe der Fall Steinbach mittlerweile außen- und innenpolitische Komponenten. Zu einer guten Lösung werde man nur kommen, wenn man die jeweiligen Empfindlichkeiten des Nachbarlandes ernst nimmt. Mit dem Jugendwerk wolle man zu einer Verständigung zwischen den Nachbarn beitragen. Das Jugendwerk organisiert Begegnungen zwischen Jugendlichen beider Länder nach dem Vorbild des deutsch-französischen Jugendwerks. Im vergangenen Jahr gab es über 3500 Begegnungen, an denen über 130.000 Jugendliche teilnahmen. "Steinbach spielt dabei eine absolute Nebenrolle", sagt Erb.

In deutschen Medien wurde der Konflikt besonders aufgegriffen, als sich der Deutschand-Beauftragte der polnischen Regierung, Wladyslaw Bartoszewski, sehr kritisch zu Steinbach äußerte. Bartoszewski hatte gesagt, eine Entsendung Steinbachs in den Stiftungsrat wäre, "als ob der Vatikan den Holocaust-Leugner Bischof Williamson zum Israel-Beauftragten ernennt."

"Polen wissen aber generell mehr über Deutschland als andersrum"

Merkel und Tusk vor EU-Flagge (Quelle: AP)

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Für die Jugendlichen auf beiden Seiten spielt dies offenbar keine Rolle. "Bei den Treffen mit den Jugendlichen geht es um Mode und Musik, aber nicht um die große Politik", sagt Steffen Hauff, Geschäftsführer der Aktion West-Ost, die auch für das Jugendwerk Begegnungen organisiert. Persönliche Freundschaften würden auch durch die Diskussion um Steinbach nicht beeinflusst. "Polen wissen aber generell mehr über Deutschland als andersrum", sagt Hauff. So hätten viele Deutsche vor kurzem nicht gewusst, wer Erika Steinbach ist, während sie in Polen ein Begriff gewesen sei - zumindest unter den Älteren. Viele Polen seien selbst nach Deutschland gereist, während unter Deutschen oft Zerrbilder über das Nachbarland vorherrschten.

Kanzlerin Merkel trifft Regierungschef Tusk am Freitag

Auf politischer Ebene wird der Konflikt spätestens am Freitag (27.02.2009) in eine neue Runde gehen. Dann trifft Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Polens Regierungschef Donald Tusk in Hamburg. Vielleicht gelingt es ja über den persönlichen Kontakt den Konflikt etwas zu entschärfen, wie die Geschichten der Jugendlichen zeigen.

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