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Kultur

Schwieriges Erinnern: Das Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin

Die deutsche Hauptstadt spielt eine wichtige Rolle im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Stadtviertel Kreuzberg soll ein Dokumentationszentrum zu Flucht und Vertreibung entstehen.

Das Deutschlandhaus: Bald das Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin-Kreuzberg

Bald das "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin-Kreuzberg

Versöhnung zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern und die Solidarität mit allen Opfern von Vertreibung und Genozid: Das sind zwei wichtige Aufgaben für die Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen". Gegründet wurde sie im September 2000 vom Bund der Vertriebenen und hat ihren Sitz in Wiesbaden. Jedoch bemüht sich die Stiftung seit längerem um die Errichtung eines Dokumentationszentrums über die Vertreibungen des 20. Jahrhunderts in Europa. Ein Gebäude in Berlin, das Deutschlandhaus im Bezirk Kreuzberg, ist für künftige Ausstellungen auch schon gefunden. Wann das Zentrum dort jedoch seine Arbeit aufnehmen wird, ist noch ungewiss.

Menschen warten im Sommer 1992 im kroatischen Karlovac auf den Transport ins Flüchtlingslager

Menschen warten im Sommer 1992 im kroatischen Karlovac auf den Transport ins Flüchtlingslager

Nie wieder Krieg und Vertreibung in Europa

Das Zentrum gegen Vertreibungen widmet sich der erzwungenen Umsiedlung europäischer Völker im 20. Jahrhundert. In einer ersten Ausstellung, die 2006 in Berlin zu sehen war, wurde unter anderem der Genozid an den Armeniern durch das Osmanische Reich zu Beginn des Ersten Weltkrieges, die Zwangsumsiedlungen von Polen, Ukrainern und Ungarn, das Leiden der Juden in Deutschland und die Auswirkungen des Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien thematisiert. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und der kommunistischen Systeme in Osteuropa löste zahllose staatliche Unabhängigkeitsbestrebungen aus, die militärische Konflikte geradezu provozierten. Als im Sommer 1991 der Bürgerkrieg zwischen Kroaten, Bosniern und Serben in Jugoslawien ausbrach, tauchten schockierende Bilder in den europäischen Medien auf, die eigentlich längst der Vergangenheit anzugehören schienen: Flüchtlingstrecks und Sammellager, Kriegselend und brutale ethnische Säuberungen durch Militärs. Die Leiden der Zivilbevölkerung sorgten vor allem in Deutschland für Erschütterung, denn viele wurden an ihre eigene Kriegs- und Nachkriegsgeschichte erinnert.

Ein Blick zurück

Weihnachten 1944: die Ruhe und Besinnlichkeit jener Tage empfinden zahllose Bewohner der ostdeutschen Provinzen Pommern, Schlesien und Ostpreußen mit äußerst gemischten Gefühlen. Die Truppen der Sowjetunion sind dicht an die ehemaligen Grenzen des Deutschen Reiches herangerückt. An einen von Hitler und Goebbels propagierten "Endsieg" glaubt außer einigen fanatischen Parteigenossen niemand mehr. Und dann sind da noch die deutschen Flüchtlinge aus Litauen, die Furchterregendes von den Kriegsereignissen berichten.

1945 ein alltägliches Bild: Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten

1945 ein alltägliches Bild: Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten

Anfang Januar 1945 startet die sowjetische Armee ihre Offensive gegen Hitlerdeutschland, die mit der Einnahme Berlins vier Monate später enden wird. Gleichzeitig beginnt eine der größten Flucht- und Vertreibungsbewegungen in der Geschichte Europas: Bis Mai 1945 fliehen Millionen Menschen aus den deutschen Ostgebieten vor den herannahenden sowjetischen Truppen.

Damit war das Flüchtlingsdrama jedoch keineswegs beendet: Während die alliierten Siegermächte ab Mitte Juli 1945 auf der Potsdamer Konferenz über die Zukunft Deutschlands berieten, begannen die polnischen und sowjetischen Besatzungsmächte in den deutschen Ostgebieten mit der Vertreibung der dort verbliebenen Bevölkerung. Bis 1950 wurden noch einmal Millionen Menschen in die beiden deutschen Staaten zwangsumgesiedelt.

Gedenkstätte mit europäischem Anspruch

Bereits 1950 entstanden verschiedene Organisationen und Verbände, die die Interessen der rund 12 Millionen vertriebenen Deutschen vertraten. 1957 kam es zur Gründung des "Bundes der Vertriebenen". Bis heute sieht der Verband seine Hauptaufgabe darin, die Erinnerung an die unterschiedlichen Heimatänder und Kulturen der einstigen Flüchtlinge wach zu halten.

Ein Kinderwagen und Möbel italienischer Vertriebener aus Istrien und Dalmatien in der

Ein Kinderwagen und Möbel italienischer Vertriebener aus Istrien und Dalmatien in der Ausstellung "Erzwungene Wege".

Die politischen Veränderungen in Europa nach dem Ende des "Kalten Krieges" und sicherlich auch die gewaltsamen Auseinandersetzungen in den nach Unabhängigkeit strebenden Staaten führten dazu, dass der BdV im September 2000 das "Zentrum gegen Vertreibungen" ins Leben rief. Ziel ist die Errichtung eines Dokumentationszentrums über Vertreibungen in Europa im 20. Jahrhundert in Berlin. Allerdings steht dem "Zentrum gegen Vertreibungen" seit seiner Gründung immer wieder kritischen Stimmen gegenüber: Gegner befürchten, dass die Deutschen dort zu sehr nur als Opfer dargestellt würden. Und nach verschiedenen Äußerungen der Vorsitzenden des BdV, Erika Steinbach, forderte das Nachbarland Polen, dass sie von ihren Aufgaben beim Zentrum zurücktritt.

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